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Klassikpreis : Das Elend mit dem Echo

  • -Aktualisiert am

Vor zwei Jahren hat sich Cecilia Bartoli ihren Preis als „Sängerin des Jahres” noch abgeholt. Diesmal kommt sie nicht Bild: picture-alliance/ dpa

An diesem Sonntag Abend wird wieder der angeblich „renommierteste Klassikpreis der Welt“ vergeben. Ein Horror für alle, die ihn bekommen. Und für alle jene, die sich die Gala zu seiner Verleihung im Fernsehen antun.

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          Es gibt jede Menge Preise auf der Welt, die niemand haben will, aber direkt ablehnen geht auch nicht. Diese Preise sind in der Regel undotiert, sie kommen einfach zu spät oder zu häufig oder sie sind auch manchmal nichts wert, weil praktisch jeder so einen Orden einmal jährlich umgehängt kriegt. Oft sind die Trophäen dann auch noch so hässlich, dass man sie im Keller verstecken oder in der Garderobe stehen lassen muss. Einer der hässlichsten, bei den Preisträgern unbeliebtesten Preise der Welt ist der Echo-Klassik-Preis, der heute Abend in der Essener Philharmonie verliehen wird.

          Echos regnet es immer Mitte Oktober, zur gleichen Zeit, wenn wieder die ersten Schokoweihnachtsmänner in den Supermärkten auftauchen. Klassische Musik teilt mit den Weihnachtsmännern das Schicksal, dass sie nur im letzten Quartal so richtig fett Umsatz macht. Warum das so ist, dass die Menschen, die das ganze, liebe, helle Jahr lang im schönsten Sonnenschein nur Schlager oder Hiphop oder guten, alten Rock’n’Roll an ihre Ohren lassen, plötzlich, wenn es kalt wird draußen und dunkel, von einem unstillbaren Verlangen nach Bach oder Schubert erfasst werden, das ist noch nicht ausreichend erforscht. Aber es ist empirisch bewiesen. Der Bundesverband Musikindustrie e.V. wird es jederzeit bestätigen können.

          Ein Preis, dem man eher aus dem Weg geht

          Die Echo-Trophäe wiegt fast zwei Kilo, sie ist aus Stahl, massiv, poliert und sieht aus wie ein aufgeschlitzter Reifen oder wie ein Gerät, mit dem sich sehr gut Reifen aufschlitzen ließen. Ich kenne Echopreisträger, die ihren Echo als Türstopper benutzen und andere, die anrufen und sich entschuldigen, dass sie ihn bekommen haben: „Wie peinlich. Tut mir leid. Hab schon wieder den Echo gekriegt.“ Die überwältigende Mehrheit der knapp 800 Preisträger der letzten 16 Jahre hat „ihren Echo“ (eigentlich müsste es grammatisch korrekt heißten: „ihr Echo“) gar nicht erst abgeholt. Ja, in der Klassikbranche kursieren unzählige lustige Geschichten darüber, wie Musiker es vermieden haben, diesen Preis zu bekommen oder damit klar kamen, ihn zu bekommen. Man könnte ein Büchlein damit füllen. Doch für eine anständige Reportage reicht das leider nicht aus, keiner möchte mit Namen erwähnt werden, es steckt einfach zu viel Geld darin, nicht direkt in dem Preis, aber doch dahinter.

          Schon 2006 war Cecilia Bartoli als „Sängerin des Jahres” ausgezeichnet worden
          Schon 2006 war Cecilia Bartoli als „Sängerin des Jahres” ausgezeichnet worden : Bild: picture-alliance/ dpa

          Der Bundesverband Musikindustrie, vertreten durch sein Promo-Ärmchen, die sogenannte „Deutsche Phono-Akademie“, hatte den Echo-Klassik-Preis 1993 mitten in der ersten, onlinebedingten Strukturkrise erfunden, um sich selbst regelmäßig ermutigend auf die Schulter klopfen zu können. Laut Selbstauskunft ist der Echo heute der „renommierteste Klassikpreis der Welt“. Wenn das noch oft genug wiederholt wird, dann wird es eines Tages schon zutreffen. Vorläufig haben weder die Kollegen in Frankreich noch die in Großbritannien davon gehört. Dafür hat hierzulande immer noch der „Grand Prix du Disque“, den es lange nicht mehr gibt, einen sehr guten Klang, auch der Preis der Plattenzeitschrift „Repertoire“, beide standen für von Jurys evaluierte Qualität.

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