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Kabarett-Zwist : Auf die Enterbung folgt der Vatermord

Richling selbst sieht sich als Opfer, zu Unrecht verurteilt wegen des Missverständnisses, künftig Comedy machen zu wollen: „Das Fallbeil ist leider schon unten: Urteilsverkündung vor Beweisführung.“ Warum, fragt er, solle „ein Comedian nicht auch eine politische Überzeugung haben? Wenn er sie äußern möchte, kann er's bei mir tun. Und wenn er schlecht ist, kommt er halt nicht wieder.“ Die Übernahme des „Scheibenwischers“, so Richling gegenüber dieser Zeitung, habe er zuallererst als „Verpflichtung“ gesehen, Hildebrandts Erbe weiterzuführen: „Wenn er das nicht will, ist das in Ordnung.“ Gleichwohl zeigt er sich „völlig entsetzt“ ob des Verdikts über ihn: „Ich glaube, dass ihn jemand aufhetzt, der ihn in tiefstem Herzen nicht mag.“ Dass Hildebrandt ihm, der dreihundert eigene Sendungen gemacht habe, die Fähigkeit dazu abspricht, das habe „eine besondere Komik“.

Besonders heiter klingen indes weder Richling noch Hildebrandt, der im Gespräch erklärt, dass ihm die Geschichte „an die Nerven“ gehe. „Hysterisch“ nennt er Richlings Reaktion: „Der ist mir zu aufgeregt, er strampelt zu viel.“ Den Kabarettkollegen bezeichnet er als „Äquilibristen, der die Worte tanzen lässt“, dabei aber „sehr auf sich fixiert“ sei. Sollte Richling, der von Anfang an im 1980 gestarteten „Scheibenwischer“ zu Gast war, diesen tatsächlich als „abgestandene, von der SPD gesteuerte Veranstaltung“ sehen, dann, so Hildebrandt, „hätte er früher aussteigen müssen“. Hildebrandts Nähe zur SPD ist kein Geheimnis; 1972 zog er für Willy Brandt in den Wahlkampf und 1976 für Helmut Schmidt - nachzuerleben durch ein skurriles YouTube-Filmchen, in dem der kurzbehoste Knabe „Fritze“ (Hildebrandt) den christlich-konservativen „Karli“ (Horst Jüssen) von den Vorzügen der Sozialdemokratie überzeugt.

Nur noch vier Jahre

„Wenn ich heute in der SPD bin, heißt das nicht unbedingt, dass ich links bin - und diesen Entwicklungsschritt ist Dieter Hildebrandt nicht mitgegangen“, kritisiert Richling. Hildebrandt verteidigt sich, er habe stets in alle Richtungen ausgeteilt. Richlings Behauptung, er habe die „Lach- und Schießgesellschaft“ 1972 aufgelöst, weil das Ziel der Inthronisierung Brandts erreicht gewesen sei, weist er zurück: Schon 1968, also noch vor der Amtsübernahme Brandts, habe die Gruppe beschlossen, nur noch vier Jahre weiterzumachen. Vom Lach- und Schießgesellschaftsleiter Sammy Drechsel indes ist die Aussage überliefert, die SPD-geführte Regierung habe die Kabarettisten seinerzeit in ein „Dilemma“ gestürzt, weil sie die jahrelang unterstützte Partei ungern attackieren wollten.

Die beruflichen wie auch freundschaftlichen Bande zwischen Hildebrandt und Richling sind fürs Erste gerissen. Wenn zwei der profiliertesten deutschen Kabarettisten sich so heftig befehden, dann müssten sich ihre Gegner die Hände reiben. Dass einem nicht einfallen will, wo diese Gegner heute sitzen könnten, ist auch ein Indiz für den Bedeutungsverlust des Kabaretts. Comedians, sagt Richling, lade er auch deshalb ein, „weil das politische Kabarett nicht sehr breit gestreut ist“. Im ersten „Satire Gipfel“ wird Richling seine Gäste in einem Newsroom begrüßen; dass mit Ingolf Lück ein Comedian geladen ist, der einst Anchorman der Sat.1-„Wochenshow“ war, könnte für einen irritierenden Déjà-vu-Effekt sorgen.

In einem Interview hat Dieter Hildebrandt einmal erklärt, wieso er sich immer Töchter wünschte: „Mit Söhnen, so dachte ich, bekomme ich Schwierigkeiten. Da entstehen Generationenkonflikte.“ Den „Satire Gipfel“ des verlorenen Sohnes Richling will er sich auf jeden Fall ansehen. Er dürfte nicht allein sein: Solche Aufmerksamkeit ist dem Kabarett schließlich seit Jahren nicht geschenkt worden.

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