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Jürgen von der Lippe im Interview : Gelehrsamkeit und Obszönität

  • Aktualisiert am

Jürgen von der Lippe: „ich bin ein bisschen geistesgestört” Bild: obs

In Kürze beginnt seine neue Fernsehshow „Ich liebe Deutschland“. Im F.A.S.-Interview spricht der Entertainer Jürgen von der Lippe über den verunglückten Show-Titel, seine Affinität zu Partyspielen und den Ärger über herausgeschnittene Pointen.

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          Vermutlich bin ich nicht der Erste, der Ihnen wegen des Titels der Show „Ich liebe Deutschland“ mit Gustav Heinemann kommt, oder?

          Wegen seines Satzes „Ich liebe nicht den Staat. Ich liebe meine Frau“? Sie sind der erste Journalist, aber meine Autoren kamen schon drauf.

          Was sagen Sie zu Ihrer Verteidigung?

          Dass ich das dem Sender auch gesagt habe. Und der Sender aber sagte, der Titel „Ich liebe Frau von der Lippe“ ist ungeeignet.

          Wie ist Ihr Verhältnis zu Deutschland?

          Mein Verhältnis zu Deutschland ist entspannt, mein Verhältnis zu dem Titel ist nicht ganz so entspannt. Ich habe natürlich auch geschluckt – das ist altersbedingt. Meine Generation ist da natürlich immer noch nicht unverkrampft. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Ich reagiere panisch, wann immer ich in den Verdacht geraten könnte, nationalistische Strömungen zu unterstützen.

          Das ist aber vermutlich noch nicht so oft vorgekommen.

          Nein. Und man muss einfach sagen, dass mittlerweile eine Generation da ist, die diese Vorbehalte und diese Bürde nicht mehr hat. Und 2006, das Sommermärchen, ich muss sagen, das hat auch in mir etwas ausgelöst, das ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich war damals in meiner Stamm-Musikkneipe, die hatten Public Viewing gemacht, ein Nachmittagsspiel, ich weiß nicht mehr gegen wen. Wir hatten ein paar Bierchen und gingen dann zu Fuß nach Hause. Die hatten so kleine Fähnchen auf den Tisch gestellt, die hatten wir mitgenommen. Und dann kamen diese beflaggten Autos nach dem gewonnenen Spiel, es hörte nicht auf, und jeder grölte. Und die Leute haben mich auch erkannt, und ich war so froh, dass ich wenigstens mit dem kleinen Fähnchen zurückwinken konnte. Gut, ich hatte einen im Schuh, aber mir hat das wirklich Spaß gemacht.

          In der holländischen Version der Sendung sitzt das Publikum in den Farben der Nationalflagge da – das funktioniert in Deutschland eher nicht, oder?

          Ich glaube nicht. Als ich die Sendung im Original gesehen habe, wollte ich es erst gar nicht machen. Ich habe gesagt, das ist mir zu sehr auf die Zwölf und zu krawallig. Und die singen so eine Hymne – so was will ich alles nicht. Es hieß dann: Nein, das musst du alles nicht. Das Ganze wird ein bisschen sachlicher sein, wir haben ja Marc Bator und Sonya Kraus, was ich einen sehr reizvollen Gegensatz finde. Mich hat die Vielfalt der Aufgaben gereizt. Das ist kein normales Quiz, es ist Show, es geht zum Teil in den Bereich der Partyspiele – dazu habe ich ja schon immer eine große Affinität gehabt. Es gibt Zungenbrecher, Buchstabieren oder Stille Post. Es wird viel Musik sein, die Studioband spielt Titel an, die zu erraten sind. Ich glaube, das wird richtig viel Spaß machen. Und Deutschland ist nun mal das Thema.

          Wie haben Sie sich vorbereitet?

          Ich bin ja ein bisschen geistesgestört und habe meine sämtlichen Lexika des nutzlosen Wissens auf Sachen durchsucht, die mit Deutschland zu tun haben. Was hatten zum Beispiel Flipper und Jay Goppingen gemeinsam?

          Nie gehört.

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