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John Nettles als Inspector Barnaby : Er hat schon eine sehr steife Oberlippe

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„Barnaby ist ein sehr guter Polizist, auf eine sehr einfacht Art”: Barnaby-Darsteller John Nettles Bild: All3Media

Fünfzehn Jahre lang hat John Nettles „Inspector Barnaby“ gespielt. Letzten Sommer hat er sich in seiner Heimat England aus der Serie verabschiedet. Jetzt zeigt das ZDF die letzte Staffel. Porträt eines zufriedenen Pensionärs.

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          In der englischen Grafschaft Midsomer sind in den letzten fünfzehn Jahren überdurchschnittlich viele Menschen gestorben. Nur wenige schieden aufgrund eines natürlichen Todes aus der Welt, die meisten wurden auf grausame Weise ermordet. Sogar die Queen soll sich schon erkundigt haben, ob in den zwischen grünen Hügeln eingebetteten Dörfern überhaupt noch jemand lebe.

          Es gibt noch einige tapfere Gestalten, die den widrigen Umständen in Midsomer trotzen. Da ist zum Beispiel Inspector Tom Barnaby, der mit seinen Assistenten die mysteriösen Morde geflissentlich aufklärt. Im ZDF kann man „Detective Chief Inspector Barnaby“, wie er sich stets höflich vorstellt, seit Jahren bei seiner Arbeit zusehen; von Sonntag an wieder fünf Wochenenden nacheinander.

          Dabei hat der Mann, der den stets korrekt gekleideten Polizisten spielt, vor bald einem Jahr Abschied von Inspector Barnaby genommen. John Nettles hat ihn seit der ersten Folge im Jahr 1997 gemimt, den „stereotypen Engländer mit einer sehr, sehr steifen Oberlippe“, wie er sagt. Im vergangenen Frühjahr fand er es an der Zeit, Barnaby nach mehr als achtzig Folgen in Rente zu schicken - mit gemischten Gefühlen, wie er zugibt. „Ich vermisse es, jeden Tag rauszugehen und ihn mit meinem Team zu verbringen, das über die Jahre hinweg zu einer Familie geworden ist.“ Nettles hat viele Schauspieler kommen und gehen sehen; die meisten blieben nur kurz - sie spielten Opfer und Täter: Orlando Blooms Figur wurde etwa mit einer Mistgabel erstochen. Jane Wymark als Barnabys Frau Joyce ist eine der wenigen, die während dreizehn Staffeln an Nettles' Seite blieb und auch privat zu einer guten Freundin wurde.

          Aber dennoch vermisst Nettles Barnaby nicht, den spröden Polizisten, den die Autorin Caroline Graham in den achtziger Jahren erfunden hatte: als dunkelhaarigen, großen Mann mit buschigen Augenbrauen - und mit hartnäckigen Verdauungsproblemen. Ein Attribut, das der Produzent Brian True-May in der Fernsehserie schnell verworfen hat. „Die Leute wollen keinen Polizeibeamten mit Verdauungsproblemen sehen, sonst fangen sie am Ende an, seine Effizienz anzuzweifeln“, sagt Nettles. So wurde Barnaby ein ruhiger, steter Charakter, der wenig spricht und dessen schärfste Waffe sein Verstand ist. Einer, der zwischen schrulligen Witwen und obskuren Priestern, die am Ende alle irgendwie verdächtig sind, den Durchblick und einen feinen Humor behält. „Ein stilles Zentrum der Vernunft in einer verrückten Welt“, sagt Nettles.

          „Vielleicht ein bisschen mürrisch geworden“

          Er hätte Barnaby gern mal eine Geliebte gegönnt. Aber das hätte gegen die Spielregeln verstoßen. „Vielleicht ein bisschen mürrisch ist er geworden“, sagt Nettles. Und beteuert, dass es keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen ihm und seiner Rolle gebe, dem kontrollierten und organisierten Barnaby, der so englisch sei, dass es weh tue. Einzig vielleicht, dass Nettles auch auf dem Land lebt, in der Nähe von Stratford-upon-Avon, mit seiner Frau, Hunden, Katzen, Hühnern, Alpakas und Pferden. Aber die Dörfer, die in Midsomer inszeniert werden, gibt es auch dort nicht mehr. Sie stammen aus der Zeit von Agatha Christie, als das Dorf Zentrum der Gesellschaft war. „Es gibt die Häuser und bestimmt auch die Psychopathen, aber keine Kirchen, kein Postamt, keine Läden mehr.“ Für Nettles ist das aber kein Grund, in der Stadt zu leben: Sie ist zu anonym, und es fehlt ihm die frische Luft.

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