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John Nettles als Inspector Barnaby : Er hat schon eine sehr steife Oberlippe

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Zeit für das gepflegte Landleben bleibt dem Siebenundsechzigjährigen nach seinem Rückzug von „Midsomer Murder“ kaum. Tom Barnaby ist in Rente; Nettles kehrte vom Set auf die Bühne zurück, wo er in die Rolle des Claudius im „Hamlet“ schlüpfte. „Das Wundervolle am Theater ist, dass die großen Rollen in der Regel für Ältere gemacht sind. Wenn Bankmanager in Rente gehen, stehen Bühnenschauspieler vor den großen Rollen ihrer Karriere.“

„Fernsehen ist ein langweiliges Medium“

Bevor Nettles Fernsehermittler wurde - vor Barnaby spielte er zehn Jahre lang einen jungen Sergeanten namens „Bergerac“ -, war er Mitglied der Shakespeare Company. Er habe die Zeit auf der Bühne wahnsinnig vermisst, sagt er. „Fernsehen ist im Vergleich zum Theater ein langweiliges Medium. Auf der Bühne spielt man ein Stück von A bis Z, während man im Fernsehen oft mit der Schlussszene beginnt und man so tun muss, als hätte man alles verstanden.“ Er hat allerdings schon feststellen müssen, dass ihm die Flucht von den „killing fields“, wie er Midsomer gern nennt, nicht ganz gelungen ist: Auch in „Hamlet“ wird schließlich gemordet.

Ohne die vielen Toten, und zwar gleich mehrere pro Folge, wäre „Midsomer Murders“ nicht das, wofür sich in England zeitweise dreizehn Millionen Zuschauer begeisterten. Gemeuchelt wird in den Dörfern von Midsomer nach allen Regeln der Kunst: Opfer werden mit Magnum-Weinflaschen erschlagen, von einem gedopten Pferd zu Tode getrampelt oder in einem Topf Tomatensuppe ertränkt. Zu Nettles' persönlichen Favoriten zählt der Mord mit der Hutnadel, die einem Opfer durch den Gehörgang geschoben wurde: „Lovely!“

Privat schaut er lieber „CSI“

Dass er auf den Bildschirm zurückkehrt, schließt er nicht aus. Noch weniger Produzent True-May, der zwar an den Erfolg der Serie auch nach Nettles glaubt, aber verrät, dass er ihn gern für andere Projekte verpflichten würde. Strenggenommen ist Nettles, der vor seiner Karriere als Schauspieler Geschichte und Philosophie studiert hatte, schon zurück auf dem Bildschirm: als Produzent und Moderator von drei Dokumentationen über die Kanalinseln unter deutscher Besetzung. Davon plant er weitere. „Es ist spannender, mit echten Menschen zu tun zu haben als mit Schauspielern, die nur so tun, als hätten sie ein Schicksal erlitten“, sagt er.

An Barnaby vorbei kommt Nettles, der privat lieber „moderne“ Krimi-Serien wie „CSI“ schaut, allerdings nicht: Kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Sender Folgen von „Midsomer Murders“ zeigt oder er auf der Straße mit „Inspector Barnaby“ angesprochen wird. „Midsomer Murders“ ist fast auf der ganzen Welt zu sehen. Auch das ZDF hat sich nach anfänglicher Skepsis eingeklinkt - und mit ihm drei bis vier Millionen Zuschauer, die Barnaby sonntags verfolgen. Nach anfänglichem „Rosinenpicken“ - man sendete drei Folgen und hielt sich, zum Ärger der Serienfans, auch danach nicht an die Chronologie - will der Sender dem Publikum keine Folge mehr vorenthalten.

Von Ende März an ermittelt in England ein anderer Barnaby - Neil Dudgeon als Toms Cousin John Nettles wird mit seiner Frau Sarah und Hund Sykes nach Midsomer ziehen. Für das deutsche Publikum ermittelt noch bis mindestens Ende 2012 Tom, der echte, Barnaby. Und vielleicht wird John Nettles auch danach ein Gastspiel geben. Laut True-May sind nämlich zwei Versionen der letzten Folge mit ihm gedreht worden. In der einen feiert Barnaby „bloß“ Geburtstag.

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