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Italienische Befreiungsbewegung im Film : Garibaldi erscheint nur als Gespenst

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Orsini (Luca Barbareschi, re.) und Angelo (Valerio Binasco, li.) sind sich einig: Die Liebe zur Wahrheit soll das Volk und ganz Italien vereinen. Bild: © Franco Bellomo

Mit dem Historienfilm „Die Fahne der Freiheit“ versucht Arte mit packenden Bildern zu leisten, was Historiker auch nach anderthalb Jahrhunderten schwer auf einen Nenner bringen können: Wie es zu Italiens nationaler Einheit kam.

          Kann man nach Viscontis „Der Leopard“ überhaupt noch wagen, einen Film über das Epos der italienischen Einigung zu drehen? Angesichts der Qualität des Jahrhundertwerks mit Burt Lancaster, Alain Delon und Claudia Cardinale muss es jeder Regisseur, jeder Schauspieler mit der Angst zu tun bekommen. Doch weil sich diese Woche das Datum der offiziellen Staatsgründung 1861 nun einmal zum 150. Mal jährt, kam die halbstaatliche Rai nicht umhin, einen neuen Anlauf zu unternehmen, das verwickelte Geschehen um Garibaldis Freischärler, um die piemontesischen Einigungskriege und den mörderischen Widerstand des Papst-Alleinherrschers darzustellen. Kann ein Film - auch dieser in epischer Länge von zweimal neunzig Minuten - mit packenden Bildern leisten, was Historiker auch nach anderthalb Jahrhunderten schwer auf einen Nenner zu bringen vermögen?

          Garibaldi gegen den Kirchenstaat

          Der neapolitanische Regisseur Mario Martone, der mit Giancarlo de Cataldo auch fürs Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat sich weidlich bemüht, einen originellen Ansatz jenseits der abgenudelten Triumph- und Heldengeschichten zu finden. Ohnehin hält sich die Festlaune im Reich des Operettenpremiers Berlusconi in Grenzen. Als hätte Martone das geahnt, zeichnet er ein melancholisches, ja düsteres Bild der nationalen Heiligengeschichte. Drei junge Männer aus der abgelegenen süditalienischen Landschaft Cilento werden in den Strudel der Verschwörungen und Kriege zwischen 1828 und 1862 gerissen. Der Bauernsohn Salvatore betätigt sich in Turin als Kurier für die demokratischen Attentäter der Bewegung „Giovine Italia“ - und wird später von seinem wohlhabenden Mitstreiter Angelo als vermeintlicher Verräter erstochen.

          Ein moralisch umstrittenes Theaterstück wird jäh unterbrochen. Die Prinzessin (Francesca Inaudi, Mi.) kämpft für die Fortsetzung der Aufführung.

          Domenico, der Dritte im Bunde, hingegen landet im Kerker der neapolitanischen Bourbonen; sein Bruder Angelo gerät in London in Terrorkreise der Patrioten um den sozialistischen Philosophen Mazzini und beteiligt sich an einem Bombenattentat auf Frankreichs Kaiser Napoleon III. Nachdem dafür auch Angelo unter der Guillotine sein Leben gelassen hat, zieht der immer noch nicht verbitterte Domenico in den Feldzug Garibaldis gegen den Kirchenstaat.

          Schattenriss am Aspromonte

          Die blutige Niederschlagung dieses Abenteuers am kalabrischen Gebirge Aspromonte im Jahr 1862 durch die vermeintlichen Verbündeten, die neuen Staatstruppen der Savoyer, gehört ohnehin zu den schäbigsten Kapiteln der Einheitsgeschichte. Im Film lässt Martone mit den Kämpfer am Lagerfeuer die gutartige italienische Volksseele mit Straßentheater und Gesängen kurz aufleben, um dann die Vision einer Demokratie im Kugelhagel zu begraben.

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