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Intendant des ZDF : Eine einfache Wahl

Da hat sich doch glatt ein Witzbold ins Bild geschlichen. Ein aussichtsloser Kandidat? Der designierte ZDF-Intendant Thomas Bellut trägt es mit Fassung. Bild: dapd

An diesem Freitag bestimmt der Fernsehrat des ZDF, wer neuer Intendant des Senders wird. Eine echte Wahl wird das nicht. Wie es ausgeht, ist klar. Doch gibt es keine andere Option als Thomas Bellut?

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          Das wird eine langweilige Intendantenkür, an diesem Freitag, beim ZDF. Nur ein Kandidat steht zur Wahl, der Programmdirektor des Senders. „Ich erwarte, dass Thomas Bellut mit großer Mehrheit gewählt wird – im ersten Wahlgang“, sagt Kurt Beck. Und was der rheinland-pfälzische Ministerpräsident sagt, der im Nebenberuf Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats ist, das ist in der deutschen Medienpolitik und insbesondere bei dem öffentlich-rechtlichen Sender in Mainz ein Befehl, wenn nicht ein Gesetz.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Veteranen unter den deutschen Medienjournalisten erinnern sich noch an andere Zeiten. An eine Intendantenwahl mit mehreren Kandidaten, mit einem irrwitzigen Schaulaufen, mit einem Patt zwischen den beiden großen politischen Lagern, das erst Kurt Beck und sein Amtsvorvorgänger Bernhard Vogel beziehungsweise deren Sherpas, aufbrachen. Sie zauberten einen Konsenskandidaten aus dem Hut, der sich – das kann man spätestens jetzt, nach zehn Jahren, sagen –, als gute Wahl erwies: Markus Schächter. Als alle anderen Kandidaten verschlissen waren, unbesehen ihrer Qualifikation, kam Schächter, so will es die Legende, vom Unkrautzupfen im Kräutergarten, sah sich kurz um und – siegte.

          Nächtelang konnte man damals, im März 2002, auf dem Mainzer Lerchenberg herumlungern und den Politikern bei ihren Spielchen zusehen. Aus der einen Tür des Versammlungssaals traten Christdemokraten und raunten den neuesten Wasserstand in die Menge, aus der anderen lugten ihre sozialdemokratischen Widersacher und verkündeten das Gegenteil. Es war ein rein parteipolitisches Geschacher, bei dem es erkennbar nicht um Personen, sondern um Positionen und Pfründe ging. Aber immerhin war es eine Wahl, die den Namen verdient. Irgendwann, es dürfte so gegen Mitternacht gewesen sein, verlor damals der sonst so besonnen Strippen ziehende Kurt Beck die Contenance und antwortete auf die Frage, warum man sich denn nicht längst auf den einen oder anderen Kandidaten geeinigt habe, schließlich seien sie doch alle respektabel: „Glauben Sie etwa, dass Politik so funktioniert?“

          Es gäbe auch andere

          Nein, das glauben wir nicht. Wir glauben aber, dass der Einfluss der Politik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu weit geht, was man zuletzt sehr deutlich erkennen konnte, als im vorletzten Jahr eine von dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch angeführte Unionsmehrheit im Verwaltungsrat des ZDF die Vertragsverlängerung des Chefredakteurs Nikolaus Brender verhinderte. Und wir glauben auch nicht, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung es mit ihrer Normenkontrollklage gegen den ZDF-Staatsvertrag ernst meint, welche die parteipolitische Durchsetzung des Fernsehrats und die Entsendung eines Vertreters der Bundesregierung in den Verwaltungsrat moniert. Hätte es nicht die Initiative der Grünen-Politikerin Tabea Rößner im Bundestag gegeben, die einen eigenen Antrag vorbereitete, für den es auch fast die nötige Zustimmung aus anderen Parteien gab, hätten die Richter in Karlsruhe nie und nimmer Post aus Mainz bekommen. Und wir glauben auch nicht, dass es bei dieser Intendantenwahl nur einen Kandidaten gibt. Es gibt nur einen, mit dem sich der Fernsehrat befasst, aber es gäbe auch andere – wäre dies ein offenes Verfahren.

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