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Im Gespräch: Stefan Raab : „Das muss ein nationales Event werden“

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Stefan Raab beim Vorentscheid in Bremen: „Wadde Hadde Dudde Da” - diese Frage interessierte in den letzten Monaten auch die ARD Bild: dpa

Mit Stefan Raab als Jury-Chef suchen die ARD und Pro Sieben nächstes Jahr gemeinsam einen deutschen Repräsentanten für den Eurovision Song Contest. Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt Raab, wie er den deutschen Vorentscheid zu einem „Casting-Wettbewerb auf hohem Niveau“ umbauen will.

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          Die alten Grand-Prix-Zeiten sind endgültig vorbei: Der Eurovision Song Contest ist mit der Zeit gegangen, jetzt will Stefan Raab der ARD helfen, endlich auch den deutschen Vorentscheid zu modernisieren. Statt einer einzigen Show soll es im kommenden Jahr acht Sendungen geben, in denen musikalische Talente zeigen können, was sie drauf haben, um sich vom Publikum nach Oslo wählen zu lassen. Die Vorauswahl läuft bei Pro Sieben, die ARD zeigt das Finale. Und Raab sitzt in der Jury.

          Herr Raab - Sie sind der erste Moderator, der von der ARD verpflichtet wurde, ohne seinen bisherigen Sender wechseln zu müssen. Hätten Sie diesen Trick nicht vor zwei Jahren Günther Jauch verraten können?

          Es hat mich ja keiner gefragt.

          Freudentaumel in der Bremer Stadthalle: Guildo Horn umarmt seinen Komponisten Stefan Raab nach dem Sieg im Vorentscheid
          Freudentaumel in der Bremer Stadthalle: Guildo Horn umarmt seinen Komponisten Stefan Raab nach dem Sieg im Vorentscheid : Bild: picture-alliance / dpa

          Bisher haben Sie die Zusammenarbeit mit öffentlich-rechtlichen Sendern eher kritisch gesehen - vor allem wegen der komplizierten Entscheidungsfindungen.

          Das hat sich ja jetzt auch wieder bewahrheitet. Ich kann durchaus verstehen, dass es bei der ARD wegen der hierarchischen Struktur schwerer ist, Entscheidungen zu fällen. Als sich das aber ewig hinzog, gab es einen Punkt, an dem ich keinen Bock mehr hatte. Wir waren ja schon seit gut einem Jahr in Gesprächen. Nach ein paar Wochen kam die ARD aber nochmal auf uns zu und hatte alle Interna geklärt - warum sollte man's dann nicht probieren? Ich bin ja nicht nachtragend.

          Andererseits sind diese Komplikationen keine guten Aussichten für die Shows, die Sie machen wollen, oder?

          Ach, bei der ARD ist das wie mit neuen Gesetzen: Wenn die verabschiedet sind, gelten sie. Solange man sich dann daran hält, ist alles ok.

          Ihr Wunsch, noch mal beim Eurovision Song Contest mitmischen zu können, muss auf jeden Fall sehr ausgeprägt sein.

          Ich war ja schon ein paar Mal dabei: 1998, als ich für Guildo Horn komponiert habe, sozusagen in den Anfangstagen des Fernsehens, dann noch einmal selbst als Interpret und mit Max Mutzke. Jetzt ist es wieder eine ganz andere Konstellation. Mich interessiert diesmal vor allem die Ausarbeitung der Idee, den Vorentscheid zu einem emotionalen Event zu machen. Die Marke 'Eurovision Song Contest' ist ja sehr stark. In diesem Jahr hatte die Show 35 Prozent Marktanteil in der jungen Zielgruppe - obwohl es keinen Vorentscheid und keinen Interpreten gab, mit dem man sich hätte identifizieren können.

          Und wie wollen Sie das hinkriegen, das Interesse noch zu steigern?

          Ich glaube, es kommt nicht darauf an, dass man den größten deutschen Star nach Oslo schickt - den kennt im Ausland eh keiner. Es kommt wirklich darauf an, die Veranstaltung zu emotionalisieren. Bisher gab es meist nur einen einzigen Vorentscheid, bei dem am Ende jemand feststand, der Deutschland repräsentieren sollte. Man muss die Leute da aber stärker heranführen. Daher kam die Idee: Lasst uns das als Casting-Wettbewerb auf hohem Niveau machen! Die Zuschauer müssen den, der da antreten soll, erst mal kennenlernen. Nach acht Sendungen hat das Publikum einen Finalisten, den es kennt, liebt und unterstützt. Das kann so emotional werden, wie es sonst nur bei der Fußball-Weltmeisterschaft geht, weil im besten Fall das ganze Land hinter einem Künstler steht. So ähnlich war das damals ja schon mit Max.

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