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Im Gespräch: Markus Schächter : Die breite Mehrheit für mich stand immer fest

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Markus Schächter: „Höhen und Tiefen gehören zum Arbeitsalltag an der Spitze großer Unternehmen.” Bild: dpa

Der ZDF-Intendant Markus Schächter hat angekündigt, dass er im März 2012 geht. Was sind seine Beweggründe? Wer ist der heißeste Kandidat für seine Nachfolge? Und was ist mit der Klage gegen den Sender?

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          Herr Schächter, warum haben Sie sich gegen eine dritte Amtszeit entschieden? Es wird allgemein angenommen, dass Sie, so Sie wollten, auf eine Mehrheit im Fernsehrat hätten zählen können. Haben Sie andere Zeichen bekommen?

          Die breite Mehrheit für mich stand immer fest - mal größer, mal etwas kleiner. Meine Entscheidung hat ganz andere Gründe. Ich bin persönlich überzeugt, dass es klug und richtig ist, ein solches Amt als befristet anzusehen. Zwei Amtsperioden erscheinen mir als das richtige Zeitmaß und zehn Jahre als die richtige Zeitspanne, um Ziele zu definieren und sie auch erfüllen zu können. Dazu sollte man den Staffelstab weitergeben können. Ich habe schon seit langem mit meinen Ansprechpartnern in den Gremien meine Position ausgetauscht.

          Hat Ihre Entscheidung mit der Politik zu tun? Mit Vertretern und Gemengelagen im Verwaltungs- und Fernsehrat?

          Nein. Meine Zusammenarbeit mit den Gremien war grundsätzlich von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt.

          Im vergangenen Jahr gab es den Streit um eine Vertragsverlängerung des damaligen Chefredakteurs Nikolaus Brender. Hat diese Auseinandersetzung bei Ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt?

          Höhen und Tiefen gehören zum Arbeitsalltag an der Spitze großer Unternehmen. Wir haben die Situation damals schnell und gut gelöst. Die Fragen, die aufgeworfen wurden, liegen zur Beantwortung beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und dort in besten Händen.

          Was halten Sie von dieser Normenkontrollklage, die die Landesregierung von Rheinland-Pfalz gegen den Staatsvertrag des ZDF beim Bundesverfassungsgericht gestellt hat? Hat die Politik, haben die Parteien in den Aufsichtsgremien eine zu starke Position?

          Genau diese Fragen werden jetzt von der zuständigen Instanz beantwortet. Aus Karlsruhe kommt jetzt eine neue Klarheit. Das kann ich nur begrüßen.

          Das ZDF steht gerade vor einer Programmreform. Wie sehen Sie den Sender aufgestellt? Welche Rolle spielt ZDFneo? Wie liegt Ihr Sender in der Konkurrenz zu ARD, Pro Sieben Sat.1 und RTL?

          Das ZDF, von dem der frühere RTL-Chef Thoma einmal sagte, es wird 2010 nicht mehr existieren, ist erfolgreich geordnet. Die europäische Fernseh-Dachorganisation EBU sagt in einem Ländervergleich, dass das ZDF deutlich besser positioniert ist als die meisten Sender im internationalen Vergleich. Wir sind schuldenfrei und damit unabhängig gegenüber denen, die wir journalistisch begleiten. Die anstehende Programmreform schärft unser Profil und optimiert wichtige Programmabläufe. Die von mir gestartete Digitalstrategie ist weitgehend umgesetzt. ZDFneo ist darin ein wichtiger Eckpfeiler, der schon nach kurzer Zeit die erhofften Erfolge einfährt. Wir sind damit - vielleicht einer der größten Erfolge in den letzten zehn Jahren - nicht mehr der Einkanalsender, sondern die breiter aufgestellte Programmfamilie. Dazu spielt das Hauptprogramm weiter die Hauptrolle. In der Zeit,wo die meisten Menschen einschalten und selektiv fernsehen, vom Vorabend bis nach Mitternacht, liegt das ZDF 2010 vor allen anderen Sendern. Wir sind führend in vielen Genres, in der Dokumentation, beim Fernsehfilm - innovativ, etwa im Bereich von Kabarett und Comedy und bei neuen Technologien, wie die Mediathek, HDTV oder das neue Nachrichtenstudio zeigen.

          Wer soll denn nun an Ihre Stelle treten?

          Mit dieser Frage wird sich der Fernsehrat beschäftigen.

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