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Im Fernsehen: „Tatort - Mit ruhiger Hand“ : Heute mal kein Bierchen

Diesmal wird ordentlich gebechtert: Die Kommissare Schenk und Ballauf bei der Arbeit Bild: WDR/Uwe Stratmann

Schickt dieses „Tatort“-Duo in Pension: Nach dem Mord an der Gattin eines berühmten Mediziners tappen die beiden Kommissare Ballauf und Schenk durch ein alkoholgetränktes Krimi-Rätsel, das keinem Arztklischee entgeht.

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          Was täten wir nur ohne Halbgötter in Weiß am Sonntagabend? Überfall und Mord in der Arztvilla, eine schicke Leiche. Die Dame des Hauses liegt mit zerstochener Leber in ihrem Blut. Das Haus rundum vergittert, ein Wohlstandsgefängnis. Der Gemahl, der berühmte Professor Julius Gann, operiert sich als ebenfalls angestochenes Opfer in seiner eigenen Klinik so gut wie selbst. Im Kinderzimmer schläft derweil Sohn Jonas seinen Rausch aus, von Mutterns Ermordung hat er nichts mitbekommen. Auch Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) schläft seinen Rausch aus, im Auto. Der Kontrolle durch einen unerschrockenen Streifenbeamten entzieht er sich durch Flucht an den Tatort.

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

          Der Chirurgus superarrogantus säuft und kunstfehlert seit Jahr und Tag. Roeland Wiesnekker spielt ihn als hochfahrenden Tänzer auf des Schicksalsmessers Schneide. Das Zittern der Hände hat er meist im Griff, aber manchmal geht ein Schnitt daneben. Die längste Zeit ist das erfolgreich vertuscht worden, aber jetzt hat ein Witwer, dessen Frau Gann ums Leben brachte, Unterlagen an die Hand bekommen, die dem Arzt für immer das Handwerk legen könnten. Auch dem Kompagnon Bernstein ist es längst zu bunt, er hat heimlich mit dem Verkauf der Klinik begonnen. Der Assistenzarzt (Fabian Hinrichs), der zuletzt ein Techtelmechtel mit der Professorengattin hatte, hasst seinen Chef. Auch der ins Schweizer Internat abgeschobene und dort wegen Alkoholmissbrauchs schon wieder von Rauswurf bedrohte Sohn (Vincent Redetzki) verachtet den Vater. Und die lange Zeit treu ergebene OP-Schwester Sylvia (Maria Simon) fällt ebenfalls von ihm ab.

          Eine berauschte Ermittlung

          Eine Brandung von Hybris und Niedertracht, über der die Gischt des Alkohols verzischt. Allein Freddy Schenk (Dietmar Bär) bleibt trocken und mampft Currywürstchen, wenn die Kamera nicht hinsieht. Ansonsten thront er routiniert in seinem absurden Büro mit der Pokalwand und versucht sich in der Rolle des väterlichen Intellektuellen, während ein internes Ermittlungsverfahren den Kollegen Ballauf auf die Couch der Psychologin zwingt, was schon deswegen blöd ist, weil er diese auf seine ungelenke Einsamer-Wolf-Art schrecklich liebhat, ihr das aber nicht sagen kann.

          Juliane Köhler macht aus dieser Nebenrolle der Polizeipsychologin Lydia Rosenberg einen bezaubernden Auftritt. Im „Tatort“-Universum sind es ohnehin die Psychologinnen und Pathologinnen, die am meisten Amazonen-Staat machen. Je mehr sich die Kommissare in ihren außerdienstlichen Verhältnissen und innerweltlichen Problemen verheddern, desto strahlender wirken diese Frauen, weil sie das Schwert besitzen, den Knoten eingefahrener Filmroutine zu zerschlagen.

          Die zerstörerische Wirkung von Alkohol: Man weiß nicht, worüber man mehr staunen soll bei diesem „Tatort. Mit ruhiger Hand“ - über das kein Arztromanklischee auslassende Drehbuch von Jürgen Werner oder über die biedere Inszenierung von Maris Pfeiffer. So viel kollateraler Leberschaden war schon lange nicht mehr. Dass die Gann-Gattin als Ärztin illegal Illegale behandelt hat, wird als spannendes Thema in einem Seitenstrang versenkt. Nach dreiundvierzig Ausgaben des Duos Schenk/Ballauf ist es Zeit für eine Entziehung.

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