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Im Fernsehen: „Lüg weiter, Liebling“ : Hummer essen mit Hindernissen

  • -Aktualisiert am

Der erste gemeinsame Film: Götz George und Hannelore Elsner während der Dreharbeiten zu „Lüg weiter, Liebling” Bild: dpa

Die Dame und der Taugenichts: Götz George umgarnt in „Lüg weiter, Liebling“ Hannelore Elsner als Öko-Charmeur. Was eine Geschichte über Glück werden sollte, endet in satter Zufriedenheit.

          Vielen Dank, liebes ZDF: Hannelore Elsner verliebt sich in Jürgen von der Lippe! Auf so einen Coup bei der Besetzung der üblichen Zwanziguhrfünfzehnkomödien haben wir gewartet. Aber ach, bei genauerem Hinsehen ist es dann doch nicht Jürgen von der Lippe, sondern Götz George. Der tarnt sich allerdings in „Lüg weiter, Liebling“ mit Schlabberkleidung, wallendem Haar und rekordverdächtiger Lächelfrequenz als leicht abgerissener Spaßvogel. Und ob es ihm nun um Geld oder Liebe geht, ist auch lange ungewiss.

          Denn so, wie er in manchen Einstellungen des Films (Buch und Regie: Gabriela Zerhau) gar nicht der Brummige-Männer-Darsteller George zu sein scheint, ist auch seine Rolle auf Tarnung angelegt. George gibt Hape, einen hochverschuldeten Umweltaktivisten mit 68er-Charme, der in der gutbetuchten Martha (Elsner) die Lösung seiner Finanzprobleme wittert. Doch der stellt er sich als welterfahrener und solventer Diplomat Gerd-Rudolf vor. Die sich anbahnende Romanze ist also auf Sand gebaut, und zwischendurch scheint es so, als werde der Betrüger am Ende ohne alles dastehen, also pleite und ungeliebt. Armer Götz-Jürgen.

          Pralinen, Pornofilme und Ökoaktien

          Man hätte diesem Stoff durchaus mit plattem Ha-ha-Humor zu Leibe rücken können; man hat es nicht getan. So bleibt der Zuschauer von den Albernheiten, die bei solchen Komödien möglich sind, weitgehend verschont. Der einzige Klamaukcharakter stirbt folgerichtig kurz nach Beginn des Films: Es ist Kurt (Rudolf Wessely), Hapes Vater, auf dessen Erbe der Sohn spekulierte. Mit Sprüchen wie „Na, Welthungerproblem gelöst? Einfach mehr spachteln!“ begrüßt er den vom Aktivisten-Stand heimkehrenden Sohn, nascht Pralinen und schaut Pornofilme. Garstig, wie er ist, vererbt er schließlich sein ganzes Vermögen „aus pädagogischen Gründen“ dem Tierschutzverein.

          Noch auf dem Friedhof trifft Hape dann Martha, deren Hündchen das Sakko des Trauernden zerfetzt und somit für zwangsläufige Kontaktaufnahme der beiden sorgt. Die Dame und der Taugenichts könnten verschiedener nicht sein. Man ist sich herzlich unsympathisch und bleibt nur in Kontakt, um den Sachschaden zu regeln. Dabei wird Hape auf das Vermögen Marthas aufmerksam und lässt sich erst zum Hummeressen, dann gar auf eine Reise nach Nizza einladen. Dabei versucht er, sie zu Ökoaktien zu überreden, und verspricht ihr traumhafte Rendite, sich die Lösung seiner Geldprobleme.

          Gewollt philosophisch

          Nett anzusehen ist dabei vor allem, wie George den ewig mäkelnden Umweltfreund spielt, der im Nobelrestaurant das nichtvegetarische Essen bemitleidet und im Haus der Umworbenen vorrechnet, wie weit die Banane in der Obstschale im Flugzeug gereist ist. Elsner pariert das mit Gelassenheit und Undurchschaubarkeit; denn mal will man sie bemitleiden, weil sie dem Schwindler ihr Geld so unbedacht aushändigt, mal meint man in der süffisanten Art, wie sie „Gerd-Rudolf“ zu ihm sagt, einen Hinweis darauf entdeckt zu haben, dass sie das falsche Spiel durchschaut hat. Bereichernd sind zudem in Nebenrollen Oliver K. Wnuk als tagträumerischer Sohn Hapes, Bibiana Zeller als verwirrte Mutter Marthas und vor allem Ludger Pistor, der als pedantischer Steuerberater Martha den Hof macht und nicht vor Hape die Waffen strecken will.

          Etwas gewollt erscheint allein der immer mal wiederkehrende Drift ins Philosophische, wobei die Erkenntnisse nicht über das Niveau von Sinnsprüchen auf Grußkarten in Bahnhofsbuchläden hinauskommen. Um Glück geht es dann und darum, was das sei. Darauf hätte man verzichten können, denn manchmal reicht auch schon ein netter Fernsehfilm wenn nicht ganz zum Glück, dann doch zur Zufriedenheit.

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