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Im Fernsehen: „Emergency Room“ : Furcht und Zittern in der Notaufnahme

„Emergency Room” brachte den ausbeuterischen Ernst des Klinikalltags auf den Bildschirm Bild: Pro Sieben

Weg mit dem golfenden Chefarzt, der biestigen Oberschwester und den Liebesnöten im Klinikalltag: Mit „Emergency Room“ hielt der Ernst des Lebens Einzug in die Fernsehkliniken. Pro Sieben zeigt das Finale einer Serie, die Epoche machte.

          Bevor George Clooney unter die Kaffeetester ging und bevor er im Kino zum zartesten Versucher avancierte, seit es Herren im gesetzten Alter gibt, spielte er einen Arzt in einer Fernsehserie. Mit seinem ersten Auftritt führte er die Figur des Kinderarztes Doug Ross charaktergerecht ein: Ross landete als Patient, nicht als Behandler in der Notaufnahme, er hatte einen über den Durst getrunken. Sein Kollege Dr. Greene (Anthony Edwards) durfte sich seiner annehmen, übermüdet, am Rande seiner Kräfte, aber am Ende erfolgreich, wie beinahe stets. Das war der Auftakt von „Emergency Room“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Als der Sender NBC diese Serie im September 1994 ins Programm nahm, war das Fernsehen mit Arztgeschichten eigentlich durch. In Deutschland produzierte man das Genre in den Achtzigern mit der „Schwarzwaldklinik“ in der verpilcherten Version, es waren Heile-Welt-Geschichten mit Halbgöttern in Weiß, die vor Klischees nur so strotzten und denen die Klinik nur Kulisse war, um den Zuschauern die Mär vom weisen Chefarzt, vom ölig-windigen Assistenzarzt, der biestigen Oberschwester und der engelsgleichen Schwesternschülerin zu erzählen.

          Modernisierungsschub für den Fernsehdoktor

          Mit „Emergency Room“ kam der amerikanische Gegenentwurf. Verantwortlich zeichnete dafür der Arzt und Bestseller-Autor Michael Crichton. Er schlug dem Produzenten Steven Spielberg im Jahr 1992 zwei Geschichten vor. Die eine hatte etwas mit Gentechnik und Dinosauriern zu tun und war zwei Jahre zuvor unter dem Titel „Jurassic Park“ als Roman erschienen. Die andere spielte in der Notaufnahme des fiktiven County General Hospital in Chicago. Aus dem einen wurde der Kinokassenschlager schlechthin, die andere legten Crichton und Spielberg als zweistündigen Pilotfilm für eine Fernsehserie an, die eine ganze Ära prägte. Sie verpasste dem Fernsehseriengeschäft einen Modernisierungsschub, der bis heute fortwirkt, dabei hatte Crichton das Drehbuch schon 1974, zwei Jahrzehnte zuvor, entwickelt und darin seine Erfahrungen als angehender Mediziner verarbeitet.

          In der letzten Folge bekommt Dr. John Carter (Noah Wyle, rechts) sein eigenes Gesundheitszentrum

          Doch auch hier erwies sich die Meisterschaft des im November 2008 verstorbenen Autors, science zu fiction zu verarbeiten. Auch wenn er für „Emergency Room“ nur den Rahmen setzte und sich Spielberg als Produzent nach einem Jahr verabschiedete, gaben die beiden den Duktus vor, der „ER“, wie die Anhänger sagen, zur langlebigsten Ärzteserie der amerikanischen Fernsehgeschichte machte. Sie lief über insgesamt 331 Folgen fünfzehn Jahre lang, 34 Autoren schrieben an den Drehbüchern, 49 Regisseure inszenierten die Folgen - eine steuerte Quentin Tarantino bei -, 38 Produzenten setzten alles ins Werk, und 5453 Schauspieler traten auf, wenn die Statistik nicht lügt. 367 Nominierungen für Ehrungen gab es, 113 Preise heimste „Emergency Room“ ein, in 195 Ländern wurde die Serie ausgestrahlt, in Deutschland von Pro Sieben.

          Im amerikanischen Fernsehen lief die letzte Folge im April dieses Jahres, bei uns beendet sie heute einen großen Mediziner-Themenabend des Münchner Privatsenders, an dessen Programmfolge man - in umgekehrter Chronologie - Programmgeschichte ablesen kann: auf „Grey's Anatomy“ folgt „Private Practice“, folgt „ER“.

          Immer tiefer ins Private

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