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Im Fernsehen: „Dr. Hope“ : Die Zeit wird mir recht geben

Modernes Antlitz der Vergangenheit: Heike Makatsch als Dr. Hope Bild: © ZDF/Erika Hauri

In dem heute Abend auf Arte ausgestrahlten Zweiteiler „Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf“ spielt Heike Makatsch mit großer Überzeugungskraft eine Frauenrechtlerin und frühe Abtreibungsbefürworterin. Ein Streit um das Urheberrecht hätte den Film beinahe gestoppt.

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          „Ich hoffe nicht auf Glück, ich will Medizin studieren!“ Das sagt die junge Engländerin dem Leipziger Universitätsprofessor Ludwig von Arnstetten frech ins Gesicht. Ihr Ansinnen sei wider die Natur, empört sich der Mediziner, der fest an die biologische Überlegenheit des Mannes glaubt. Er wirft die junge Frau hochkant aus seinem Büro. Zuletzt ist es allein der deutschen Kaiserin Auguste Victoria zu verdanken, dass die „britische Unterthanin Miss Bridges Adams“ - mit dem hoffnungsvollen Vornamen Hope - im Jahr 1876 als erste Frau in Deutschland Medizin studieren darf. Im heftigen Wortgefecht mit dem Wissenschaftler gleich zu Beginn ihres Werdegangs bündelt sich freilich schon all das, wofür die Ärztin und Frauenrechtlerin (1855 bis 1916) ihr Leben lang kämpfte.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Dass in dieser Biographie von einer Frauenrechtlerin der ersten Stunde, die in der Geschichtsschreibung der Emanzipation unerklärlicherweise bis heute fehlt, Potential für einen reizvollen Film steckt, haben die Drehbuchautoren Katrin Tempel, Torsten Dewi und Christoph Callenberg rasch erkannt. Bei ihren Recherchen stießen sie dann zwangsläufig auf die Arbeiten von Marita Krauss, die sich bislang als Einzige um die Anerkennung von Adams' Lebenswerk verdient gemacht hat. Weil aber die Historikerin ihre Urheberrechte durch den Film verletzt sah, drohte ein Rechtsstreit mit der Filmproduktion Hofmann & Voges. Ein Prozess wurde kurz vor der Ausstrahlung des Zweiteilers durch einen Vergleich beigelegt, wonach die Professorin als Anerkenntnis für ihre „wissenschaftliche und publizistische Leistung“ von den Produzenten 15.000 Euro erhält. Andernfalls wäre ein langwieriger Grundsatzstreit um die Frage, ob historische Informationen schützenswert sind, die Folge gewesen.

          Moderne Einfühlung

          Die Ausstrahlung des Films hätte dadurch verhindert werden können, und das wäre allemal schade gewesen. Denn die beiden je neunzigminütigen Filme überzeugen nicht nur inhaltlich mit der Geschichte dieser zu Unrecht vergessenen Frau. „Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf“ gewinnt auch filmisch - als handwerklich solide gearbeitete Biographie -, so dass man heute Abend getrost bei Arte beide Folgen hintereinander anschauen kann. Zwar darf man von der Regie Martin Enlens keine Innovationen erwarten. Eingefrorene Postkartenbilder in Schwarzweiß, die wie tableaux vivants durch Schauspieler zum farbigen Leben erweckt werden, sind das Äußerste, was er sich an cineastischer Extravaganz erlaubt. Die Arbeit an diesem Film steckt vor allem im Detail, genauer: im historischen Detail. Für die Präzision hat die Szenenbildnerin Su Proebser noch in den entlegensten Winkeln auch die kaum aufzutreibenden medizinischen Geräte wie etwa einen alten Gynäkologenstuhl aufgestöbert.

          Entschlossen in einer Männerwelt: Heike Makatsch mit August Zirner als Professor Ludwig von Arnstetten
          Entschlossen in einer Männerwelt: Heike Makatsch mit August Zirner als Professor Ludwig von Arnstetten : Bild: ddp

          Die Zeitreise ins deutsche Kaiserreich bis hinein in den Ersten Weltkrieg gelingt aber nicht dank der Kostüm- und Requisitenabteilung. Es sind die durchweg hervorragenden Schauspieler, die der überlieferten Geschichte jenseits von Schulfernsehen lebendige Szenen und authentische Augenblicke abgewinnen: Der stets komplex agierende Justus von Dohnányi glänzt als Hopes Leipziger Studienfreund und erster Ehemann Otto Walther, daneben ist Inka Friedrich als Hopes quirlige Freundin und politische Aktivistin Clara Zetkin von der Partie und natürlich Martin Feifel als der an der Welt leidende und von Hope innig geliebte Carl Lehmann. Heike Makatsch schließlich gelingt es wunderbar, sich in Hope Bridges Adams einzufühlen, ohne dabei gefühlig zu wirken. Es ist schon verwunderlich, dass sich ausgerechnet die frühere Moderatorin eines Popmusiksenders - der Inbegriff des Hier und Jetzt - so überzeugend in historische Charaktere verwandelt. Wie schon in ihrer Darbietung als Margarethe Steiff verleiht Heike Makatsch auch dieser historischen Figur ein überzeugend modernes Antlitz, und das nicht, weil sie kurze Haare trägt und das Automobil steuert.

          Nur eine kleine Sackgasse erinnert an sie

          Der Film umfasst eine Zeitspanne von gut vier Jahrzehnten, angefangen von den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, als Hope nach dem Tod des Vaters in England mit der Mutter zu Verwandten nach Leipzig übersiedelt, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, den die Ärztin in München erlebt. Dass sie keine Heilige ist, vielmehr ein Mensch mit Makeln und ein durchaus streitbarer Charakter, übersieht der Film nicht. Nicht nur sich selbst gegenüber tritt Hope oftmals unfassbar hart auf. Ihren Mann Otto und die Tochter Clara lässt sie in der gemeinsam geführten Klinik im Allgäu zurück, als sie sich in den zehn Jahre jüngeren Carl verliebt und mit ihm neu anfangen will. Konflikte scheut sie nicht, sie legt sich sogar mit dem mächtigen Hebammenverband an, der sie wegen illegaler Abtreibungen verklagt. Zuletzt aber verfolgt Hope vor allem ihre eigenen Ziele, ihr medizinisches Ratgeberbuch für Frauen, das rasch ein Standardwerk wird, ebenso wie ihre politischen Projekte und Pläne, von denen ein Film allein gar nicht Auskunft geben kann.

          Heike Makatsch, die fast in jeder Szene zu sehen ist, trägt dieses Filmporträt bis zur letzten, bewegenden Minute, da ihre Hope in beeindruckender Altersmaske ein letztes Mal versucht, ihren Ehemann Carl davon abzuhalten, in den Krieg zu ziehen. Es waren nicht nur berühmte Frauen, die Geschichte geschrieben und die weibliche Unabhängigkeit befördert haben. Davon erzählt dieser Film. An Dr. Hope Bridges Adams-Lehmann erinnerte in München bis vor kurzem gar nichts, dann wurde immerhin eine kleine Sackgasse nach ihr benannt. Vielleicht lässt sich das Vergessen ja damit erklären, dass so vieles, wofür die Frauenrechtlerin stritt, heute selbstverständlich ist. An einer Stelle im Film sagt sie kämpferisch: „Die Zeit wird mir recht geben.“ Vielleicht ahnte sie, wie aktuell ihre Anliegen in der Zukunft einmal sein würden.

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