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Im Fernsehen: „Blut, Schweiß und Tränen“ : Ein Romantiker des Krieges

Warten auf die Wiederwahl: Winston Churchill (Brendan Gleeson) mit seiner Frau Clementine (Janet Mc Teer) Bild: Arte

Er freute sich, dass aus dem Spiel Ernst wurde: Thaddeus O'Sullivan zeigt den Hitler-Bezwinger Winston Churchill mit menschlichen Regungen. Aber allzu viele Fragen stellt „Blut, Schweiß und Tränen“ (Arte) nicht.

          Die Kriegsreden von Winston Churchill haben zwei Besonderheiten. Zum einen mussten sie in den ersten Jahren vor allem Niederlagen in neue Motivation verwandeln. Zum Zweiten hallte in Churchills Reden eine heroische, große Rhetorik des weltgeschichtlichen Berufs der Britischen Inseln nach, die nicht aus der Prosa allein kam, sondern auch aus der romantischen Poesie. Nimmt man an, dass in solchen Reden Churchills Ingenium sich am deutlichsten zeigte, dann wird man diesen Film von Thaddeus O'Sullivan loben, der vom Geschehen gerade so viel erläutert, um die Reden ins rechte Licht zu setzen.

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

          Churchill, recht überzeugend gespielt von Brendan Gleeson, steht fast allein; nur seine Frau ist das mäßigende Korrektiv. Unter den Zeitgenossen und Verbündeten haben der amerikanische Präsident Roosevelt und „Uncle Joe“ Stalin recht farblose Auftritte, de Gaulle fällt völlig aus. Lord Halifax, der in den kritischen Tagen nach dem Fall von Frankreich für einen Ausgleich mit Deutschland plädierte, erscheint als eine fast lächerliche, bebrillte Figur, die schon aus dem kämpferischen Alter eines Mannes heraus ist. Churchills Frau Clementine, gespielt von der wunderbar damenhaften Janet McTeer, wird ein charakteristisches Wort über ihren Gatten in den Mund gelegt: Er sei nun im Krieg wie einer kleiner Junge, der sich ein Spiel ausgedacht habe und sich freue, dass es ernst werde damit.

          Kleine menschliche Schwächen des Premiers werden nicht verborgen

          Tatsächlich war Churchill ein Romantiker des Kriegs. Er stammte aus der obersten Oberschicht, und sein erster Wunsch war die Militärakademie von Sandhurst. Wer in seinen Jugenderinnerungen „My early life“ die malerische Schilderung der Schlacht von Omdurman liest, von ihrem „spektakulären, majestätischen Glanz“ hört, ja von ihrem „Glamour“, der wird sich dem Urteil von Clementine Churchill anschließen. Franklin D. Roosevelt ist es, der in dem Film an die Äußerung von Joseph Kennedy erinnert - er war der Vater des späteren Präsidenten John F. Kennedy und Botschafter der Vereinigten Staaten in Großbritannien -, dass es sich bei Churchill um einen „Kriegshetzer“ handele.

          Meisterplan gegen Hitler: König George VI. (Iain Glen, li.), Winston Churchill (Brendan Gleeson, Mi.) und General Ismay (Robert Pugh, re.)

          Kleine menschliche Schwächen des Premiers werden in dem Film nicht verborgen, ohne dass man ihn darum schon kritisch nennen möchte. Die großen Entscheidungen - darunter die Bombardierung der eben noch verbündeten französischen Flotte in Oran, Churchills Freude nach der japanischen Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten, den Fall von Singapur, Stalins dringende Wünsche nach einer zweiten Front auf dem europäischen Kontinent, die Entscheidung, den Kampf zu führen und dabei „keine Kompromisse und keine Verhandlungen“ einzugehen -, sie zeigt der Film durchaus, aber viele Fragen stellt er dabei nicht.

          Die Frage nach den zivilen Opfern

          Was den strategischen Bombenkrieg gegen Deutschland angeht, so hört man den Luftmarschall Harris mit einer zynischen Bemerkung und den Vizepremier Clement Attlee von der Labour Party, der doch einmal nach den zivilen Opfern fragt. Eine gewisse Zahl von Menschen, so wird er beschieden, könne dabei durchaus obdachlos werden. Über Dresden sagt der Film, dass „nach neutralen Quellen“ 58 000 Menschen ihr Leben ließen. Da wird selbst der Kriegsromantiker skeptisch und erklärt, nun sei der Krieg nicht mehr groß, nur noch schmutzig. Und nur manche Schreiber hielten sich heraus, um anschließend die Schlachterrechnung zu erstellen.

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