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Heute im Fernsehen: „Tod in Istanbul“ : Auf eigene Rechnung

  • -Aktualisiert am

Zwei Ermittler in Istanbul: Jo (Jürgen Vogel) und Mark (Heino Ferch) Bild: Martin Valentin Menke

Kammerspiel in James-Bond-Kulisse: „Tod in Istanbul“ vibriert vor innerer Spannung und fasziniert mit hoher Schauspielkunst. So wird aus einer eher stumpfen Geschichte bestes Fernsehvergnügen.

          Am Kölner Flughafen stehen sie sich gegenüber, der aufrichtige Hauptkommissar Mark Kleinert und der undurchsichtige, verdeckte Ermittler Jo Weiß: ein Duell der Mienen, spannender als jede Verfolgungsjagd. Es wurde schon oft konstatiert, welch begnadete Schauspieler Heino Ferch (Kleinert) und Jürgen Vogel (Weiß) sind. Heute lässt sich wieder einmal bewundern, wie wenig ihre Rollen noch als Rollen zu erkennen sind. Hier stimmt jede kleine Geste. Zweimal sind sich die beiden Ermittler zu diesem Zeitpunkt bereits begegnet, das erste Mal im Istanbuler Grand Hotel de Londres: Weiß verlässt soeben das Zimmer einer ermordeten Edelprostituierten, die Kleinert kurz darauf findet. Schnell ist klar, dass beide Männer mit dieser Frau auf ihre Art verbunden sind, und zwar viel emotionaler, als ihr kontrolliertes Agieren zunächst glauben lassen könnte.

          Ökonomie des Schreckens

          Das zweite Mal treffen die Kontrahenten in Köln aufeinander, gleich vor Kleinerts Wohnung - sehr stilsicher in Gottfried Böhms St.-Gertrud-Komplex untergebracht -, nachdem von Unbekannten auf Kleinert geschossen worden ist. Sowenig die beiden einander trauen, so sehr scheinen sie doch aufeinander angewiesen bei diesem Fall, an dem auf Polizeiseite und ebenfalls persönlich involviert noch zwei weitere Personen mitmischen: die BKA-Beamtin Susanne Wahlberg - Ina Weisse, die wieder einmal beeindruckend eine unterkühlte Powerfrau mimt - sowie ihr Vorgesetzter Kurt Herder (Peter Simonischek).

          Bald schon steigt die Zahl der Toten, und diesmal trifft es absolut Unschuldige, Wehrlose. Das Gemetzel mag nur verwundern, wenn man die Ökonomie des Schreckens gewohnt ist, wie sie im Serienkrimi herrscht: immer ein wenig, nie zu stark. Eine eigenständige Produktion ist von solchen Rücksichten natürlich frei und darf sich den Luxus erlauben, zu zeigen, dass die ersten Opfer der Kriminalität nur allzu oft die Schwächsten sind.

          Altbekannte Drehbuchschwäche

          Die Spuren führen in die düsteren Regionen des internationalen organisierten Verbrechens, das auf Helfer in staatlichen Institutionen zählen kann. Denn weshalb sonst wäre Kleinert mit einer ganz unüblichen Mission betraut worden, die ihn genau im Moment des Mords an seiner Geliebten nach Istanbul führte? Die Konturen des eigentlichen und dann doch sehr fernsehstandardmäßig bösen Verbrechens werden nicht recht klar. Der Film interessiert sich allerdings auch nicht nennenswert dafür.

          So kann wohl auch dem Zuschauer egal sein, wie das mit den Raketensprengköpfen, der türkischen Mafia und den iranischen Abnehmern nun genau ist. Es ist die altbekannte Drehbuchschwäche, die hier durchschlägt, für die keineswegs nur die Autoren verantwortlich zeichnen: Weil von Produzent bis zu den Sendeverantwortlichen jeder noch ein Wort mitzusprechen hat, kommen am Ende so oft mediokre Handlungen heraus.

          Zwischen größter Totale und Nahaufnahme

          Um so höher ist es dem Regisseur Matti Geschonneck anzurechnen, daraus einen vor innerer Spannung vibrierenden, auf das Gegen- und Zusammenspiel weniger Charaktere konzentrierten Film gemacht zu haben. Die bis zuletzt beibehaltene Unklarheit, wer hier auf wessen Rechnung arbeitet, übersetzt Geschonneck in eine betörend zwischen größter Totale und Nahaufnahme, zwischen meditativen Momenten und plötzlicher Hochgeschwindigkeit sowie faszinierend, ja fast organisch zwischen den Schauplätzen Istanbul und Köln (ohne jeden west-östlichen Schmonz) changierende Bildsprache.

          Wenn es Schauspielern und Regisseur gelingt, aus einer eher stumpfen Geschichte bestes Fernsehvergnügen zu machen, zu welchen Höhen könnte ein solches Team sich wohl aufschwingen, sollte es einmal einen wirklich ergreifenden, so authentischen wie anspruchsvollen Stoff umsetzen dürfen und dabei völlig freie Hand haben.

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