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Hauptstadtjournalismus : Dauerschleife aus Berlin

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Vier Wochen Hartz IV: Guido Westerwelle hatte seine Debatte, die Journalisten hatten ihre Sendungen, die Zuschauer das Nachsehen Bild: REUTERS

Einen Monat lang hat das Land über Hartz IV diskutiert. Am Ende gab es kein Ergebnis, aber jede Menge politischen Journalismus - und nächste Woche kommt schon ein neues Thema. Eine Betriebsbesichtigung der Hauptstadtstudios.

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          Diese Woche sind Guido Westerwelle und Hartz IV verschwunden. Vier Wochen lang ging es um nichts anderes als die beiden, bevor es um Missbrauch in der katholische Kirche ging, und nächste Woche geht es womöglich um Kundus und Karl-Theodor zu Guttenberg, bevor wieder etwas anderes kommt. Es wird immer neue Themen geben. Nur die Art, wie an sie herangegangen wird, die bleibt.

          Es ist elf Minuten nach sieben. „Guten Morgen, Herr Sonne“, sagt die Regie, „Sie haben drei dreißig.“ Im Hauptstadtstudio der ARD geht das rote Licht an. Ein grauer Morgen, die Spree, der Bundestag und der Tresen, hinter dem Werner Sonne mit einem Politiker steht. Das ist die Einstellung, die der Zuschauer kennt, wenn ihm morgens etwas von der Politik aus Berlin erzählt wird. Abgesehen von dem Podest vielleicht, das heute dazu dient, Andrea Nahles etwas größer zu machen.

          Die Themen der Woche sind die Steuersünder-CD, die die Bundesregierung kaufen will. Die Schweiz, die darüber nicht erfreut ist, und Guido Westerwelle, der eine Debatte über „Hartz IV“ angezettelt hat, worüber wiederum Sigmar Gabriel nicht erfreut war. Allerdings nehmen weder die Regierung noch die Schweiz, Westerwelle oder Gabriel dazu Stellung, sondern Nahles, die als Generalsekretärin einer Partei, die das nicht mehr zu entscheiden hat, erklärt, dass sie den Kauf der CD unterstütze. Was sie zu Westerwelle sagt, geht unter. Noch ist die CD wichtiger.

          Urgesteine des Hauptstadtjournalismus: Thomas Roth, ehemals Leiter des Berliner ARD-Büros und Morgenmagazin-Korrespondent Werner Sonne

          Als das Interview fertig ist, sitzen die Frühdienste der Agenturen daran, eine Nachricht darin zu finden, wird es in der Frühausgabe der „tagesschau“ gesendet, schaffen es Sätze in eine der mehr als dreißig Radiowellen der ARD. Die politische Meldungskette des Tages beginnt bei Werner Sonne, was ihn so sichtbar freut. „Viel näher an der Politik als wir kann man kaum sein“, sagt er, um sich aber anschließend gleich auch um Distanz zu bemühen. „Wir sind aber nicht die O-Ton-Abspielstation des Berliner Betriebs.“

          Wie geht es Werner Sonnes Zahn?

          Werner Sonne arbeitet seit gut zehn Jahren in Berlin. Er war Korrespondent für „tagesschau“ und „tagesthemen“ und erklärte vor dem Kanzleramt stehend die Politik, bis er auf einmal ins Morgenmagazin kam. Für einen Moment sah es so aus, als könne er nun nicht mehr so nah dran sein, aber dann bestand er darauf, weiterhin auf Auslandsreisen der Kanzlerin mitzukommen, obwohl er gar keinen Beitrag mehr darüber machen musste. Außerdem erfand er die Reihe „Berliner Frühstück“, in der er Politiker im Café Einstein befragt. An diesem Morgen wird das Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner sein.

          Das Café Einstein ist als Treffpunkt vor allem unter jenen Berliner Politikern und Journalisten bekannt, die sich dort regelmäßig treffen. Es liegt drei Minuten zu Fuß vom Studio entfernt, aber da Werner Sonne jemand ist, der es eilig hat, nimmt er das Auto, obwohl das nicht schneller geht. Dafür beendet er das Gespräch, für das er insgesamt acht Minuten Zeit hat, elf Sekunden zu früh, was ihn ärgert. So eilig hatte er es dann doch nicht. „Today is the first day of my life“ steht über dem Schreibtisch des Büros, von dem aus Werner Sonne seinen steten Kampf gegen die Zeit organisiert. Aber der Satz hat ihn nicht ruhiger gemacht, im Gegenteil.

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