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Harrison Ford im Gespräch : Warum gehen Sie nicht gerne ins Kino?

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration Burkhard Neie/xix

Entwaffnend ehrlich präsentiert sich Harrison Ford im F.A.Z.-Interview beim Filmfestival von Deauville. Der Hollywood-Haudegen spricht leise, lässt gelegentlich einen trockenen Humor aufblitzen - und redet offenbar lieber übers Fliegen als übers Filmen.

          Mister Ford, in Ihren Filmen haben Sie immer wieder aufrechte Polizisten verkörpert. Glauben Sie, dass Sie selbst auch ein guter Cop wären?

          Ich denke, das Rennen, Springen und Schießen wäre nichts für mich. Aber vielleicht gäbe ich einen guten Ermittlungsbeamten ab. Einen, der sich so richtig in seine Fälle verbeißt.

          Macht es Ihnen nichts aus, Blut und Leichen zu sehen?

          Nein. Davon konnte ich mich bei meinen Vorbereitungen auf diverse Polizeifilme überzeugen.

          Zurück mit Hut und Peitsche: Ford in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ”

          Macht es Ihnen auch nichts aus, Befehle zu befolgen?

          Mag sein, dass mir das bisweilen schwerfiele. Doch im Prinzip bin ich jemand, der zumindest offiziell keine Schwierigkeiten macht. Von Fall zu Fall würde ich versuchen, die Dinge, mit denen ich nicht einverstanden bin, unauffällig zu umgehen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass mir der Job tatsächlich liegen würde. Ein Ermittler muss sich ja auch in andere Leute hineinversetzen und von ihren Handlungen auf ihre Motive schließen – ganz ähnlich wie ein Schauspieler: Das Einfühlungsvermögen macht meiner Meinung nach die zentrale Qualität eines Darstellers aus. Wer nicht gern bestimmte Verhaltensweisen studiert und sich nicht für das Gefühlsleben seiner Mitmenschen interessiert, der hat in diesem Beruf nichts verloren.

          Kann man denn als berühmter Filmstar überhaupt noch Verhaltensstudien betreiben? Wie können Sie ungestört Leute beobachten?

          Natürlich ist das schwierig, wenn man selbst ständig erkannt und angestarrt wird. Aber ich habe da im Laufe der Zeit meine eigene Technik entwickelt. So beobachte ich Sie etwa in diesem Moment auch sehr genau und überlege, was gerade in Ihrem Kopf vorgeht.

          Ich frage mich, ob es stimmt, was Dustin Hoffman einst sagte: dass der Ruhm jeden Menschen zwangsläufig korrumpieren würde. Haben Sie auch diese Erfahrung gemacht?

          Vor allem verschafft einem der Ruhm gewisse Freiheiten, nicht nur in finanzieller Hinsicht. Er öffnet Türen: Mein Erfolg mit „Krieg der Sterne“ und „Indiana Jones“ hat mir beispielsweise erst ermöglicht, Filme wie „Der einzige Zeuge“ oder „Mosquito Coast“ zu drehen. Ich will jedoch nicht leugnen, dass der Ruhm auch seine Schattenseiten hat.

          Wie sehen die aus?

          Ich denke vor allem an den Verlust der Privatsphäre. Es ist pervers: Einerseits braucht man als Schauspieler die öffentliche Aufmerksamkeit, um weiter arbeiten und seinen Lebensstandard halten zu können; andererseits stellt man aber fest, dass dieses ständige Unter-Beobachtung-Stehen extrem ungesund ist. Man versucht also, seinen Beruf so öffentlich wie möglich zu machen und sein Privatleben so geheim wie möglich zu halten. Das gelingt mir ganz gut – schließlich bin ich mittlerweile Schnee von gestern.

          Na, na, jetzt kokettieren Sie aber.

          Nun ja, zumindest bin ich nicht mehr in Mode. Doch ich habe es sowieso stets vermieden, en vogue zu sein. Denn dann wird man ja schnell wieder abgelegt, sobald etwas Neues in Mode kommt. Mein Ziel ist es hingegen, mich nützlich zu machen, wie ein alter Schuh, in dem man bequem laufen kann. Und ich habe mir immer Rückzugsmöglichkeiten geschaffen. Wenn ich heute allein sein will, setze ich mich einfach ans Steuer eines Flugzeugs. Über den Wolken habe ich meine Ruhe.

          Was fasziniert Sie so an der Fliegerei?

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