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Hannelore Elsner im Interview : Die Rollen finden mich

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„Diese Frau trägt Funken in sich”: Hannelore Elsner über ihre Rolle im Fernsehfilm „Alles Liebe” Bild: BR/Kerstin Stelter

Interviews mit Hannelore Elsner sind nicht immer leicht. Doch über den Film „Alles Liebe“, der an diesem Mittwoch bei der ARD läuft, spricht sie gern. Auch wenn der Schauspielerin ihre Rolle darin nicht gleich einleuchtete.

          Was hat sie an diesem Film gereizt?

          Ich war nicht gleich begeistert. Ich habe gesagt, ich wolle solche Frauen nicht mehr darstellen. Aber dann haben mir die Gespräche mit der Produzentin Heike Richter-Karst und dem Regisseur Kai Wessel schon gefallen. Sie machten mir klar: Diese Frau trägt Funken in sich und kann sozusagen zu sich selbst zurückkehren und sich wieder aufrichten.

          Wann haben Sie Ihren inneren Widerstand gegen den Film aufgegeben?

          Schon lange vor dem Drehen. Schon bei den Kostümproben. Die Kostümbildnerin war phantastisch, sie hat gesagt, wir wollen spanisch sein oder italienisch, wir nehmen keine Omaklamotten.

          „Die Kostümbildnerin hat gesagt, wir nehmen keine Omaklamotten”

          Wie ist heute Ihr Gefühl für den Film?

          Ein sehr zärtliches, auch für die Menschen, die sich dafür abgerackert haben. Die Verwirrungen, die (Un)achtsamkeiten, das Zuhören, Verstehen, Achtsamkeit. Es ist eine ganz einfache Familiengeschichte über Kinder, die ihre Mutter lieben wollen, aber nicht können und sich dafür hassen. Das sind Gefühle, die kennen wir doch alle.

          Wie suchen Sie Ihre Rollen aus?

          Die Filmrollen finden mich. Eine Filmrolle lehrt einen etwas. Das ist eine große innere Beschäftigung. Da beginnt die Suche in einem selbst nach Empfindungen oder Parallelen, Wissen, Erfahrungen, die man dann verwenden kann.

          Wie spielen Sie?

          Ich spiele sowieso nicht. Das habe ich inzwischen längst festgestellt. Das ist kein Spiel mehr, da bin ich eher ein Medium für die Rolle, für den Film. Aber mehr mag ich dazu nicht sagen.

          Wie erholen Sie sich vom Dreh? Sie haben das letzte Jahr pausenlos gearbeitet.

          Ich bin gerade an einem Punkt, wo ich denke, ich muss innehalten. Ein bisschen Spazierengehen und auf die Wiese schauen. Aber bei mir gibt es keine klassischen Ferien oder Urlaub. Das geht bei mir alles ineinander über. Ich kann mich sehr schnell regenerieren.

          Wie darf man sich das vorstellen, diese Arbeit mit Erholung?

          Wenn ich den gerade abgedrehten Film „Das Blaue vom Himmel“ von Hans Steinbichler nehme: Wir waren in Riga, am Chiemsee, in Wuppertal, in Heiligendamm. Diese Begabung habe ich schon, dass ich mir alles nehmen kann, was da ist, dass ich arbeite und drehe und trotzdem die Schönheit des Strandes des Hotels am Wochenende genießen kann. Das ist für mich auch wie Ferien.

          Sie brauchen keinen Rückzugsplatz.

          Wenn ich drehe, brauche ich überhaupt keinen festen Platz. Der feste Platz ist mein Drehbuch und mein Team. Das weiß ich schon längst, dass ich mich selbst zusammenhalten muss und nicht irgendwie ein Ort mich zusammenhält.

          Wie muss dieser Ort, das Hotelzimmer aussehen?

          Ein Hotelzimmer muss ein sehr guter Platz sein. Da lebe ich ja ein paar Wochen. Einen freien Blick muss ich immer haben und so hoch wie möglich, ob das Hotel groß oder klein ist – egal: Hauptsache freier Blick. Das ist für mich Bedingung. Und ich muss die Fenster öffnen können. Wo Aircondition ist und die Fenster geschlossen sind, ziehe ich sofort wieder aus.

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