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Grimme-Preis : Mogadischu fehlt!

Nadja Uhl in „Mogadischu” Bild: ARD Degeto/Stephan Rabold

Gut und schön, was die Jury in diesem Jahr für den Grimme-Preis auserkoren hat. Doch die Leerstelle im Fach Zeitgeschichte ist nicht zu entschuldigen. Dass der Film „Mogadischu“ keinen Preis bekommt, das ist ein regelrechter Skandal.

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          Das ist alles gut und schön, was die Jury in diesem Jahr für den Grimme-Preis auserkoren hat (Grimme-Preis 2009: Wenn die Umgebung Amok läuft). Besonders der Preis für den Film „Ihr könnt euch niemals sicher sein“, der von einem Schüler handelt, den seine Umgebung für einen potentiellen Amokläufer hält, vermag zu überzeugen (siehe: Fernsehen: Das Drama „Ihr könnt euch niemals sicher sein“).

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Auf unheimliche und grausame Weise hat der Massenmord von Winnenden gezeigt, dass das deutsche Fernsehspiel auf der Höhe der Zeit ist. Sich um die Schule als Stellvertreterkriegsschauplatz der Gesellschaft zu kümmern, darin hat sich gerade der WDR Meriten erworben. In den beiden vergangenen Jahren mit den Filmen „Wut“ und „Guten Morgen, Herr Grothe“, nun mit „Ihr könnt euch niemals sicher sein“, das zudem durch den herausragenden Hauptdarsteller Ludwig Trepte hervorsticht. Darauf kann man sich beim WDR wirklich etwas einbilden, mit seinen Filmen ist der Sender so nah an den jungen Leuten, wie es die ARD mit ihrem Programm ingesamt gern wäre.

          Nicht zu entschuldigende Leerstelle

          Das zu erkennen, kann die Grimme-Jury für sich verbuchen, und dass der Preis im Fach Unterhaltung nicht an die Pro-Sieben-Comedy „Switch Reloaded“ – das Schärfste, was das hiesige Komödienfernsehen hervorbringt (siehe: Comedy: Die neue Staffel von „Switch Reloaded“ (Pro Sieben)) – sondern an das nette „Doctor’s Diary“ von RTL (Endlich mal kein Krimi: die neue Arztserie „Doctor's Diary“ von RTL) geht, lässt sich vielleicht noch verschmerzen. Die Leerstelle, welche die Jury im Fach Zeitgeschichte reißt, ist jedoch nicht zu entschuldigen.

          An zwei sehr guten Stücken und einem herausragenden haben die Juroren vorbeigeguckt: an „Das Wunder von Berlin“ (ZDF, Ein „Mauerfilm“, wie er noch nicht da war: „Das Wunder von Berlin“), an „Wir sind das Volk“ (Sat.1) und vor allem an dem von Roland Suso Richter inszenierten „Mogadischu“ (ARD-Spielfilm „Mogadischu“: Terror in Reinkultur). Dass dieser ausgezeichnete Film mitsamt der wegweisenden Grundlagenrecherche des Autors Maurice Philip Remy (Drehbuchautor Maurice Philip Remy über die Dokumentation „Mogadischu“) keinen Grimme-Preis bekommt, das ist peinlich, jämmerlich, das ist ein regelrechter Skandal.

          Nimmt man diese Entscheidung gegen einen Film, der ein bis heute von manchen ideologisch verklärtes Stück deutscher Nachkriegsgeschichte gegenwärtig macht, zusammen mit den beiden anderen nicht bedachten Verfilmungen, die von der deutschen Einheit handeln, kommt man nicht umhin, der Jury eine Flucht in die Nische und traurige Borniertheit zu attestieren. Dass sich Grimme derart blind zeigt, wirft ernste Zweifel an der Bedeutung des traditionsreichsten deutschen Fernsehpreises auf.

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