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Fußball-WM im Fernsehen : Der Ball ist rund, das Spiel dauert vier Wochen

  • -Aktualisiert am

Der Anpfiff wird laut: Südafrikanische Fußballfans mit ihren Tröten, den „Vuvuzelas” Bild: dpa

Von morgen an läuft im Fernsehen nur noch Fußball: 55 Spiele bei ARD und ZDF, neun Spiele auf RTL, alle 64 bei Sky. Der WM entflieht keiner. Nicht alle Reporter sind vor Ort, aber alle sind im Fieber. Und das soll sich nach Deutschland übertragen.

          Dass diese Weltmeisterschaft nicht wie die vorherigen Fußballturniere wird, das hört man oft. So etwa alle vier Jahre. In diesen Tagen gilt das aber nicht nur aus den üblichen Gründen, wonach der Sport immer schneller, rasanter, spannender geworden sei und nach dem Spiel eben vor dem Spiel sei. Die Programmplaner haben andere Sorgen. „Der Super-GAU ist nicht, wenn die deutsche Mannschaft verliert, sondern wenn wir einen Mitarbeiter verlieren“, sagt Thomas Wehrle vom SWR. Dass die Sicherheit für Berichterstatter und Besucher neben dem Sport zu Recht Thema Nummer eins ist, zeigte sich schon vor Beginn der Spiele: Am Mittwoch wurden drei Sportjournalisten aus Portugal und Spanien mit vorgehaltener Waffe in ihrer Wohnung in Johannesburg überfallen und ausgeraubt.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Thomas Wehrle koordiniert das Turnier für ARD und ZDF als WM-Fernsehchef in Johannesburg. Für alle Transporte sind Fahrer organisiert, die Mitarbeiter erhalten ein Sicherheitsbriefing. „Wenn du nachts unterwegs bist und du gehst eine Ecke zu weit, kann das sofort kippen“, sagt Wehrle. Es ist aber nicht so, dass die eingereisten Fernsehmacher nichts von Südafrika sehen, dem Land, das die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden austrägt. Im Gegenteil: Sie sollen auch das Land mitsamt seinem Elend sehen. Wer neu ankam, wurde zwar zuerst ins Hotel gebracht, aber kurz darauf durch die Stadt gefahren und sah das Getto von Soweto. Wehrle hat erkannt, wie sehr die Menschen sich über das Turnier freuen. „Man muss sehen, wie stolz die Afrikaner sind, dass sie die WM ausrichten können“, sagt er.

          Der RTL-Sportchef bleibt zuhause

          Wehrle fährt jeden Morgen vom Hotel ins International Broadcast Centre (IBC), das internationale Sendezentrum in Johannesburg, von dort aus übertragen alle Sender die Spiele. Auch RTL und Sky sind hier. Von der Qualität her sei das IBC das beste, das er je gesehen habe, sagt Wehrle. Die ARD hat gemeinsam mit dem ZDF ein Studio bezogen. Die Technik hier und in den Stadien nutzen sie gemeinsam, auch die Planungen für Produktion, Logistik und Sicherheit haben sie miteinander abgestimmt. „Wir arbeiten beim Fußball so eng zusammen wie seit fünfzehn Jahren nicht mehr“, sagt Wehrle.

          Einsamer deutscher Fan im fernen Südafrika: Viele bleiben lieber zuhause und schauen sich die WM im Fernsehen an

          RTL-Sportchef Manfred Loppe reist nicht nach Südafrika. Das muss er auch nicht. Sein Sender begleitet die WM vor allem von Deutschland aus und fährt mit einem Lastwagen und 80 Mitarbeitern von Fanmeile zu Fanmeile. Den Truck haben sie eigens gebaut, er hat eine Bühne von sechzig Quadratmetern, auf der Moderator Günther Jauch und Dortmunds Trainer Jürgen Klopp vor einer großen LED-Wand stehen. An diesem Freitag beginnen sie in Berlin, fahren an Dresdens Elbufer, nach Köln, Frankfurt, Aachen und wieder zurück nach Berlin.

          Sie ließen sich vom Zeitgeist leiten, sagt Loppe. „Wir meinen, intensiv gespürt zu haben, dass Menschen besonders in Deutschland bereit sind, gemeinsam große Ereignisse zu feiern.“ Außerdem ist in Südafrika Winter, es kann nachts gar frieren, und RTL sendet die späten Spiele, wenn es dort überwiegend dunkel ist - aber was unterscheidet denn Südafrika im Dunkeln von Köln im Dunkeln? Die Motivation, die Weltmeisterschaft zu konsumieren, zu feiern und zu zelebrieren, sei hier besser, sagt Loppe. Zudem kämen die Sicherheitsfragen und Zusatzkosten in Südafrika hinzu.

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