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Fußball-Berichterstattung : Das beste Studio ist das Stadion

  • -Aktualisiert am

Beweisführung per Hintertorkamera: ran setzt auf neueste Technik bei der Spielberichterstattung Bild: dpa

Sechs Jahre nach der letzten Show holt Sat.1 das Fußballmagazin „ran“ aus dem Archiv. Das neue „ran“ soll Champions League und Europa League zeigen wie nie, etwa aus der Maulwurfperspektive. Fans des runden Leders bleiben jedoch skeptisch.

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          Der Tag, an dem das Privatfernsehen das Land endgültig ins Verderben stürzte, wie es seine ärgsten Kritiker vorhergesagt hatten, war ein Samstag im August des Jahres 1992. Der FC Bayern München gewann zum Saisonauftakt der Fußball-Bundesliga 3:0 gegen Bayer 05 Uerdingen, Borussia Mönchengladbach musste sich 2:4 dem Karlsruher SC geschlagen geben, und in einem Hamburger Studio saß der damalige Sat.1-Sportchef Reinhold Beckmann mit einer roten Jeansjacke, um die Fernsehzuschauer zur ersten Samstagssendung der neuen Sat.1-Sportsendung „ran“ zu begrüßen.

          Das war ein Schock. Statt „Guten Abend allerseits“ gab es Statistiken mit Eckbällen und Torschüssen. Einen Biersponsor und Werbepausen. Reporter, die freche Fragen stellten. Und fetzige Musik statt nüchterner Kommentare. Sat.1 musste verrückt geworden sein. „ran“ sei „pausenlos auf der Jagd nach Gefühlswallung“, kritisierte diese Zeitung, die „taz“ erlebte „Bundesliga als aufregenden Hühnerhaufen“, und der „Spiegel“ konnte es kaum fassen, dass vom Spiel „demnächst Bilder aus der Vogelperspektive“ gezeigt werden sollten. „ran“ sei „infantiler Klamauk und in dieser Eigenschaft genau das, was der Fußball so gut gebrauchen kann wie unsereiner ein zusätzliches Loch im Kopf“, ekelte sich das Magazin „Sports“. Bis schließlich die Gewöhnung einsetzte. 2003 eroberte die ARD mit der „Sportschau“ die Bundesliga zurück, „ran“ verschwand vom Bildschirm, und bei den Zuschauern hielt sich das Bedauern in Grenzen – zumindest bis klar war, dass auch die neue „Sportschau“ keine werbefreie Zone mehr sein würde.

          Alte Bekannte und neue Gesichter

          Sechs Jahre nach der letzten Sendung holt Sat.1 „ran“ jetzt zurück, auch ohne Bundesligarechte. Im vergangenen Jahr hat sich der Sender für geschätzte knapp achtzig Millionen Euro die Übertragung der Champions League und Europa League gesichert und die Entscheidung getroffen, wieder eine eigene Sportredaktion aufzubauen. Die ist mit acht Mann jetzt zwar deutlich kleiner als damals – aber die Voraussetzungen sind ja auch andere. Als Moderator hat Sat.1 Johannes B. Kerner verpflichtet, der schon 1992 dabei war und für den die neue Aufgabe einer der Gründe gewesen ist, dem ZDF den Rücken zu kehren. Als Experte steht ihm Franz Beckenbauer zur Seite. Dazu kommen Oliver Welke, der für Sat.1 in den Jahren 2003 bis 2006 schon die Champions League moderierte, und Andrea Kaiser, die Sat.1-Sportchef Sven Froberg vom DSF mitgebracht hat, wo er zuletzt als Chefredakteur arbeitete, und als neues Gesicht aufbauen will. Als Kommentatoren hat Froberg unter anderen Hansi Küpper und Wolff-Christoph Fuss verpflichtet.

          Der Blick direkt in die Stadien soll das alte ran-Studio ersetzen
          Der Blick direkt in die Stadien soll das alte ran-Studio ersetzen : Bild: dpa

          „Unsere Aufgabe ist es, die alten Stärken von ,ran‘ in die neue Zeit rüberzuholen“, sagt Froberg. Wenn einer weiß, wie das gehen kann, ist Froberg vielleicht nicht die schlechteste Wahl, schließlich war auch er damals bei der „ran“-Premiere dabei – als Praktikant. In Erinnerungen schwelgen mag er aber trotzdem nicht: „Ein bisschen Nostalgie: gern! Aber nicht zu viel. Wir müssen uns an den neuen Sehgewohnheiten der Zuschauer orientieren. ,ran‘ war früher ja in erster Linie eine Studiosendung über die Fußball-Bundesliga. Jetzt machen wir Live-Übertragungen zu Champions League und Europa League, bei denen wir immer vor Ort sein werden.“ Ob das klappt, zeigt sich heute Abend beim ChampionsLeague-Qualifikationsspiel des VfB Stuttgart gegen den rumänischen Vizemeister FC Timisoara, das von 20.15 Uhr an läuft.

          Keine Ablenkung mehr vom Spiel

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