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Filmförderung, öffentlich-rechtlich : Ohne das Fernsehen ist der Film verloren

  • Aktualisiert am

Intendant des MDR und Filmintendant der ARD: Udo Reiter Bild: ZB

Haben die Sender zu großen Einfluss auf das Kino? Missbrauchen sie ihre Macht? Der Dokumentarfilmer Thomas Frickel sieht es so. Doch das Gegenteil ist der Fall. Eine Entgegnung des MDR-Intendanten Udo Reiter.

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          Alle Jahre wieder: Das Fernsehen „zerstört das Kino“. Es erhält Gebührengeld, und anstatt dieses Geld zur freien Verfügung an die Filmproduzenten weiterzureichen, damit diese ihre Kunstwerke schaffen können, gibt es erstens zu wenig weiter und will es zweitens bei der Verwendung des Weitergegebenen auch noch mitreden. Diesmal ist es der Dokumentarfilmer Thomas Frickel, der passend zur Berlinale die Geschichte ein weiteres Mal vorträgt: „Sie pressen den Film in ihr Format“.

          Richtiger wird sie dadurch nicht. Niemand hindert Herrn Frickel daran, unabhängig vom Fernsehen einen Kinofilm zu produzieren und zu vermarkten. Das geschieht weltweit jeden Tag. Und wenn uns sein Film für eines unserer Fernsehprogramme geeignet erscheint, werden wir gerne eine Sendelizenz erwerben. Auch das geschieht ständig. Unsere Leute gehen auf Filmmessen, sichten die Angebote und erwerben Kinofilme, an deren Entstehen kein Fernsehsender je beteiligt war.

          Das Modell hat sich längst durchgesetzt

          Inzwischen haben sich allerdings auch andere Formen der Zusammenarbeit zwischen Kino- und Fernsehmachern entwickelt. Die Verwandtschaft der beiden Medien ist ja nicht zu übersehen. Warum also nicht schon bei der Produktion kooperieren? Warum nicht von Anfang an ein gemeinsames Produkt anstreben? Warum nicht eine Win-win-Situation, was Finanzierung und Reichweite angeht? Die Vorteile liegen auf der Hand. Das Modell hat sich daher längst durchgesetzt. Der „Amphibienfilm“ ist Alltag, und er ist erfolgreich. Viele deutsche Kinofilme wären ohne Unterstützung des Fernsehens nicht entstanden, und unsere Fernsehprogramme wären ohne solche Produktionen sehr viel ärmer. Kino und Fernsehen sind heute Geschwister. Sie zanken sich, aber eigentlich gehören sie zusammen.

          Aus diesem Grund engagiert sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland systematisch in der Filmförderung. Wir unterstützen zum Beispiel die Filmförderanstalt des Bundes (FFA) mit beträchtlichen Mitteln. ARD und ZDF bringen pro Jahr elf Millionen Euro in die FFA ein, zusätzlich drei Millionen Euro Medialeistung (also Werbespots für Kinofilme) und 4,6 Millionen für Gemeinschaftsproduktionen. Und als die deutsche Filmförderung im vergangenen Jahr knapp vor dem Kollaps stand, weil einige Großkinobetreiber ihre Zahlungen nicht mehr leisten wollten, da haben die Sender den Zusammenbruch der FFA, der ein Fiasko für die Filmproduzenten geworden wäre, verhindert. Dazu kommt noch die regionale Filmförderung in den einzelnen Bundesländern. In diese Fördertöpfe überweist die ARD nochmals rund dreißig Millionen Euro pro Jahr. Das hat dann beispielsweise zur Folge, dass Szenen eines Hollywood-Films wie „Inglourious Basterds“ mit Unterstützung der Mitteldeutschen Medienförderung in der Sächsischen Schweiz gedreht werden. Das hilft vielleicht nicht den deutschen Produzenten, aber dem einen oder anderen Produktionsdienstleister.

          Das Geld der Gebührenzahler nicht ohne Auflagen weiterleiten

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