https://www.faz.net/-gqz-9lv

Film über Carsten Maschmeyer : Macht ein Drückerkönig Politik?

In auffallend guter Gesellschaft: Maschmeyer und seine Lebensgefährtin Veronica Ferres zusammen mit dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Frau Doris Schröder-Köpf Bild: NDR/dpa/Rainer Droese

Die ARD zeigt einen Film über den Finanzdienstleister Carsten Maschmeyer. Der Name sagt Ihnen nichts? Christian Wulff und Gerhard Schröder schon. Walter Riester und Bert Rürup auch. Und genau das ist das Problem.

          Auf die Bilder kommt es an. Auf die Bilder, die Carsten Maschmeyer mit Gerhard Schröder und mit dessen Frau Doris zeigen und mit seiner Partnerin, der beliebten Schauspielerin Veronica Ferres. Oder mit dem Bundespräsidenten Christian Wulff, der im vergangenen Jahr auf seinem Anwesen auf Mallorca Urlaub gemacht hat. Oder auf die Bilder, die Carsten Maschmeyer zeigen, wie er bei der ZDF-Gala „Ein Herz für Kinder“ einen Millionenscheck überreicht, anmoderiert von Thomas Gottschalk. Dann erscheint der Mann, den sein einstiges Unternehmen AWD reich gemacht hat, als Wohltäter. Oder als „edler Ritter“, wie es in dem Film des Autors Christoph Lütgert heißt, der im Titel auf die andere Seite des Protagonisten hindeutet. „Der Drückerkönig und die Politik. Die schillernde Karriere des Carsten Maschmeyer“ heißt das Stück, das am Mittwochabend im Ersten Deutschen Fernsehen läuft.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ein „Drückerkönig“? Auf einem Bild mit dem früheren Bundeskanzler, für den Maschmeyer einmal eine teure Werbekampagne gestartet hat? Auf einem Bild mit dem Bundespräsidenten, der von sich sagt, dass ihn mit dem Finanzindustriellen „eine Freundschaft“ verbinde? Bilder des früheren Arbeitsministers Walter Riester, der auf Veranstaltungen des AWD auftritt? Eine gemeinsame Firma mit dem Politikberater Bert Rürup? Mit politischen Figuren also, die unser Rentensystem umgeformt und den Menschen den Gedanken eingepflanzt haben, dass sie privat für ihr Alter vorsorgen müssen? Passt das zusammen?

          Ein Fall von politischer Korruption?

          Es passt zusammen in den besonderen Verhältnissen, die in Hannover herrschen, es passt zusammen in einem Netzwerk, das Carsten Maschmeyer, wie im Film ein ehemaliger Partner sagt, in einzigartiger Weise zu knüpfen verstand und versteht. Der Publizist und ehemalige SPD-Politiker Albrecht Müller spricht von „politischer Korruption“. Um eine solche Korruption handele es sich, wenn politische Entscheidungen getroffen würden, die private Interessen beförderten. Dem Berater Rürup fällt in seinem Fall auf die Frage nach der möglichen Vermischung politischer Entscheidungen und persönlicher Vorteilsnahme vor der Kamera nur ein, dass eine solche Unterstellung „im Kern nur einem kranken Hirn“ entsprungen sein könne. Einem kranken Hirn? Aber ist der Zusammenhang wirklich so völlig abwegig? Von der Umstellung des Rentensystems und des Schuldrechts haben vor allem Finanzdienstleister und Versicherungen profitiert, Unternehmen wie Maschmeyers AWD, die heute mit dem Slogan „ihr persönlicher Finanzoptimierer“ auftritt.

          Auftritt als edler Ritter: Maschmeyer überreicht einen Millionenscheck auf der ZDF-Gala „Ein Herz für Kinder”

          Mit der „Optimierung“ sind jedoch nicht alle zufrieden und gut gefahren seit Beginn der neunziger Jahre. Zwei Beispiele von Menschen, die mit AWD-Beratern schlechte Erfahrungen machten, stellt der Film von Christoph Lütgert vor. Sie investierten ihr Geld in geschlossene Fonds und verloren es. Sie sagen, sie seien über das Risiko eines Totalverlusts nicht informiert worden. Wie passt das zusammen?, fragt sich Lütgert: Die Bilder des vermeintlichen Wohltäters und Politikerfreundes mit Vorwürfen, er habe Tausende Kleinanleger ins Unglück gestürzt?

          Maschmeyers schweigt

          Das hätte der NDR-Reporter den einstigen AWD-Chef, der sein Unternehmen 2007 an die Swiss Life verkauft hat, an der neuen Muttergesellschaft aber Anteile hält, gern gefragt. Er hat seine Anfragen eingereicht, wie er sagt. Er hat sich an die Pforte der Firma Maschmeyer-Rürup gestellt und um Einlass gebeten, aber nur gehört, dass Herr Maschmeyer nicht da sei. Er hat diesen schließlich bei einem Termin in Frankfurt abgepasst, sich neben ihn gestellt und abermals gefragt, ob man über die Opfer des AWD sprechen könne. Antwort hat Lütgert nicht bekommen. Maschmeyer steht da, bereitet sich auf eine Rede vor, die er gleich halten soll, und schweigt. „Keine Antwort ist auch eine Antwort“, sagt der Mann, der neben Maschmeyer steht und diesen abzuschirmen sucht. Nein, findet der Reporter, keine Antwort ist keine Antwort. „Bitte haben Sie Verständnis.“ Nein, der Reporter hat kein Verständnis, er will Antworten.

          Weitere Themen

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          Polizeiskandal in Frankfurt : Behörde aus dem Tritt

          Ein rechtsradikales Netzwerk innerhalb der Frankfurter Polizei nennt sich „NSU 2.0“. Es soll gedroht haben, die Tochter einer Anwältin „zu schlachten“. Warum wurde das Opfer so alleine gelassen? Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.