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Fernsehvorschau „Tatort: Kinderwunsch“ : Verdächtige Schwangerschaftsgymnastik

DJ Ötzi lässt grüßen: Eisner (Harald Krassnitzer) ist in Linz verprügelt worden Bild: rbb/ORF/Allegro Film/Petro Domenigg

„Tatort: Kinderwunsch“ handelt von Blasen und Kuckuckseiern und lässt Kommissar Eisner richtig wütend werden, so wütend, wie man selten einen „Tatort“-Ermittler gesehen hat. Es ist sicher nicht der ausgefeilteste ORF-Krimi, aber einer, der seinen Kommissar wieder spannend macht.

          Österreich ist wieder mal im Kommen, könnte man meinen. Michael Haneke gewinnt in Cannes die Goldene Palme, Walter Kappacher bekommt den Büchner-Preis, und die österreichischen Kriminalkommissare residieren in der europäischen Kulturhauptstadt 2009 in fürstlichen Stadtwohnungen, wo sie mit gutaussehenden Musikprofessorinnen im Kerzenlicht dinieren. Diesen letzten Eindruck kann man zumindest in der aktuellen „Tatort“-Folge gewinnen, die am Pfingstmontag ausgestrahlt wird.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) hat es auf ein Stadtpalais gebracht - wie kann das angehen? Bisher lebte er doch immer in diesem mitteldesignprächtigen Appartement in Wien. Doch Wien ist den ORF-Tatortmachern in letzter Zeit nicht mehr genug. Zu seinem Leidwesen wird Grantler Eisner daher immer öfter zum Sonderermittler bestimmt und viel auswärts eingesetzt, meist im schönen Tirol. Diesmal aber führt es ihn, weil der Tod einer bekannten Enthüllungsjournalistin aufzuklären ist, wofür man offenbar eine Sonderkommission benötigt, die Donau hinauf nach Linz. Und die mit Antiquitäten gefüllte mittelalterliche Stadtwohnung wurde vom Drehbuch (Thomas Braun und Walter Bannert) wohl als atmosphärisches Gegengewicht zu den vielen nebligen Hafen- und Stahlwerkansichten eingearbeitet, die der neue Fall dem Zuschauer über weite Strecken zumutet. Mit der Linz-Werbung übertreibt er es jedenfalls nicht.

          Das Grundmotiv: Blasen und Kuckuckseier

          Früher gehörte die Wohnung dem „strebsamen Söhnchen eines Bankiers, der mit ziemlich allem gehandelt hat, was verboten ist: Drogen, Waffen und den ungedeckten Zertifikaten seines Vaters“, das Gebäude scheint also konfisziert worden zu sein und dient der Linzer Polizei als eine Art Gästehaus. Es ist damit eine dieser Blasen, welche die Wirtschaftskrise unserer Tage so hervorbringt, und auch die attraktive Musikprofessorin (Dorka Gryllus), mit der Eisner nach dreißig Minuten flirtend im Speisezimmer sitzt, entpuppt sich als Bluff. Blasen und Kuckuckseier sind überhaupt das Grundmotiv dieses „Tatorts“.

          In der Klinik für künstliche Befruchtung: Gymnastiklehrerin Weber (Tamara Metelka, l.) versprüht gute Laune

          Die neue Folge heißt „Kinderwunsch“, und bald schon stellt sich heraus, dass die Recherche, an der die aus der Donau gefischte Journalistin Sandra Walch arbeitete, sich auf eine Klinik für künstliche Befruchtung bezog. Da das Embryonenschutzgesetz in Österreich weniger streng als in Deutschland ist, erfreut sich die Klinik an der Donau regen Zuspruchs gerade von jenseits der Grenze, wie wir erfahren, und auch, weil die Erfolgsquote mit fünfzig Prozent so unglaublich hoch ist.

          Das nimmt Eisner dem Mordfall persönlich übel

          Und weil die Klinik, was eine viel höhere Erfolgsquote als die Konkurrenz verspricht, meist mit fragwürdigen Mitteln arbeitet, so die einprägsame ökonomische Lektion der jüngeren Zeit, zog sie bald schon Misstrauen auf sich - von dem Gentechniker Max Biro, der seine Erforschungen an Sandra Walch weiterleitete und kurze Zeit nach ihr sehr kaltblütig ermordet wird. Irgendwer versucht mit brutalsten Mitteln zu verhindern, dass das Erfolgsrezept der Klinik publik wird. Den beiden Chefärzten allerdings traut man diese kriminelle Energie nicht zu.

          Dieser „Tatort“ strömt gerade anfangs dahin wie die Donau an einer breiten Stelle. Der Zuschauer tappt im Gleichschritt mit den nicht eben übermotivierten Kommissaren im Dunkeln umher und wird dabei intellektuell nicht eben überfordert. Die Handlung ist ganz auf den übellaunigen Chefinspektor Eisner konzentriert, dessen fast widerwillige Ermittlungen trotz einiger Manierismen wirklich unterhaltsam sind - übrigens auch seine Art, es dem Mordfall persönlich übelzunehmen, dass er sich so schwer aufklären lässt. Erweckte Krassnitzer in der Vergangenheit gestisch und mimisch oft den Eindruck, als wolle er als jüngerer Bruder der Wiener Schauspielinstitution Otto Schenk durchgehen, lebt er in dieser Folge, nachdem er in einer fremden Wohnung fast totgeschlagen wird, eine Wut und Entschlossenheit aus, die man bisher nicht von ihm kannte. Eisner, der anschließend mit seinem Kopfverband wie der DJ Ötzi umherlaufen muss, wird richtig sauer, so sauer, wie man einen „Tatort“-Kommissar noch selten gesehen hat.

          Der ost-westliche Showdown am Schluss ist dann aber doch des Guten zu viel. Die kriminelle Hintergrundinstanz ist derart anonym, ihre Handlanger hingegen sind so klischeehaft-konkret, dass die gesamte Konstruktion schlicht unrealistisch und damit wiederum wenig bedrohlich wirkt. Es ist sicher nicht der ausgefeilteste ORF-„Tatort“ der letzten Zeit, aber dafür einer, der seinen Kommissar wieder spannend macht.

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