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Fernsehvorschau: Slomka in Afrika : Ein Gorilla kann vier Millionen Dollar verdienen

Abseits der Toursiten-Pfade: Marietta Slomka zu Besuch bei einem Stamm der Massai in Kenia Bild: Kirsten Hoehne

Abseits der WM-Seligkeit stellt die ZDF-Moderatorin Marietta Slomka in einem dokumentarischen Zweiteiler von heute an geopolitische Fragen an Afrika. Die ARD stellt vier Frauen vor, die für gesellschaftlichen Aufbruch stehen: „Good morning, Africa“.

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          Bei den Bildern aus Afrika, die wir anlässlich der Fußball-WM dieser Tage sonder Zahl sehen, wäre es interessant, unsere Perspektive zu vergleichen, zum Beispiel mit jener der Chinesen. Während Afrika hierzulande unter den Vorzeichen der Entwicklungshilfe steht, investieren die Chinesen, was das Zeug hält. Die Asiaten, deren eigener Kontinent uns als der politisch und wirtschaftlich kommende gilt, erschließen die Märkte von morgen. Was die Afrikaner davon haben werden, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die ZDF-Moderatorin Marietta Slomka, die für ihren Sender als Reporterin schon anlässlich der Olympischen Spiele in China unterwegs war, stellt (wenn auch im ersten Teil des Stücks nicht am Beispiel der Chinesen) gemeinsam mit ihrer Koautorin Kirsten Hoehne geopolitische Fragen in Afrika, auch wenn es zunächst gar nicht danach aussieht. Ihre Reise beginnt scheinbar pittoresk, mit der Fahrt in eine Hauptstadt, die „sauber, sicher und modern“ sein will.

          Keine Kritik an Edel-Touristen

          Das aber gilt nur auf den ersten Blick, hinter jedem der Gebäude, das älter als sechzehn Jahre ist, verbirgt sich eine blutige Geschichte, wie der afrikanische Begleiter sagt: Wir sind in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Im Jahr 1994 fanden dort während des knapp hundert Tage währenden Völkermords nach Schätzungen 800.000 bis eine Million Menschen den Tod, Angehörige der Tutsi-Minderheit, von Hutu-Milizen abgeschlachtet. In dieser Kirche starben Hunderte Menschen, in jenem gelben Eckhaus wurde gefoltert, hören wir. Heute kommen Touristen nach Ruanda, aber nicht der Geschichte, sondern der Berggorillas wegen. Fünfhundert Dollar kostet die Tour in den Regenwald pro Person. Rechnet man die Eintrittsgelder zusammen, „verdient“ ein Gorilla im Laufe seines Lebens an die vier Millionen Dollar.

          Warten auf Gorilla: Marietta Slomka in „Afrikas Schätze”

          Wie viel bleibt davon an Ort und Stelle und kommt den Afrikanern zugute? Das ist die Frage, die der Film stellt, in Ruanda, aber auch in Kenia und auf Sansibar, wo Edel-Touristen gerngesehene Gäste sind. Doch es geht um „Urlaub für Ausländer, organisiert von Ausländern“. In Ruanda, dem „Land des Schweigens“, geführt von einem autokratischen Staatschef, gibt es nur wenige, die daran offen Kritik üben. Auch die Reiseveranstalter in Kenia fühlen sich gut beim Geschäft mit dem Luxus-Tourismus. Wie das aussieht, zeigt eine Szene aus dem Park Massai Mara.

          Die beste Werkstatt am Platz

          Zur „Rush Hour in der Savanne“ jagt ein Dutzend Wagen einem einzelnen Löwen hinterher, die Touristen knipsen, einen der „Big Five“, also der afrikanischen Großtiere, haben sie vor die Kamera bekommen. Dass dessen Artgenossen den in der Gegend lebenden Massai eine Augenweide nur aus der Ferne sind, nicht aber, wenn sie ins Dorf eindringen und Kühe reißen, wissen die Besucher nicht. Sie sehen „Afrikas Schätze“ und sehen sie nicht. Um die im Boden verborgenen kümmern sich Marietta Slomka und Kirsten Hoehne im zweiten Teil ihrer Reportage.

          Chiara Sambuchi beschließt heute im Ersten derweil den dokumentarischen Afrika-Schwerpunkt, den die ARD vor Wochen begonnen hat. Sie stellt vier Frauen vor, die für gesellschaftlichen Aufbruch stehen - eine Radio-Chefin aus Uganda, die der Aufklärung das Wort redet; eine Automechanikerin aus dem Senegal, welche die beste Werkstatt am Platz führt und sich der muslimischen Vielehe verweigert; eine junge Frau in Moçambique, die Dorfbewohnern traditionelle Handwerkskünste in Erinnerung ruft, und die Leiterin einer Klinik in Lesotho, die gegen HIV kämpft. „Ein Morgen beginnt“, heißt es bei Chiara Sambuchi, und mit ihm ein neuer Tag voller Hoffnung. Nichts anderes schildert ihr Stück, das nichts beschönigt, durch Bilder und Stimmung besticht, vielleicht nur ein bisschen zu lang geraten ist, aber den Tenor hält, den der Titel verheißt: „Good morning, Africa“.

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