https://www.faz.net/-gqz-yt6c

Fernsehmehrteiler „The Kennedys“ : Von der Macht eines Clans

  • -Aktualisiert am

Die Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, zudem verkörpert Greg Kinnear den Präsidenten John F. Kennedy auch schauspielerisch überzeugend Bild: dapd

Ein kleiner amerikanischer Kabelsender hat Erstaunliches zuwege gebracht: Das Doku-Drama „The Kennedys“ mit Greg Kinnear und Katie Holmes in den Hauptrollen läuft trotz des Widerstands aus Hollywood und der Familie selbst äußerst erfolgreich.

          Gut fünfundzwanzig Millionen Dollar hat sich der amerikanische Geschichtssender „History Channel“ die Produktion des achtteiligen Doku-Dramas „The Kennedys“ kosten lassen. Gedreht wurde in Hamilton und Toronto in der kanadischen Ostprovinz, wo man tauglichen Ersatz für die Originalschauplätze Boston und Hyannis Port im neuenglischen Bundesstaat Massachusetts fand.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Auch bei der Besetzung der Hauptrollen haben sich die kanadischen Produzenten Muse Entertainment und Shaw Media sowie deren amerikanischer Partner Asylum Entertainment aus Los Angeles nicht mit kleinen Brötchen abgegeben.

          Die Rolle von John F. Kennedy ist mit Greg Kinnear überzeugend besetzt, und Katie Holmes gibt eine verblüffend authentische Jackie Kennedy. Überragend ist der Kanadier Barry Pepper als Johns jüngerer Bruder Robert Kennedy, während der Engländer Tom Wilkinson den Familien-Patriarchen Joseph Kennedy Sr. vielleicht doch ein wenig zu englisch und eben nicht im neuenglischen Zungenschlag der Bostoner sprechen lässt.

          Verblüffend authentisch: Katie Holmes als Präsidentengattin Jackie Kennedy

          Diverse Anklagepunkte

          Auch der Regisseur Jon Cassar ist Kanadier, der sich vor allem mit der Inszenierung der rasend erfolgreichen amerikanische Fernsehserie „24“ mit Kiefer Sutherland als Terroristenjäger Jack Bauer einen Namen gemacht hat. Das Drehbuch hat wesentlich der Amerikaner Steve Kornish verfasst, der auch manche Episode von „24“ schrieb.

          Ehe der Mehrteiler „The Kennedys“ Anfang April zunächst in den Vereinigten Staaten und jetzt auch in Kanada und Großbritannien ausgestrahlt werden konnte, gab es ein monatelanges Gezerre um das Doku-Drama. Schon im Januar 2010 wurde in Hollywood viel Lärm um die Serie gemacht, obwohl seinerzeit gerade einmal die erste Drehbuchfassung vorlag. Das Vermächtnis der Kennedy-Familie und zumal von Präsident John F. Kennedy werde in den Schmutz gezogen, schimpfte Regisseur Robert Greenwald.

          Kennedys einstiger Redenschreiber Ted Sorensen wollte gar einen „Charaktermord“ an seinem ehemaligen Chef erkennen. Weithin wurde kritisiert, die Geschichte der Kennedy-Dynastie in der neuesten Version der kanadischen Filmemacher sei voller faktischer Fehler, historischer Ungenauigkeiten und Simplifizierungen. Tatsächlich kommt etwa Teddy Kennedy, der jüngste der Kennedy-Brüder, der als Senator aus Massachusetts und früh gescheiterter Präsidentschaftskandidat die Fackel der Dynastie bis zu seinem Tod 2009 weitergetragen hat, in dem Doku-Drama gar nicht vor.

          Der Rückzieher des „History Channels“

          Außerdem wurde moniert, dass die Schaffung des „Peace Corps“ und der Kampf Kennedys für soziale Gerechtigkeit nicht beleuchtet würden. Drehbuchautor, Regisseur und Produzenten erwiderten, die Serie sei keine Dokumentation mit dem Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ein Fernsehfilm über zeitgeschichtliche Gestalten. Im Übrigen hätten Historiker, Juristen und Chronisten die Endfassung des Drehbuchs geprüft.

          Weitere Themen

          Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?

          F.A.Z.-Umfrage zur Lage in Hongkong : Deutsche Unternehmen meiden klare Worte

          Joe Kaeser mahnt gewaltfreien Dialog und Einhaltung des geltenden Rechts in Hongkong an. Viele deutsche Konzerne sind besorgt, drucksen aber herum – sie haben Milliarden in China investiert.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.