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Fernsehhonorare : Wer was verdient

Gottschalks mögliche Nachfolger: Harald Schmidt, Johannes B. Kerner, Anke Engelke, Stefan Raab, Jörg Pilawa, Hape Kerkeling, Markus Lanz, Michelle Hunziker, Günther Jauch und Oliver Pocher. Welche Gage für wen? Bild: dpa

Nicht nur Monica Lierhaus ist den Sendern viel wert. Denn von einem gewissen Punkt an lässt sich persönliche Popularität gut vermarkten. Ob Anne Will oder Günther Jauch: Der Moderator wird zur Marke. Um den eigenen Nachwuchs kümmern sich ARD und ZDF indes zu wenig.

          Für Insider ist es nicht verwunderlich, für das allgemeine Publikum schon: Monica Lierhaus, die bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ im ZDF erstmals seit ihrer Operation vor zwei Jahren wieder in die Öffentlichkeit trat, soll als „Botschafterin“ der ARD-Fernsehlotterie 450.000 Euro pro Jahr verdienen, Steigerung möglich. Vor ihrer Gehirnoperation, seit der sie gesundheitlich beeinträchtigt ist, stand sie als Sportmoderatorin hoch im Kurs.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die ARD bot ihr einen mit 850.000 Euro dotierten Vertrag an. Sie sollte in der „Sportschau“ mitwirken und bei den Übertragungen des internationalen Fußballs, an dem der Senderverbund die Rechte hält. Das sind stolze, aber für das Fernsehgeschäft nicht untypische Summen. Doch wie erklären sie sich?

          Von einem gewissen Punkt an lässt sich persönliche Popularität vermarkten. Der Moderator wird zur Marke. Bis dieser Punkt erreicht ist, solange die Sendung also wichtiger scheint als der Präsentator, haben die Sender die besseren Karten. Danach wird gezockt, es geht um Irrsinnsbeträge, der Meistbietende erhält den Zuschlag. Als Zuschauer fragt man sich, wofür eigentlich bezahlt wird. Könnte das nicht jeder machen? Hat die ARD, zum Beispiel, nicht genug kluge wie unterhaltsame Sportjournalisten? Sind sie nicht austauschbar?

          Am 5. Februar trat Monica Lierhaus nach zwei Jahren bei der „Goldenen Kamera” erstmals wieder im Fernsehen auf

          Zur richtigen Zeit am richtigen Fleck

          Im Fall von Monica Lierhaus konnte man vor zwei Jahren sagen: Nein, es gab (fast) nur eine ihres Schlages. Sämtliche Sender suchten nach einer Frau, die den Fußball präsentierte. Es galt und gilt verstärkt Zuschauerinnen anzusprechen. Der Sport hat sich zudem zu einem Lifestyle-Produkt gewandelt; Sportpuristen, denen der ganze Heckmeck drum herum ein Graus ist, haben das Nachsehen.

          Sie schauen ohnehin, also müssen die Sender nicht um sie buhlen, um die anderen - vornehmlich weiblichen - Zuseher schon. Also war Monica Lierhaus zur richtigen Zeit am richtigen Fleck, angeblich stand ein konkurrierendes Angebot von Sat. 1 über eine Million Euro ins Haus. Ob es dieses tatsächlich gab oder die ARD sich nur herausgefordert fühlen sollte, lässt sich mit Gewissheit nicht sagen.

          Die Nachfrage bestimmt den Preis, und der ist im Segment der vermeintlichen Topmoderatoren hoch. Also lockte die ARD Günther Jauch mit einem Vertrag, der ein jährliches Produktionsvolumen von 10,5 Millionen Euro vorsieht - das ist die Summe für die gesamte Produktion, nicht das Honorar. Bei Harald Schmidt beläuft sich die Jahresproduktionssumme auf angeblich neun Millionen Euro pro Jahr, bei Anne Will auf 7,85 Millionen Euro, die besten Honorare werden Thomas Gottschalk im ZDF und Günther Jauch bei RTL (100.000 Euro pro Sendung) nachgesagt, Dieter Bohlen soll pro „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel auf 1,2 Millionen Euro kommen.

          Der Nachwuchs wird zu wenig gefördert

          Auf die Hälfte ist das jährliche Honorar des ZDF-Nachrichtenmoderators Claus Kleber geschätzt worden, der damit doppelt so viel wie sein Intendant verdiente, Johannes B. Kerner soll in der Drei-Millionen-Euro-pro-Jahr-Liga spielen, Maybrit Illner und Reinhold Beckmann davon ein Drittel pro Jahr haben, schon die „Lottofee“ Franziska Reichenbacher soll pro Auftritt tausend Euro bekommen.

          Wären all dies Einkünfte auf dem freien Markt, könnte man mit der Schulter zucken. Da der Fernsehwettbewerb bei uns jedoch einer zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern ist, stellt sich auf der gebührenfinanzierten Seite stets die Grundsatzfrage, ob das öffentliche Geld gut angelegt ist. Und ob es sinnvoll ist, dieses Honorarsystem zu stützen, dessen Koordinaten zu einem guten Teil selbstreferentiell zustande kommen - die Sender schauen nur noch darauf, wer bei der Konkurrenz aufläuft, dort vermeintlich viele Zuschauer holt und es deshalb wert ist, dass man mit der Schwarte nach dem Speck wirft. ARD und ZDF zahlen in diesem Reigen zudem seit Jahren dafür drauf, dass sie ihren Nachwuchs zu wenig fördern.

          Monica Lierhaus ist also nicht die Ausnahme, sie bestätigt eine fragwürdige Regel. Und eine Ausnahme ist sie doch: Sie wird nicht aus Rundfunkgebühren bezahlt, sondern aus dem Werbeetat der Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“.

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