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Fernsehfilm über Pius XII. : Von der Christen Pflicht

  • -Aktualisiert am

Gnadengebet im Bombenregen: James Cromwell brilliert als Pius XII. Bild: BR/Moris Puccio/Lux Vide

Ein neuer Spielfilm reinigt Papst Pius XII. vom Vorwurf, dem Massenmord an den europäischen Juden kalt und schweigend zugesehen zu haben, und zeigt ihn als zerrissenen und selbstkritischen Diplomaten.

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          Fotografien zeigen Papst Pius XII. hager, mit römischer Adlernase und teils stechendem, teils verschleiertem Blick; unnahbar, ernst, entrückt. All das passt ins Klischee vom erstarrten Papsttum. Dass Thomas Mann, loyaler Protestant, nach einer Privataudienz 1953 notierte, er habe vor der „weißen Verkörperung der zweitausendjährigen religiösen Geschichte Roms“ die Knie gebeugt, ist längst vergessen. Nicht aber, was 1963 die Berliner Uraufführung von Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“ in Umlauf brachte: Pius XII., bürgerlich Eugenio Pacelli, gebürtiger Römer, Sohn einer vatikanischen Diplomaten- und Klerikerfamilie, am 2. März 1939 zum Papst gewählt, soll zu lange über den Massenmord an den europäischen Juden geschwiegen und damit deren Tod mit zu verantworten haben.

          Der von italienischen und deutschen Fernsehanstalten produzierte Zweiteiler „Pius XII.“ schildert nun das Gegenteil: Gestützt auf neuere Forschungen wie die des Historikers Klaus Kühlwein, wird, beginnend mit der deutschen Besetzung Roms und des Gettos durch die SS, von den dramatischen Monaten erzählt, (Drehbuch: Fabrizio Betteli, Francesco Arlanch), während derer Kirchen und Klöster Roms auf Anweisung Pius XII. Zuflucht römischer Juden wurden.

          Eine Reinwaschung, so einseitig wie zuvor die Verdammnis ? Das hätte der Film werden können, hätte nicht der grandiose James Cromwell die Hauptrolle übernommen. Er zeigt einen vom Schmerz um die Opfer Zerrissenen - und einen Diplomaten - Pacelli war zwischen 1919 und 1929 Nuntius in Deutschland -, der weiß, dass schon ein unbedachtes Wort das Regime zu tödlicher Vergeltung reizen könnte.

          Der umstrittene Papst Pius XII. im Originalbild

          Konzessionen an die Zielgruppe

          „Dieser Mensch geht über Leichen“, sagte Pacelli 1929 seiner deutschen Haushälterin (im Film Christine Neubauer, blass und brav). Als Sekretär Pius' XI. fügte er dessen Rundbrief „In brennender Sorge“ den Satz hinzu: „Wer die Rasse zur höchsten Norm macht, verkehrt die gottgeschaffene Ordnung.“ Der Papst des Films erwidert General Wolff (glaubhaft getrieben Mathias Hermann); „Ich wirke nicht für die Geschichte, sondern für die Nächstenliebe“, als dieser anmerkt, die Historie vergesse nichts, und dem gläubigen Katholiken General Stahel (einprägsam Holger Daemgen) entgegnet er zornig-kühl, nicht Soldatenpflicht, sondern die des Christen sei die oberste.

          Bemüht, ein Millionenpublikum zu fesseln, webte man ein Liebesdrama in die Handlung: Nach bewährtem Muster wird die junge Jüdin Miriam (Alessandra Mastronardis Spiel übersteigt Serienformat) von zwei Männern umworben: dem jüdischen Schwarzmarkthändler Davide (Marco Foschi, erstaunlich wandelbar), der sich vom gewitzten Kleingauner zum Helden wandelt, und Marco (Ettore Bassi, von Regisseur Christian Duguay mit Föhntolle auf Telenovela gedrückt), der vom Student zum Partisan wird.

          Hinzu kommen Schicksalsepisoden der Gettoinsassen - ein greiser Rabbiner und der Leiter der Jüdischen Gemeinde, die vor der SS an ihrem Judentum festhalten, Miriams Vater, der sich opfert, um seine Kinder zu retten, der bayerische Pater Pfeiffer, den man den „Engel Roms“ nannte. Allesamt typisiert, lassen sie doch zittern und hoffen.

          Bekenntnis zum Defizit

          Als Schattenseite aber der Serienroutine unterläuft dem Zweiteiler einige Male Entsetzliches: dass man es sich gleichsam gemütlich macht im Grauen. Doch dann mahnen immer wieder das aschfahle Gesicht Pater Pfeiffers (überzeugend Miguel Herz-Kestranek), der versteckte Juden an die SS verliert, oder die Lauheit des Botschafters Ernst von Weizsäcker (Heinz Trixners Rolle wäre, hätte man schon „Das Amt“ gekannt, wohl größer gewesen), an die furchtbare Wahrheit.

          Am Ende, als Pius XII. Monsignore Montini mit tränenerstickter Stimme zu einem Gang ohne Leibwache durch das befreite Rom einlädt, ist man sicher, einen nicht großen, doch wichtigen Film gesehen zu haben - und einem Mann nähergekommen zu sein, der ein überwältigendes Bekenntnis hinterließ: „Die Vergegenwärtigung der Mängel und Fehler hat mir meine Unzulänglichkeit klar vor Augen geführt.“

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