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Fernsehen nach der Fußball-WM : Steht die deutsche Fiktion vor einem Revival?

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Elena Uhlig in „Mit Herz und Handschellen” Bild: Walter Wehner/Sat.1

Der Rausch der Fußball-WM ist fast vorbei. Darauf hat die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe gewartet. Es ist Zeit, sich wieder mal etwas anderes als Sport anzusehen. Große Filme zum Beispiel. Ein Gespräch mit Programmplaner Jürgen Hörner.

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          Hätten Sie nicht manchmal lieber in den WM-Wochen den Sendebetrieb eingestellt?

          Eigentlich nicht. Es ist immer die Frage: Wie viel investiert man? Kabel eins lag im WM-Monat Juni bei einem Marktanteil von 5,4 Prozent. Das ist in Ordnung. Ich schaue mir ja auch selbst gern die Weltmeisterschaft an. Wir sind währenddessen einfach ein bisschen vom Gas gegangen und haben keine neuen Programme gestartet. RTL lässt ja auch Federn. Aber natürlich kostet die WM Reichweite. Trotzdem ist der Einbruch an Werbegeldern gar nicht so eklatant. So viel Volumen konnte gar nicht abwandern, weil der meiste Fußball bei den Öffentlich-Rechtlichen lief.

          Sie können aber nicht so viel für ihre Werbung verlangen.

          Natürlich verlangen wir in der Preisgestaltung nicht die üblichen Standardkonditionen, weil wir weniger Leistung anbieten. Aber das hat sich ganz gut eingespielt.

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          Im Klartext: Wiederholungen ...

          Zunächst ja, aber direkt nach der WM zeigen wir wieder Flagge. Bei Sat.1 sind die beiden deutschen Serien am Montag wieder hervorragend gestartet, und dazu kommen zwei Erstausstrahlungen von „Mit Herz und Handschellen“. Wir haben „The Pacific“ bei Kabel eins, „Mein Revier“ und „Die strengsten Eltern“ in Erstausstrahlung. Und auf Pro Sieben startet eine neue Show am Samstag. Wir werden schnell wieder präsent sein.

          Aber wie steht es um Ihren Sender Kabel eins? Ist dessen Position nicht zerstört worden, um das Programm auf sämtliche Kanäle von Pro Sieben Sat.1 zu verteilen?

          Wenn ich das höre, bekomme ich beinahe Herzschmerzen. Die Markenarbeit ist unserem Fernsehvorstand Andreas Bartl und mir nämlich sehr wichtig. Schon allein weil wir uns entschlossen haben, die Senderfamilie komplementär aufzustellen. Jeder steht für eigene Werte und hat eine eigene Positionierung. Bei RTL ist das nicht so. Vox und RTL haben nahezu identische Zuschauer. Pro Sieben und Sat.1 sind dagegen weit auseinander. Sat.1 ist ein Familiensender und steht für deutsches Programm; Pro Sieben ist jung, trendig und der Sender für amerikanische Serien und Blockbuster. Kabel eins - da gebe ich Ihnen recht - hat die Positionierung gewechselt: vom reinen Klassik-Kanal zu einem modernen Programm mit einem hohen Anteil an Erstausstrahlungen. Das war notwendig.

          Also Abschied vom „besten Film aller Zeiten“?

          Nein, das gehört zu Kabel eins wie der Blockbuster oder die neueste Staffel von „Desperate Housewives“ zu Pro Sieben. Kabel eins haben wir einfach modernisiert, zum Beispiel auch mit Dokutainment-Formaten. Mit „Number One“ mit Markus Kavka haben wir ein anspruchsvolles Musikmagazin, das ist doch etwas anderes als der „Frauentausch“ bei RTL II.

          Was wissen Sie über die typischen Zuschauer Ihrer Sender?

          Sat.1 schaut im Prinzip die Familie mit nicht mehr ganz jungen Kindern. Sie lebt in einer mittelgroßen Stadt in einem Häuschen mit Garten. Pro-Sieben-Zuschauer leben in einem jungen, städtischen Umfeld, sind noch nicht fest liiert und ein bisschen hedonistisch. Bei Kabel eins sind wir ein bisschen männlicher. Da haben wir jemanden in der Vorstadt auf dem Sprung, der mal losmöchte, aber es doch auch ganz cool findet, mit ein paar Freunden was im Verein zu machen. Beim Frauensender Sixx hat Katja Hofem-Best das Bild einer fünfundzwanzigjährigen modebewussten Frau vor Augen.

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