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Fernsehen : Die Methode Hill

Nah am Original: Martina Hill in „Switch Reloaded” als Sonya Kraus Bild: Pro Sieben

Martina Hill parodiert bei „Switch Reloaded“ Heidi Klum, Charlotte Roche und Angela Merkel. Mit Oliver Welke macht sie im ZDF jetzt Politsatire in der „heute-show“. Und denkt dabei an ihren alten Mathelehrer.

          4 Min.

          Im Jahre 1981 startete die ARD mit dem Moderator und Komiker Rudi Carrell als Anchorman eine Nachrichtenpersiflage. Die wöchentliche, halbstündige Sendung nannte sich in Anlehnung an die Hauptnachrichten des Ersten „Rudis Tagesshow“, zeigte und kommentierte aktuelle Nachrichtenbilder und wurde zu einem großen Publikumserfolg. Keine dreißig Jahre später startet nun das ZDF eine Nachrichtenpersiflage. Die zunächst monatliche, halbstündige Sendung mit dem Moderator und Komiker Oliver Welke als Anchorman nennt sich in Anlehnung an die Hauptnachrichten des Zweiten „heute-show“, will aktuelle Nachrichtenbilder zeigen und kommentieren und ist, wie der Unterhaltungschef Manfred Teubner es ausdrückt, ein „neuer Versuch“ des ZDF, „in Sachen Humor mal wieder aktiv zu werden“. Der letzte Versuch, „Neues aus der Anstalt“ („Neues aus der Anstalt“: Das ZDF macht wieder Kabarett), war von Erfolg gekrönt, und direkt im Anschluss an die Kabarettsendung soll die „heute-show“ künftig auch laufen.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einen Originalitätspreis mag man dem ZDF vorab nicht verleihen für das neue Format, dessen Ahnengalerie neben der „Tagesshow“ die Sat.1-„Wochenshow“, die „Freitag Nacht News“ bei RTL oder die vielgepriesene „Daily Show mit Jon Stewart“ (Comedy Central) umfasst; selbst Mathias Richling hat in seinem „Satire Gipfel“-Studio eine Newsroom-Ecke eingerichtet. Auch fragt man sich, ob eine aktuelle Nachrichtensatire nicht wenigstens wöchentlich laufen müsste - und ob der Wanderarbeiter Welke, der Shows bei Pro Sieben und RTL moderierte und demnächst „ran“ bei Sat.1 macht, ein glaubwürdiger Frontmann für die ZDF-Satire ist. Zu einer Entscheidung aber darf man dem Sender getrost gratulieren: Bei der „heute-show“ ist auch Martina Hill dabei.

          Neues aus Soest

          Als Demoskopie-Expertin „Tina Hausten“ - ZDF-Freunde werden ihre Patin in der „Politbarometer“-Präsentatorin Bettina Schausten erkennen - wird Martina Hill in der „heute-show“ regelmäßige Auftritte haben, die nur zwei, drei Minuten dauern. Wer jedoch Martina Hill kennt, und das sind vor allem die Zuschauer von „Switch Reloaded“ bei Pro Sieben, der weiß, dass ihr diese Zeit ausreicht, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen - auch wenn sie nicht als Martina Hill aufzutreten pflegt, sondern als Heidi Klum, Gundula Gause, Charlotte Roche, Sonya Kraus, Angela Merkel oder Bill Kaulitz. Oder als lispelnde RTL-Ansagerin Katja Burkard, die in ihrer Hillschen Variante Nachrichten vortragen muss, die sich auffallend häufig in Soest ereignen. Wobei Hill nicht einfach nur den Sprachfehler der RTL-Frau persifliert, sondern deren gesamtes Auftreten, den überakzentuierten Duktus, die in die Länge gezogenen Silben, die dummdreiste Attitüde eines Unterhaltungsjournalismus, der Katastrophenmeldungen gleichgewichtig mit Aufnahmen süßer Tierbabys verkauft.

          Der Anchorman der „heute-show” und die Frau der Zahlen: Martina Hill und Oliver Welke
          Der Anchorman der „heute-show” und die Frau der Zahlen: Martina Hill und Oliver Welke : Bild: dpa

          An diesem Vormittag im Café des Kölner Hotels, in dem das ZDF das Konzept seiner „heute-show“ vorgestellt hat, sieht Martina Hill zur Abwechslung mal aus wie sie selbst - eine schlanke Frau mit mittellangen blonden Haaren, die nach dem offiziellen Pressetermin das dunkle Kostüm gegen Bluse, Jeans und Halstuch getauscht hat. „Ich hasse Mathe und Physik“, erzählt sie, „und dass ich da jetzt vor einer Wand stehe und Diagramme erkläre, das finde ich schon ganz witzig. Wenn mein alter Mathelehrer das sieht, lacht er sich scheckig.“ Es wäre nicht das erste Mal, dass Hill sich selbst und andere überrascht. Auch politische Satire hätte sie „eigentlich überhaupt nicht“ mit ihrer Person verbunden, so wie es ihr zuvor auch mit den Parodien erging: „Ich wusste selber nicht, dass mir das liegt“, sagt sie, „und bin auch jedes Mal von neuem skeptisch, ob ich die Figur hinkriege.“

          Verloren in einer Figur

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