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Fernseh-Serie : Heimkehr in das Haus am Eaton Place

Nach 35 Jahren Pause jetzt die Neuverfilmung: „Das Haus am Eaton Place” in der BBC zu Weihnachten Bild: BBC 2010

Unsicherheit an der Börse, Terroranschläge, ökologische Katastrophen - die herrschaftliche Familie in der Serie „Das Haus am Eaton Place“ hatte es schwer in den Siebzigern. Jetzt zeigt die BBC eine Fortsetzung, kein Wunder bei der derzeitigen Lage.

          Als „Upstairs, Downstairs“, in Deutschland bekannt als „Das Haus am Eaton Place“, dafür sorgte, dass die Straßen Britanniens sonntagsabends so leer waren, als ob die Nationalmannschaft es in die Endrunde der Fußballweltmeisterschaft geschafft hätte, herrschten unstete Zeiten. Streiks, Inflation und IRA-Anschläge prägen das Bilder der siebziger Jahre, als deren bestimmende Merkmale der Journalist Francis Wheen in seinem Porträt des Jahrzehnts „wirtschaftliches Unheil, terroristische Bedrohungen, Korruption höheren Orts, Voraussagen des ökologische Verderbens und Angst vor der erstickenden Umarmung des Überwachungsstaates“ ausmachte.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Als die letzte Episode der ITV-Serie im Dezember 1975 ausgestrahlt wurde, saß den Briten noch die Erfahrung der Drei-Tages-Woche in den Knochen. Sie war eingeführt worden, um Energie zu sparen, nachdem Bergarbeiterstreiks die Stromversorgung gedrosselt hatten. Der sogenannte Winter der Unzufriedenheit stand noch bevor. Es war das Jahr, in dem Margaret Thatcher den unglückseligen Edward Heath an der Spitze der Konservativen Partei ablöste.

          Wenn die sechziger Jahre als ein wildes Wochenende und die achtziger Jahre mit einem hektischen Tag im Büro zu beschreiben seien, „waren die siebziger Jahre ein Sonntagabend mit kalten Resten zum Abendbrot und der Erwartung, dass jeden Moment der Strom ausfällt“, schreibt Wheen. An diesen Sonntagabenden machten es sich die Briten vor dem Fernseher gemütlich und flüchteten in eine andere Welt: die der vermögenden, gut vernetzten Bellamys und ihrer Domestiken, die der Nation so vertraut wurde wie das eigene Leben.

          In der Forsetzung residiert im Eaton Place ein junges glamouröses Ehepaar: der erfolgreiche Diplomat Sir Hallam Holland und seine dynamische Frau Lady Agnes

          Die Zeiten ändern nichts

          Fünfunddreißig Jahre nach dem Ende der erfolgreichen Fernsehserie herrscht wieder tiefe Unsicherheit an der Börse, werden Terroranschläge befürchtet, wenn auch von anderer Seite, haben die Zeitungen Korruption aufgedeckt, sagen Umweltschützer ökologische Katastrophen voraus und klagen Bürgerrechtsgruppen, dass das Mutterland der liberalen Demokratie durch die übereifrige Bewachung zu einem der illiberalsten Länder der Welt geworden sei.

          Wie gut, dass die Briten erneut in das Haus am Eaton Place flüchten können. Mittlerweile residiert dort ein junges glamouröses Ehepaar, der erfolgreiche Diplomat Sir Hallam Holland und seine dynamische Frau Lady Agnes, mitsamt Dienstboten. Die BBC hat die beliebte Serie, die in mehr als siebzig Ländern lief, wiederbelebt. Drei an Weihnachten ausgestrahlte, jeweils einstündige Folgen werden als Höhepunkt des Festtagsprogrammes angepriesen. Obgleich sich niemand festlegen will, bevor die Quoten ermittelt sind, dürfte bald mit einer weiteren Staffel zu rechnen sein, denn der BBC ist mit diesem liebevoll ausgestatten Kostümdrama ein großer Wurf gelungen - und zudem ein Coup, war die Serie doch ursprünglich eine Produktion der kommerziellen ITV-Gesellschaft London Weekend.

          Narrative sechs Jahre später

          Als das Dienstmädchen Rose vor fünfunddreißig Jahren schweren Herzens ein letztes Mal durch die leeren Räume von Eaton Place 165 lief, die einst mit so viel Leben, so vielen Hoffnungen und gescheiterten Träumen, so viel Gelächter und so vielen Tränen gefüllt waren, stand ein Verkaufsschild vor der Tür und es war davon die Rede, dass das Haus in Wohnungen aufgeteilt werden würde. Die Handlung hatte die Zuschauer durch die Ära Edwards VII. bis in das Jahr nach dem großen Börsenkrach von 1929 geführt.

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