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Fernseh-Debüt : Raumschiffe im Bauch

Die Krankheit bricht aus: Bodo (Henry Stange) ahnt, dass seine Mutter leidet Bild: SWR

Der Wahn einer Mutter sprengt die Familie: In der SWR-Nachwuchsreihe „Debüt im Dritten“ zeigt Regisseur Burkhard Feige mit seinem Film „U.F.O.“, dass sich im Umgang mit psychisch Kranken nicht viel geändert hat.

          Ein Bonanza-Rad und Hits von Nena, Capri-Sonne, Challenger-Absturz und Tschernobyl - das alles zeigt Burkhard Feige in seinem Spielfilm „U.F.O.“. Doch obwohl der Autor und Regisseur die Handlung im Frühsommer 1986 angesiedelt hat und obwohl die popkulturellen Anspielungen an das vorletzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts zuhauf auftauchen, stehen nicht Phänomene der achtziger Jahre im Mittelpunkt. Das Thema des Films aus der SWR-Nachwuchsreihe „Debüt im Dritten“ ist zeitlos: Wie reagiert eine Familie, wenn die Mutter psychisch erkrankt?

          Eigentlich hat der zwölfjährige Bodo (Henry Stange) Glück: Eine Mutter wie seine wünscht sich wohl jeder Junge. Christa (Julia Brendler) ist mehr Spielkameradin denn Erziehungsberechtigte, übernimmt bereitwillig den Gegenpart, damit ihr Sohn Raumschiff-Enterprise-Funksprüche nachahmen kann, und rast mit ihm im Einkaufswagen durch den Supermarkt, bis die Haferflockenpäckchen von den Paletten purzeln.

          Der Vater lügt und verharmlost

          Doch dann explodieren in Cape Canaveral eine Raumfähre und in der Sowjetunion ein Atomkraftwerk, und Christa verändert sich ebenso explosionsartig: Sie leidet an schizophrenen Schüben und entwickelt einen Verfolgungswahn. Auf der Flucht vor ihren eingebildeten Häschern baut sie einen Autounfall, bei dem Bodo und sie verletzt werden, sie verweigert eine Therapie und will sich umbringen.

          Zunehmender Verfolgungswahn: Julia Brendler als Mutter Christa

          Der Film zeigt die Krankheit der Mutter und die wachsende Verzweiflung der beiden Söhne und des Vaters nicht schonungslos. Und darin liegt seine Stärke, der Regisseur Feige wälzt das Thema nicht bis ins letzte Detail aus. So gewinnt die Handlung an Bedeutung, auch für die heutige Zeit: Der Vater verschweigt seinen Söhnen die Krankheit der Mutter, lügt und verharmlost. Feige zeigt, dass sich zwischen 1986 und heute nicht viel verändert hat im Umgang mit psychischen Krankheiten wie der Schizophrenie: Sie sind immer noch ein Tabu, zumal wenn sie in einer scheinbar intakten Familie auftreten. Nur das glückliche Ende will dazu nicht passen. Das ist dann leider doch wieder ziemlich achtziger-Jahre-mäßig.

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