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F.A.S.-Kolumne: Teletext : Ist Markus Lanz ein guter Schwiegersohn?

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Der ewige Staunende: Markus Lanz Bild: AP

Die ZDF-Sendung „Markus Lanz“ ist Fernsehen für Begriffsstutzige. Das ist im Grunde nicht verwerflich. Vermutlich ist das genau die Zielgruppe, die das ZDF noch erreicht . Womöglich ist Markus Lanz nicht einmal zynisch, sondern genau so naiv, wie er tut.

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          Es wäre ungerecht, Markus Lanz als schwiegersohnhaft zu bezeichnen. Ungerecht gegenüber den Eltern, die sich heute doch auch einen Mann für ihre Tochter wünschen, der ein bisschen weniger harmlos ist und nicht ununterbrochen staunt über diese Welt. Wenn überhaupt, sind es eher die Großeltern, die sich begeistern für den netten Mann, der so lustige Geschichten erzählt wie die, wie er neulich um elf einen Umweg nehmen musste, weil die Studenten streikten, und er sich sagte: „Studentenstreik? Hallo? Die sind doch noch gar nicht wach!“

          Lanz macht Fernsehen für Leute, die diesen Witz noch nie gehört haben oder immer wieder neu über ihn lachen können. Leute, die es lieben, wenn ein Experte erklärt, man wisse ja bei seinem Handy meist gar nicht, was man für ein Kilobyte Datenverkehr bezahlen müsse, und Lanz sagt: „Ich weiß, was ein Kilo Äpfel kostet.“ Leute, die staunen, dass es bei Kaffeefahrten doch tatsächlich nicht mit rechten Dingen zugeht.

          Besser alles zweimal

          „Markus Lanz“ ist Fernsehen für Begriffsstutzige. Um zu erklären, dass man aus dem Ausland nur Waren für 430 Euro zollfrei einführen darf, veranstaltet die ZDF-Show ein Rollenspiel mit Touristendarstellern und einem Zöllner, dessen Uniform Lanz genauso bestaunt wie die Tatsache, dass er sich Handschuhe anzieht, bevor er in den Koffern wühlt. Um dafür zu werben, dass man sich jetzt mit einem einfachen Abstrich als Knochenmarksspender registrieren lassen kann, führt Lanz ausführlich vor, wie das geht: Das Aufreißen der Verpackung mit den Wattestäbchen, das Herumstochern im Mund, „richtig so?“, sicherheitshalber gleich zweimal.

          Das ist nicht verwerflich. Vermutlich ist das genau die Zielgruppe, die das ZDF noch erreicht und die es nun mit Tipps versorgt wie dem, dass man sich am besten vor den Kaffeefahrtenbetrügern schützt, indem man gar nicht mitfährt.

          Im Ton eines Kindergartenonkels

          Lanz heischt dabei ununterbrochen nach Zustimmung. Er verurteilt den Exkaffeefahrtenanbieter: „Das ist typisch für Leute wie Sie, dass Sie sich immer in den Zynismus flüchten“, was ein lustiger Satz ist für jemanden, der jahrelang Chef des RTL-Voyeurmagazins „Explosiv“ war. Er ist fassungslos, dass Verona Pooth zwei Autos fährt: „Zwei! Man kann sich ja immer zu einer Zeit nur in eines setzen!“ Und dann erklärt er ihr im Ton eines Kindergartenonkels, wie das so ist mit dem „feinen Gespür“ des Volkes gegenüber insolventen Unternehmen und ihren Eigentümern: „Beispielsweise Opel, da hat man gesagt, da helfen wir sehr gerne, ist ein großes deutsches Unternehmen, und da gibt es keinen einzelnen, den wir mal so benennen können. Im Fall von Arcandor hat man sehr deutlich gesagt, da wollen wir nicht helfen, und zu Guttenberg, unser Wirtschaftsminister, hat dafür auch sehr viel Applaus bekommen, dass er dieses schon frühzeitig gefordert hat.“

          Vielleicht ist er wirklich nicht zynisch, sondern genau so naiv. Kein guter Schwiegersohn.

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