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Die Plasberg-Methode : Das musste einmal gefragt werden

Rücksichtslose Polarisierung ist sein Geschäft: Frank Plasberg Bild: WDR

Hat es seine Richtigkeit, dass die deutsche Vergangenheit immer noch mäßigend auf die deutsche Debattenkultur wirkt? Die Methode des Talkmasters Frank Plasberg, studiert an seiner Sendung zum Fall Thilo Sarrazin.

          Was ist hart, aber fair? Das Verfahren der gleichnamigen Fernsehsendung kopiert ein bewährtes Schema von Quizprogrammen. Der Moderator Frank Plasberg stellt eine Frage und gibt dem Befragten zwei Antwortmöglichkeiten vor. Der Befragte muss sich für eine der beiden Optionen entscheiden. Das ist hart. Aber er darf sich eben auch entscheiden. Das wirkt fair.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Am Mittwochabend legte Plasberg in der Sendung zum Thema „Nach Sarrazins Türken-Schelte: Was ist noch Klartext, was ist schon Vorurteil?“ nach diesem Muster bereits die Eröffnung an. Er stellte fest, Deutschland habe „plötzlich eine Debatte über die eigene Debattenkultur“. Plasbergs erster Beitrag zu dieser Debattendebatte bestand darin, der einen Seite der Debatte das Argumentieren abzusprechen. Seit der Veröffentlichung des Sarrazin-Interviews „läuft die Empörungsmaschine auf Hochtouren“. So: Der Mann, der in der größten Meinungsmaschine der Republik, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, nicht das kleinste Rad bedient, zieht von der Sarrazin-Kritik alle Spontaneität ab, wie sie für freie Öffentlichkeiten konstitutiv ist, um sie als zynisches Fabrikprodukt verächtlich zu machen.

          Die Empörten stellten, so Plasberg weiter, noch nicht einmal die Frage, von der nach Plasberg in dieser Sache alle Erörterung auszugehen hat. Wie lautet diese Frage? „Spricht Sarrazin nur unbequeme Wahrheiten aus? Oder spitzt er so gefährlich zu, dass am Ende nur Missverständnisse und Vorurteile bleiben?“ Gegenfrage: Ist das die Alternative? Von vornherein ausgeschlossen ist die Möglichkeit, dass Sarrazins Einlassungen keineswegs nur Wahrheiten (was wären eigentlich bequeme?) enthalten, sondern auch ein Quantum Unsinn. Gefährliche Zuspitzung: Das klingt so, als wäre das Problem ausschließlich eines der rhetorischen Mittel, als gäbe es einen unstrittigen Befund, den man eben mehr oder weniger zuspitzend präsentieren könnte.

          Fakten und Scheinevidenzen

          Der Journalist Matthias Matussek schluckte den Köder, den Plasberg seinen Gästen hinhielt. Tatsächlich habe sich Sarrazin, das gebe er, Matussek, zu, sehr zugespitzt ausgedrückt; aber von den Zahlen her sei an dessen Darlegungen nichts auszusetzen. Gilt das auch für die Zahl, dass „siebzig Prozent der türkischen Bevölkerung in Berlin“ den deutschen Staat ablehnen? Kann man auch solche psychischen Fakten, wie es Sarrazin im Interview von der fortschreitenden Verdummung Berlins durch Reproduktion der Türken behauptet, „empirisch sehr sorgfältig nachzeichnen“? Aber wie hat man sie ermittelt?

          Plasbergs Dual-Choice-Fragen haben den Zweck, Scheinevidenzen zu produzieren. Das hartnäckige, bohrende, sehr redundante Fragen häuft Unbefragtes auf. Die von Plasberg zur Konturierung der scheinbaren Alternativen eingeschobenen Fragen haben bei näherem Hinsehen eben doch regelmäßig den Charakter rhetorischer Fragen. „Kann man überhaupt Unerwünschtes aussprechen, ohne zu verletzen?“ Nö, wahrscheinlich nicht, Mimosen blühen überall. Daraus folgt freilich in Plasbergs Suggestivlogik unausgesprochen, dass alle von Sarrazins Worten verletzten Obsthändler das Unerwünschte ohne Quengeln hinnehmen müssen. Integration ist kein Wunschkonzert.

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