https://www.faz.net/-gqz-xsuq

Deutscher Fernsehpreis 2010 : Na los, jetzt nimm den Preis schon

Knicks: Lena verneigt sich vor Stefan Raab. Bild: dpa

Der Eklat beim Deutschen Fernsehpreis war so gut wie versprochen, die Stimmung deshalb gespannt. Doch dann fiel der Eklat aus. Die Sender sind einfach zu mächtig, die Kritiker schlicht zu schmächtig. Alles ging seinen Gang.

          Die Stimmung war gespannt. Vor den Toren des Coloneums wurden Handzettel verteilt, auf denen der Schauspielerverband BFFS abermals seine Kritik an der Reform des Deutschen Fernsehpreises kundtat, der erstmals ohne individuelle Ehrungen für Regisseure, Kameraleute, Drehbuchautoren und Schnittmeister auskam. Kleine, silberne Proteststicker fanden reißenden Absatz, auch einige derjenigen, die später auf der Bühne standen, hefteten sie sich ans Revers. „Ich bin preiswert“ war darauf zu lesen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das „Preiswert“ soll im doppelten Sinn verstanden werden – wert, einen Preis zu bekommen und unter Wert bezahlt. Von wegen „Geiz ist geil“. Denn auch darum geht es den Schauspielern und den Verbänden der Fernsehkreativen: Darauf aufmerksam zu machen, dass sie, während es den Sender, vor allem den öffentlich-rechtlichen, an Geld nicht mangelt, unter zunehmend prekären Verhältnissen arbeiten müssen.

          Doch als dann die Preisverleihung begann, machte sich der Protest nur in Spurenelementen bemerkbar. Die WDR-Intendantin Monika Piel suchte – sichtlich aufgeregt – in ihrer Vorrede die Wogen zu glätten. Christoph Bach, der für seine Rolle in dem Film „Dutschke“ als „bester Schauspieler“ ausgezeichnet wurde, erlaubte sich den Hinweis, dass an einem solchen Film viele Anteil und es verdient hätten, einzeln geehrt zu werden. Annette Frier schließlich, die mit ihrer Crew den Preis für die „beste Serie“ in Empfang nahm, schlüpfte in ihre Rolle der Junganwältin Danni Lowinski, um zu empfehlen, dass die widerstreitenden Parteien doch bitte ihren „beleidigten Arsch“ hochbekommen und sich an den Verhandlungstisch setzen sollten. Das werden sie tun – die Sender ARD, RTL, Sat.1 und ZDF als Stifter des Preises und die Berufsverbände der Filmschaffenden –, Anfang November. Doch zunächst sollten die Preise in aller Ruhe vergeben werden, und so geschah es.

          Ein Ausschnitt: Die Schauspielerin Nadja Becker mit dem Mini-Protest-Sticker „Ich bin preiswert”

          Bitte die Ehrerbietung vor Stefan Raab ablegen!

          Nüchtern, geradezu emotionslos und in der Rekordzeit von knapp zwei Stunden ging die Zeremonie über die Bühne, die Gäste durften sich früh zum Dinner begeben. Im Coloneum, dem Studiokomplex in Köln-Ossendorf, in dem der Deutsche Fernsehpreis residiert, war wenig los. Rund zweitausend Gäste quetschten sich in den Jahren zuvor in die Hallen, jetzt war es etwa die Hälfte.

          Die wichtigste und beste Preisentscheidung des Abends fiel in der Kategorie „Beste Dokumentation“: Eric Friedler wurde für seinen epochalen Film „Aghet“ über den Völkermord an den Armeniern ausgezeichnet. Der Preis für die „beste Reportage“ ging an Ashwin Raman und sein Stück „Somalia – Land ohne Gesetz“, gesendet im ZDF. Im Ersten ist gerade Ramans jüngstes Werk gelaufen, die Reportage „An vordersten Fronten“ aus Afghanistan. Sein Wunsch, mit diesem Film im nächsten Jahr nominiert zu werden, ist berechtigt, er ist ein wagemutiger Ausnahmereporter. Die Kindernachrichtensendung „logo! Die Welt und ich“ wurde als „beste Informationssendung“ prämiert. Volker Heise und Thomas Kufus bekamen für „24 Stunden Berlin“ den Preis für eine „besondere Leistung“.

          Als Gewinner des Abends jedoch mag Stefan Raab erscheinen. Er bekam zwei Preise, für seine „besondere Leistung“ in der Unterhaltung und für die „beste Show“ – das gelungene Schaulaufen „Unser Star für Oslo“. Allerdings sollte die Sängerin Lena ihre Ehrerbietung vor dem Herrn und Meister – ob gespielt oder nicht – endlich ablegen. Sie musste nun wirklich keinen Knicks machen, um Raab den Preis zu geben.

          Radebrechende Fußballweise gehen leer aus

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.