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DDR-Fernsehen : Gestern ein König

Rolf Hoppe als August III., der schwache Sohn Augusts des Starken Bild:

In den achtziger Jahren begann sich die DDR für die Geschichte Sachsens und Preußens zu interessieren. Es entstand die teuerste Fernsehserie des Arbeiter- und Bauernstaates. Schauspieler Rolf Hoppe war bei dieser Spätblüte des sozialistischen Realismus dabei.

          Es tut gut, mit Rolf Hoppe an einem sonnigen Frühsommertag durch Dresden zu laufen, vor allem, wenn man bedenkt, wie die Stadt noch vor fünfundzwanzig Jahren ausgesehen hat. Die Frauenkirche ein Trümmerhaufen, auf dem Unkraut wuchs. Der Altmarkt eine Wüste der sozialistischen Nachkriegsmoderne. Das Residenzschloss eine Ruine mit leeren Fensterhöhlen, verborgen hinter Gerüsten und Zäunen. Das Taschenbergpalais ein Skelett aus Stein, ohne Dach und Mauerputz, preisgegeben dem Zerstörungswerk der Zeit.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Jetzt ist das Taschenbergpalais ein Luxushotel mit denkmalschutzgerecht wiederaufgebautem Innenhof, in dem man an Holztischen sitzen und gemeinsam mit Rolf Hoppe das alte Dresden beschwören kann, die Stadt, in die er 1961 als Ensemblemitglied des Staatstheaters kam und in die ihm seither zur Heimat geworden ist. „Am Schauspielhaus steht ein Spruch von Goethe, der gehört zu mir: ,Ältestes bewahrt mit Treue, / Freundlich aufgefasstes Neue‘.“ Von dieser Haltung war wenig zu spüren, als Hoppe nach Dresden kam. „Das Älteste wurde hier nicht freundlich aufgefasst, es war gar nicht da. Weil die DDR offiziell erst nach dem Krieg begann, weil das Geschichtliche nicht wirklich beachtet wurde.“

          Das änderte sich erst vor einem guten Vierteljahrhundert. Damals entstand in den Straßen Dresdens, in den Ateliers von Babelsberg und an zahlreichen anderen Schauplätzen des sozialistischen Ostens ein Film, auf den Hoppe heute noch angesprochen wird. Genau genommen war es eine Fernsehserie – aber eine mit höchstem filmischem Anspruch und gewaltigem szenischem Aufwand. Rolf Hoppe spielte darin den Sachsenherrscher Friedrich August, den entscheidungsschwachen Sohn Augusts des Starken, der sein Land ruiniert, um seine Leidenschaft für die Kunst zu befriedigen.

          Die Serie wird gegen harte Devisen in zahlreiche in westliche Länder verkauft

          „Brühl, ich hab’ doch noch Geld?“: Das war Hoppes Standardsatz im Film, gerichtet an Augusts Ersten Minister Heinrich von Brühl, mit dessen Hilfe der Kurfürst das Volk ausplünderte, um noch einen Raffael, einen Tizian, einen Guido Reni anschaffen zu können. Und die Sachsen, die ihre verschwenderische Liebe zum Schönen in Hoppes Herrscherporträt wiedererkannten, danken es ihm bis heute. „,Brühl, haben wir noch Geld? Rolf, wir haben doch noch Geld?‘ Das bekomme ich immer noch auf der Straße zugerufen. Der Film ist sehr präsent.“

          Das Duell Sachsen gegen Preußen

          Aber wie kam es zu dieser Geschichtsstunde made in East Germany? Wie entstand „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“, der teuerste Film, den die Defa je produziert hat? Um das zu erfahren, muss man mehr als ein Vierteljahrhundert zurückgehen, in eine Zeit, als der Kalte Krieg noch die Bilder der Vergangenheit in Ost und West verzerrte. Damals, im Mai 1980, schreibt der Filmregisseur Hans-Joachim Kasprzik an die künstlerische Leiterin des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin-Adlershof einen langen Brief. Es geht um das Projekt „Aus der Sachsenzeit“, einen Kostümfilm vor dem Hintergrund des Siebenjährigen Krieges, den Kasprzik als Auftragsproduktion des Babelsberger Defa-Studios für den DFF drehen will. Hauptfiguren: August „der Schwache“, wie er im Drehbuch heißt, sein Minister Brühl und Friedrich der Große von Preußen.

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