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Das ZDF und die Schleichwerbung : Darauf ein herbes Pils

Die Schauspielerin Dennenesch Zoudé präsentierte im Film „Familiengeheimnisse” ein Parfum, dessen Logo auffällig einer realen Kosmetikserie entsprach Bild: dpa

Jüngst präsentierte Dennenesch Zoudé im ZDF-Fernsehfilm „Familiengeheimnisse“ ein Parfum, dessen Logo einem von ihr promoteten Produkt sehr ähnlich sah. Jetzt muss sich der Sender mit der Verbindung von „Wetten dass..?“ und der Biermarke „Warsteiner“ befassen.

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          Das ZDF hat sich in der Schleichwerbeaffäre, die keine sein soll, vielleicht bislang doch einen etwas zu schlanken Fuß gemacht. In dem Film „Familiengeheimnisse“, der am vergangenen Sonntag lief, habe man keine versteckte Werbung betrieben, teilte der Sender mit (F.A.Z. vom 14. Januar). Es gebe keine Absprachen und keinen Vertrag über eine solche Angelegenheit. Die „Clearingstelle“ des Senders habe den Vorgang geprüft.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Produzent Oliver Berben scheint so überrascht wie der Sender, dass in dem Film ein Parfum mit einem Logo versehen war und zwanzigmal im Bild gezeigt wurde, das identisch ist mit dem Emblem einer Kosmetiklinie, welche die Hauptdarstellerin Dennenesch Zoudé selbst entwickelt hat - eine Schirmakazie.

          Dass das vielleicht keine vom Sender zu vertretende Schleichwerbung ist, wohl aber ein Umstand, von dem die Schauspielerin und mutmaßlich ihr Ehemann Carlo Rola, der bei dem Film Regie führte, gewusst haben, kann man sogar schwarz auf weiß nachlesen.

          Würde heute den Kooperationsvertrag für „Wetten dass..?” nicht abschließen: ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut

          In der Onlineausgabe des Magazins „cast“ nämlich hat Dennenesch Zoudé frank und frei über die Sache gesprochen. Was sei denn zuerst dagewesen, wird sie dort gefragt - die Idee zu einer Kosmetiklinie oder die Idee ihres Mannes für einen Film, der in Afrika spielt und von einem Schönheitskonzern handelt?

          Die Antwort: „Die Kosmetiklinie und der Film sind parallel entstanden, das heißt, ich habe dem Hersteller meines Produkts auf einem Charity-Event davon erzählt, dass C.R. (Anmerkung der Redaktion: Carlo Rola, der Regisseur und Ehemann) die Idee zu einem Film in der Kosmetikbranche hat. Gemeinsam haben wir dann die Idee gesponnen, mit meinen alten äthiopischen Rezepten und seinem Know-how eine Produktlinie zu entwickeln. Dass der Film jetzt fast zeitgleich mit dem Produktstart gesendet wird, das ist Zufall.“

          Ein erheblich gestörtes Vertrauensverhältnis

          Damit dürften alle Fragen zu dem Emblem, das so oft im Film auftauchte, beantwortet sein. Aufgefallen war das häufige Auftauchen des Schirmakazien-Logos sogar einer Redakteurin des ZDF bei der Abnahme. Sie fragte nach, doch bekam sie zu hören, dass es damit nichts auf sich habe. Der Sender und der Produzent, die sich um ihr Renommee sorgen müssen, fühlen sich geprellt.

          „Das Vertrauensverhältnis zu dem Regisseur und zu Frau Zoudé ist durch diesen Vorfall erheblich gestört“, sagte der ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut im Gespräch mit dieser Zeitung. „Über die Konsequenzen wird auch mit den Gremien zu reden sein.“ Über die Konsequenzen muss man wohl nicht lange spekulieren: Der Regisseur Carlo Rola, ein Mann mit Erfahrung und einigem Ansehen in der Branche, der für das ZDF vor allem die „Rosa Roth“-Krimis mit Iris Berben inszeniert hat, dürfte künftig wohl weniger bis einstweilen keine Aufträge mehr aus Mainz erhalten.

          Dass diese Geschichte für die „Bild“-Zeitung ein willkommener Anlass ist, die „ZDF-Akte Schleichwerbung“ zu öffnen, darf einen nicht verwundern. Die Geschichte über Schleichwerbung in ZDF-Produktionen der Bavaria mochte man vielleicht noch als alt und überholt abtun: Die von ARD-Sendern getragene Produktionsfirma stand 2005 im Mittelpunkt der „Marienhof“-Schleichwerbeaffäre, es gab heftige Verwerfungen, und der damalige Chef musste gehen.

          Ein Kooperationsvertrag für „Wetten dass..?“

          Die Produktionsumstände bei der Show „Wetten, dass ..?“, von denen „Bild“ nun aber erzählt, sind schon etwas anderes und so bislang noch nicht erhellt worden: 1,2 Millionen Euro soll die Brauerei Warsteiner in den Jahren 2004 bis 2006 dafür bezahlt haben, dass ihr Logo bei der Show im Bild auftauchte. Warsteiner baute in dieser Zeit Bierbuden auf, die im Hintergrund zu sehen waren, sobald die Kameras zu den Außenwetten der Show schalteten. Es war eine teure Schleichwerbung: 483 Sekunden lang sei die Marke zu sehen gewesen. Die Rechercheure der „Bild“ haben nachgezählt.

          Dass es einen entsprechenden Vertrag gab, wird beim ZDF auf Nachfrage nicht bestritten. Er lief über die Firma Dolce Media, deren Geschäftsführer Christoph Gottschalk, der Bruder des Moderators, war. An der Firma war die ZDF-Vermarktungstochter ZDF Enterprises bis 2009 beteiligt. Die Vereinbarung fiel in das Fach „Kooperationsverträge“, derlei Kooperationen (mit denen sich Schleichwerbung ummanteln ließ) waren in der Branche bis zum Aufkommen des Bavaria-Skandals nicht unüblich.

          Heute, sagt der ZDF-Programmdirektor Bellut, würde man einen solchen Vertrag bei einer Show wie „Wetten, dass ..?“ nicht mehr abschließen, wenngleich man es bei der Übertragung von Sportveranstaltungen nach der jetzt gültigen Rechtslage sogar dürfe: „Diese Praxis haben wir beendet.“

          Das Thema Schleichwerbung hingegen dürfte noch lange nicht beendet sein, auch wenn Product-Placement, das als solches ausgewiesen wird, inzwischen erlaubt ist.

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