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Das Grimme-Insitut nominiert : Alexander Kluge wird besonders geehrt

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Alexander Kluge, Medienuniversalist Bild: Matthias Luedecke

Einen der jährlich in verschiedenen Kategorien verliehenen Grimme-Preis zu erhalten, ist für die Geehrten immer ein Ausweis dafür, gutes, anspruchsvolles, deshalb aber keineswegs langweiliges Fernsehen gemacht zu haben. Der Ehrenpreis 2010 steht schon fest, die Nominierten haben es in sich.

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          Eine fast endlose Reihe an Preisen ziert Alexander Kluges Leben. Jetzt bekommt der 77 Jahre alte Filmemacher und Schriftsteller auch einen Grimmepreis für Qualitätsfernsehen. Genau genommen ist es die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, der hinter den Grimme-Preisen steht. „Kluge ist ein Universalgenie und Intellektueller“, sagt Verbandsdirektor Ulrich Aengenvoort. „Er hat abendfüllende Spielfilme gedreht, Kulturprogramme geprägt und neue Fernsehformate kreiert.“ Bekannt ist der promovierte Jurist als Regisseur, Filmproduzent, Hochschulprofessor, Kunsttheoretiker, Medienmanager und Philosoph.
          Seine große Liebe gehört den bewegten Bildern. „Filme machen ist meine Lieblingstätigkeit“, hat er seine Passion beschrieben. Seit Mitte der achtziger Jahre zählt Kluge zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens und als Vordenker des deutschen Autorenfilms.

          Bekannt sind seine Essays und Romane („Schlachtbeschreibung“) sowie seine Kulturmagazine wie „10 vor 11“ bei RTL, „News & Stories“ bei Sat.1 oder „Mitternachtsmagazin“ bei Vox. Bei der Gründung des Privatfernsehens hatte er sich die Sendezeiten 1988 erkämpft und wurde dafür als „Quotenkiller“ beschimpft. Gerne beschreibt Kluge seine nächtlichen Sendungen, in denen es um Film, Musik, Literatur und wissenschaftliche Themen geht, als „Fernsehen der Autoren“, das „in homöopathischer Dosis“ angeboten werde. Produziert werden sie von seiner Düsseldorfer Firma DCTP, die sich mit Sendungen wie Günther Jauchs „Stern TV“ als „Plattform für unabhängige Dritte im deutschen kommerziellen Fernsehen“ versteht und mit großen Verlagen wie dem „Spiegel“, der „Neuen Zürcher Zeitung“ oder der „Süddeutschen Zeitung“ zusammenarbeitet.

          Pastewka, Engelke, Sido, Schmidt und viele Krimis

          Zugleich hat das Grimme-Institut am Mittwoch die Nominierungen in den verschiedenen Kategorien des Grimme-Preises für das Jahr 2010 bekanntgegeben. So sind Bastian Pastewka und Anke Engelke sind für ihre Auftritte als Volksmusik-Duo Wolfgang und Anneliese für den Grimme-Preis nominiert. Preisverdächtig sind aber auch der Berliner Rapper Sido und Harald Schmidt. Insgesamt wählte die Jury aus den 582 eingereichten Vorschlägen 52 Beiträge für die Endrunde aus. Die Comedians Pastewka und Engelke überzeugten die Preisrichter dabei mit ihrer „außergewöhnlich zünftigen Moderation“ des „Deutschen Fernsehpreises“ (Sat.1) in der Rolle des Volksmusikduos und einem ebensolchen Auftritt bei „Wetten dass...?“ (ZDF). Harald Schmidt bescheinigten die Juroren eine gelungene Generalüberholung seiner Late-Night-Show. Rapper Sido punktete mit der ProSieben-Produktion „Sido geht wählen“, die jüngere Zuschauer ans Thema Politik herangeführt habe.

          Nominiert: Bastian Pastewka und Anke Engelke als Volksmusik-Duo Wolfgang und Anneliese

          In der Kategorie „Fiktion“ dominierte erneut der Krimi. Gut ein Drittel der nominierten Einzelfilme stammten aus diesem Genre, das allerdings in den besten Produktionen weit mehr sei als Tätersuche oder plakative Inszenierung beliebiger Spannung, lobte die Jury. Das Spektrum reiche vom sozialpsychologischen Kammerspiel über das Sozialdrama bis zur Milieustudie. Unter den Nominierten sind auch zwei „Tatorte“: „Altlasten“ (SWR) und „Weil sie böse sind“ (HR). Bei dieser Produktion war die Vorauswahlkommission nicht zuletzt von der überragenden Schauspielkunst Matthias Schweighöfers beeindruckt. Der aktuelle Jahrgang bestätige, dass Krimis im deutschen Fernsehen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ eine herausragende Stellung einnähmen, sagte Grimme-Direktor Uwe Kammann.

          Fernsehspiele, Mehrteiler und Serien

          Auch bei den Fernsehfilmen lobte die Kommission imponierende Schauspielerleistungen und klug inszenierte, konzentriert erzählte Geschichten. So sah sie in „Frau Böhm sagt Nein“ (WDR) ein sensibles TV-Spiel zu Managerexzessen in der Wirtschaftskrise, mit einer höchst einfühlsam spielenden Senta Berger als
          Vorstandssekretärin, die sich den neuen Regeln der Gier verweigert. Hervorgehoben wurde auch, dass ein aktuelles und brisantes Thema wie der Afghanistan-Krieg intensiv behandelt werden kann, wie in „Nacht vor Augen“ (SWR), der Geschichte eines traumatisierten Bundeswehrsoldaten.

          Bei Mehrteilern und Serien hob die Vorauswahlkommission drei ZDF-Produktionen heraus: Den Zweiteiler „Der Seewolf“, die neue und als charismatisch empfundene Krimi-Figur „Flemming“ und „Die Wölfe“. In der Kategorie „Information & Kultur“ bedauerte die Jury, dass es keine ausgeprägte Neigung gebe, mit neuen Ideen und Personen auch zu neuen Programmansätzen zu gelangen. Vieles wirke vorgestanzt, der Rückgriff auf bloße Prominenz in Gesprächsrunden verhindere oft ein Durchdringen des Themas. Erfreulich sei aber, dass sich lange Dokumentarfilme mit klaren Qualitäten im Programm behaupten könnten. Zu den Produktionen, die für die Endrunde nominiert wurden, gehört der „Der innere Krieg“ (ZDF), ein Einblick über eine wachsende Parallelgesellschaft von amerikanischen Irak-Kriegsveteranen in Deutschland, und „Meine Mütter“ (rbb/HR), eine Spurensuche des Filmemachers Rosa vonPraunheim nach seinem Ursprung im lettischen Riga.

          Bei Schwerpunktthemen des vergangenen Jahres - 20 Jahre Mauerfall und Bundestagswahl - vermisste die Vorauswahlkommission ungewöhnliche Ansätze. Als Ausnahmen lobte sie die Spiegel-TV-Dokumentation „Der letzte Sommer der DDR“ von Thomas Schaefer und „Der Kampf der Kleinen“ (RB/SR), ein Reportage-Kaleidoskop über den Wahlkampf von insgesamt 20 kleinen Parteien. Die Preisträger will das Grimme-Institut am 10. März in Düsseldorf bekanntgeben. Die Preisverleihung findet am 26. März im Theater der Stadt Marl statt.

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