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Cordula Stratmann und Annette Frier im Gespräch : Redenmüssen ist bei Frauen genetisch angelegt

  • Aktualisiert am

Mit der Zeit sind sie echte Freundinnen geworden. Für Annette Frier hat die Zeit in der „Schillerstraße” mit Cordula Stratmann am meisten Spaß gemacht. Jetzt geht esd weiter mit „Wir müssen reden” Bild: SAT.1/Boris Breuer

Basta, es gibt Pasta: Bei Sat.1 sprechen Cordula Stratmann und Annette Frier wieder wunderbar Klartext. Geld verdienen, Kinder aufziehen, Geld ausgeben, alles hier in Frauenhand - das ist Sat.1-Postfeminismus. Der Titel ist das Programm: „Wir müssen reden“.

          6 Min.

          Was halten Sie von Homöopathie?

          Cordula Stratmann (aufheulend): Von Homöopathieeeeee?

          Ja. Klingt jetzt am Thema vorbei, aber ich will ja auf etwas hinaus.

          Stratmann (noch lauter): Oooaaahh!!!!

          Frier und Stratmann finden, dass „Ulknudel” das schlimmste deutsche Wort für komische Frauen sei. Aber dass sie das nervt, gehe nicht so weit, dass sie deshalb nicht mehr miteinander improvisieren würden

          Annette Frier: Also ich halte immer mehr davon. Ich mach jetzt in Schüssler-Salzen.

          Stratmann: Und ich glaube zutiefst an die Wirksamkeit von Arnika-Globuli.

          Ich halte fest, zweimal Wohlwollen. Das Prinzip der Homöopathie ist ja – neben dem Hokuspokus - Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Ihre beiden neuen Figuren nun, die erotisch unausgelastete Physiotherapeutin Annette Pfeiffer und die promigeile Hörbuchlektorin Cordula van Grooten, bringen in potenzierter Form auf den Bildschirm, was man in Wartezimmern und Straßenbahnen findet: Brutal präsente, freudig schnatternde Leute, die zu allem eine Mainstream-Meinung haben. Wollen Sie die Leute nun kurieren oder heillos unterhalten?

          Stratmann: Also pädagogisch bin ich nie unterwegs. Dann wäre ich ja Lehrerin geworden. Wir wollten einfach wissen, ob es uns gelingt, eine frei improvisierte Geschichte zu erzählen.

          Um die Ausstellung von Diskursen geht es gar nicht?

          Frier: Ich würde sagen, ist doch nicht total verkehrt, sich als Teil eines Ameisenhaufens zu begreifen. Würde ja gar keinen Sinn machen, wenn wir uns über Physik unterhielten. Ich glaube, dass wir Themen aufgreifen, die vielen Leuten geläufig sind, wie die künstliche Befruchtung in der ersten Folge. Aber das erfährt dann eine Überhöhung.

          Stratmann: Mir ist das viel zu kompliziert, wir haben uns einfach zwei Figuren ausgedacht. Beide haben Kummer, die eine sucht einen Lebensgefährten und die andere kann mit ihrem Partner kein Baby bekommen. Kummer hier, Kummer da.

          Noch mal einfacher gefragt . . .

          Stratmann: Ha! Für Sie mach ich mal einfacher . . .

          Wieviel Parodie des Alltags steckt in Ihren Figuren?

          Frier: Das ist jetzt aber eine andere Frage als eben.

          Eigentlich nicht.

          Frier: Wir haben uns natürlich zwei Figuren gesucht, die sehr extrem reagieren können. Das meinte ich mit Überhöhung. Meine private Meinung hat damit nichts zu tun.

          Stratmann: Meine private Meinung wäre auch total uninteressant. Die beiden Figuren sind mit allen Beklopptheiten ausgestattet. Ich weiß, wann mein Gegenüber ausflippt, was sie auf die Palme bringt – es ist ein schönes Spiel, ja, es geht ums Spielen.

          Frier: Mein Charakter schmeißt sich in ein Thema rein und haut Dinge einfach raus. Ich wäre hoffentlich etwas differenzierter. Für die Unterhaltung wäre das aber nicht sinnvoll.

          Ah, Sie wollen also einfach unterhalten?

          Frier: Na, auf jeden Fall!

          Stratmann: Ja, wir machen Fernsehunterhaltung mit diesem Format. Ich kann da nicht meine politische Meinung über die Welt kundtun. Das muss eine gewisse Leichtigkeit haben.

          Frier: Ich will auch meine private Meinung nicht drei Millionen Leuten zumuten. Worauf Sie aber hinauswollen, ist ja, dass wir sehr in die Unterhaltungsrichtung gehen. Da sage ich: Ja, genau! Im Gegensatz zu anderen Impro-Comedys haben wir uns aber nicht den Zwang auferlegt, nach jedem zweiten Satz den Sack zumachen zu müssen mit einer Knaller-Pointe. Auch den sogenannten E-Improvisationen an der Schauspielschule - fünf Stunden als Katze oder als Erde - fehlt oft die Leichtigkeit: Die aber ist uns, glaube ich, gut gelungen.

          Voll und ganz.

          Stratmann: Das ist es. Dieses Miteinander mit Annette, das ist, glaube ich, sehenswert. Ich quieke innerlich vor Vergnügen über viele kleine Dinge.

          Ist die Berufsbezeichnung Ulknudel eigentlich korrekt?

          Frier: Also ich kann mich damit durchaus . . . Hundert Prozent getroffen.

          Stratmann: Ich liebe ja Nudeln. Aber so bezeichnen würde ich mich eher nicht.

          Aber das steht überall, Frau Stratmann. Nicht nur Amazon führt Sie als führende Ulknudel.

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