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Brasilien : Ein Moderator unter Mordverdacht

  • -Aktualisiert am

Unter Verdacht: Wallace Souza Bild: AP

Wallace Souza ist brasilianischer Abgeordneter und hatte seine eigene Fernsehshow. Morde, die dort Thema waren, soll er selbst in Auftrag gegeben haben. Seine Kameraleute waren sehr oft vor der Polizei am Tatort.

          Die Reporter und Kameraleute seines Senders waren immer als Erste zur Stelle, wenn ein Mord geschehen war. Noch vor dem Erscheinen der Polizei filmten sie am Tatort. Das hat die Polizei auf die Spur der möglichen Auftraggeber für die Mordtaten geführt. Das brasilianische Fernsehpublikum will es noch immer nicht glauben, aber es spricht einiges dafür, dass Wallace Souza, ein im Bundesstaat Amazonas populärer Entertainer, und sein Sohn möglicherweise in mindestens fünf Fällen Mörder gedungen haben. Damit hätten, so polizeiliche Ermittler, die beiden zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen. Wallace Souza habe in seiner Sendung zeigen wollen, wie gewalttätig es im Bundesstaat Amazonas zugeht, und mit den Reality-Einlagen die Zuschauerquote kräftig erhöht. Und er habe zugleich lästige Konkurrenten ausgeschaltet.

          Denn Vater und Sohn Souza werden auch beschuldigt, in den illegalen Drogenhandel verwickelt zu sein. Rafael Souza, der Junior, sitzt zusammen mit fünfzehn anderen Verdächtigen schon hinter Gittern. Gegen ihn wird wegen Mordes, Rauschgifthandels und illegalen Waffenbesitzes ermittelt. Gegen Vater Souza werden ähnliche Anschuldigungen erhoben, allerdings ist er noch nicht wegen der Morde angeklagt worden. Er befindet sich auch noch auf freiem Fuß, denn er hat neben seiner Tätigkeit als Fernsehmoderator einen anderen Job, der ihm einstweilen noch Immunität verschafft. Er ist Abgeordneter für den Bundesstaat Amazonas.

          Der einzige Zeuge

          Wallace Souza war auch einmal Polizist, doch ist er gefeuert worden, weil er diverser Betrügereien verdächtigt wurde. Er bestreitet heftig alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe wegen der angeblichen Auftragsmorde. Es gebe keinerlei materiellen Beweis dafür, dass er die Mörder gedungen habe, ließ er seinen Anwalt Francisco Balieiro verbreiten. Politische Rivalen versuchten, Souzas Namen zu beschmutzen. Der einzige Zeuge sei ein in Ungnade gefallener Polizist, der versuche, wegen neun Morden, die ihm zur Last gelegt werden, begnadigt zu werden.

          Geld, Waffen und Munition fand die Polizei in Souzas Haus

          Nach Ansicht der Justiz im Bundesstaat Amazonas hat Wallace Souza eine kriminelle Vereinigung angeführt, der sein Sohn Rafael und eine Reihe ehemaliger Polizisten angehörten, die im illegalen Drogengeschäft aktiv waren. Eines der Ziele der Bande sei es gewesen, ein Klima der Unsicherheit in der Bevölkerung der Amazonasregion zu schaffen. Souza hatte in seinem Programm „Freier Kanal“ stets die Serie von Gewalttaten in der Region angeprangert. Manaus, die Hauptstadt des Bundesstaates, könne nicht länger mit der „Welle der Gewalt“ leben, predigte er und fand für seinen Feldzug gegen die Gewaltkriminalität eine immer größere dankbare Zuschauergemeinde. Tatsächlich war die Sicherheitslage in der Region keineswegs so besorgniserregend, wie Souza sie darstellte. So sah er sich möglicherweise veranlasst, etwas nachzuhelfen.

          „Fakten und Nachrichten fabriziert“

          Das Fernsehprogramm ist vor einem Jahr eingestellt worden, als erste Ermittlungsergebnisse bekannt wurden. Der Sicherheitsstaatssekretär in der Amazonasregion, Francisco Cavalcanti, bekräftigte, es gebe keinen Zweifel, dass Souza und seine Leute „Fakten und Nachrichten fabriziert“ hätten. In der Affäre gebe es Verbindungen zur Staatsanwaltschaft, zur Politik und zur Polizei. Die Richter, die mit der Aufklärung der Fälle befasst sind, haben wegen der gegen sie gerichteten Morddrohungen Personenschutz rund um die Uhr erhalten.

          Die Ethik-Kommission des Parlaments im Bundesstaat Amazonas will ein Verfahren zur Aberkennung der Immunität Souzas in Gang bringen. Auch als Politiker genoss Souza großen Rückhalt in der Bevölkerung. Bei den jüngsten Regionalwahlen in Amazonas hatte er die meisten Stimmen für ein Abgeordnetenmandat erhalten. „Wir können eine Entscheidung des Gerichts nicht ignorieren, die einen Abgeordneten zum Angeklagten in einem Strafprozess gemacht hat, wir können nicht sagen, dass da nichts geschehen sei“, stellte der Präsident des Regionalparlaments lapidar fest.

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