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Bewerbungsschreiben : Ich bin dieser Gegenkandidat

  • Aktualisiert am

Mogelpackung? ZDF-Intendant Markus Schächter, Programmdirektor Thomas Bellut (r). und Chefredakteur Peter Frey (l.) auf der Programmpressekonferenz im April Bild: dpa

Bei der Wahl zum neuen ZDF-Intendanten hat Thomas Bellut bisher keinen Gegenkandidaten. Wenn man dem abhelfen und sich bewerben möchte, ruft der Sender allerdings nicht zurück. Jetzt versucht Claudius Seidl es über die Medien.

          Am 18. Februar meldete der Berliner „Tagesspiegel“, dass das Amt des Intendanten auf der Homepage des Zweiten Deutschen Fernsehens ausgeschrieben sei - und weil ich des dauernden Nörgelns und Kritisierens überdrüssig war, weil ich dachte, das ZDF hat so viel für mich getan, das will ich ihm jetzt zurückgeben: weil ich also diese Nachricht als Auftrag und Herausforderung verstand, habe ich die Homepage abgesucht, die Stellenausschreibung aber nicht gefunden, habe angerufen beim ZDF, wurde von einem Mitarbeiter zum nächsten weitergestellt, und weil mir aber keiner die Frage beantworten konnte, an wen die Bewerbung zu richten sei, versprach das ZDF, mich zurückzurufen, sobald man die Antwort herausgefunden habe.

          Niemand hat mich je zurückgerufen - und jetzt heißt die Nachricht: Thomas Bellut habe keinen Gegenkandidaten.

          Wir sparen uns das unverbindliche Geschwafel

          Ich bin aber dieser Gegenkandidat und möchte diese Zeilen nutzen, um ein paar Worte zu meiner Qualifikation und meinem Programm zu sagen: Ich habe früher fast täglich ferngesehen, gerne auch mal das ZDF; heute schaue ich gar nicht mehr fern, und beides, glaube ich, macht mich zum idealen Repräsentanten des Publikums. Ich habe, fast, immer die Gebühren gezahlt - und wenn man, anders als aus der Kirche, der Staatsbürgerschaft, ja selbst der Mafia, aus der Gebührenpflicht schon nicht austreten kann: dann möchte ich Verantwortung übernehmen und mitgestalten.

          Mir ist aufgefallen, dass Intendanten, wenn sie begründen sollen, warum es das öffentlich-rechtliche Bezahlfernsehen überhaupt gebe, immer wieder den gleichen Zirkelschluss machen: Es muss das ZDF geben, weil wir das Fernsehen nicht nur kommerziellen Anbietern überlassen dürfen. Wir produzieren aber den gleichen Mist wie die kommerziellen Sender, weil wir von allen Gebühren verlangen und deshalb allen etwas bieten müssen. (Und wer sich über den Mist beschwert, ist ein intellektueller Schnösel, der seinen Minderheitengeschmack allen anderen aufdrängen will.)

          Ich hätte da, gleich zu Beginn meiner Amtszeit, einen Vorschlag, welchen man, in diesen Kreisen, wohl innovativ und kreativ hieße. Und der doch ganz einfach und logisch ist. Wir sparen uns das unverbindliche Geschwafel über Qualität und Geschmack, weil beides keine messbaren Größen sind.

          Die Gebühren werden gesenkt

          Wir durchforsten stattdessen das ganze Programm - und alles, was es auch umsonst gäbe, also ohne Gebührenzwang bei den kommerziellen Sendern, all das fliegt raus: die Champions League, der zeitgeschichtliche Zweiteiler mit Veronica Ferres (Bettina Zimmermann, Christine Neubauer), die Nachmittagssoaps, die Kochshows, die Arztserien, die sogenannten TV-Movies, Rosamunde Pilcher, Inga Lindström. Und natürlich die Guido-Knopp-Dokumentationen, obwohl es so etwas nirgendwo sonst gibt. Zum Glück.

          Plötzlich wird Platz sein im Programm, Platz für die wunderbaren Sachen, welche das ZDF bislang in seine Neben-, Sparten- und Digitalkanäle verbannt hat, Platz für „Mad Men“ und „Xanadu“, für „Breaking Bad“ und den Spielfilm, der nicht schon auf drei anderen Sendern gelaufen ist.

          Die Nebenkanäle werden abgeschaltet, die Gebühren deutlich gesenkt, das Publikum unter siebzig wird uns lieben.

          Ich bitte also um Ihre Stimmen bei der Wahl.

          Claudius Seidl

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