https://www.faz.net/-gqz-16ia5

Bayerischer Rundfunk : Ein Sender in Hochstimmung

  • -Aktualisiert am

Ein „Tag großer Freude” sei es für ihn, sagt Wilhelm Bild: dpa

Ulrich Wilhelm ist mit einem klaren Ergebnis zum neuen Intendanten des Bayerischen Rundfunks gewählt worden. Er bekam 40 von 44 Stimmen im Rundfunkrat. Sein Gegenkandidat schreckte die Versammlung mit einer polarisierenden Rede auf.

          4 Min.

          Auch der ARD-Programmdirektor Volker Herres musste sich gedulden. Fast um eine Stunde hatte sich die Wahl des BR-Intendanten verzögert. Es war halb sieben und es war der Programmpunkt sieben auf der 568. Sitzung des Rundfunkrats. Dann brandete im großen Sitzungssaal des Bayerischen Rundfunks Beifall auf, der sogar durch die schweren polierten Holztüren zu hören war. „Das kann man euphorisch nennen“, sagte Herres. Der Applaus galt dem frisch gewählten Intendanten Ulrich Wilhelm.

          Mit vierzig zu vier Stimmen ist Angela Merkels bisheriger Sprecher für sein neues Amt bestimmt worden. Den Vorschusslorbeeren will er schon vom 1. Juli an gerecht werden. Dann gibt er seinen Posten als Regierungssprecher ab, am 1. Februar 2011 wird er Intendant, die Zwischenzeit will er zur Einarbeitung nutzen. Beim anschließenden Fototermin wirft sich Wilhelm vor den BR-Logos schon ganz selbstverständlich in Pose, lächelnd, mit verschränkten Armen, wie es seine Art ist. Daneben feixt der gut aufgelegte, noch amtierende Intendant Thomas Gruber: „Mein Vertrauen in den Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks bleibt ungebrochen.“ Weil es der Neue angeblich eilig hat, wieder nach Berlin zu kommen, sind den Journalisten nur wenige Fragen erlaubt.

          „Die Staatsferne ist bei mir in guten Händen“

          Ein „Tag großer Freude“ sei es für ihn, sagt Wilhelm. Wie bereits bekannt sei, habe er schon in den achtziger Jahren „hier im Haus im Hörfunk und im Fernsehen“ gearbeitet, „noch in Sechzehn-Millimeter-Film mit einer ganz anderen Medienlandschaft. Das ist für mich eine Rückkehr zu meinen journalistischen Anfängen.“ Er freue sich sehr über den großen Vertrauensbeweis und werde alle Kraft daran setzen, dass der Bayerische Rundfunk „auch nach diesen fünf Jahren, in denen ich Verantwortung trage, noch gut dasteht.“ Auf die Frage nach seiner möglichen zu großen Staatsnähe, ist Wilhelm vorbereitet. Schließlich hat er auch zweifelnde Rundfunkratsmitglieder in seiner zwanzigminütigen Bewerbungsrede von seiner tadellosen Einstellung überzeugen müssen.

          Nun sagt er: „Ich habe deutlich gemacht, dass die Aufgaben ganz klar unterschiedlich sind - als Regierungssprecher habe ich die Aufgabe für die Regierung zu sprechen in der Öffentlichkeit, als Intendant aber die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu schützen und nach außen zu verkörpern. Ich glaube, dass das ohne weiteres gut gelingen wird.“ Er verweist auf seinen „bisherigen Lebensweg“. Wie er mit Medien umgehe „biete auch Gewähr, dass die Staatsferne bei mir in guten Händen ist.“ Die Unabhängigkeit werde von ihm „wie von allen Vorgängern verkörpert, geschützt und gewährleistet.“

          Dann noch ein paar Gemeinplätze, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk unverzichtbar, weil dem ganzen Gemeinwesen verpflichtet sei. „Er ist einem seriösen Journalismus verpflichtet. Die Gebührenfinanzierung macht es möglich, in dem einen oder anderen Fall bei der Frage nach Qualität oder Quote nicht im Sinne der Quote zu antworten, sondern auch mal was zu riskieren. Generell wollen wir die Mehrheit der Bevölkerung erreichen, denn wer die Mehrheit hat kann auch für die Minderheit etwas tun.“

          Ein angemessener Abstand zwischen Berlin und München

          Er habe mit der Kanzlerin besprochen, einen „angemessenen Abstand, mindestens ein halbes Jahr zwischen den Abschied in Berlin und dem Amtsantritt als Intendant“ zu legen. „Wenn ein Nachfolger für mich gefunden ist, werde ich im Juli voll konzentriert die neue Aufgabe angehen, die am 1. Februar 2011 beginnt.“ Die Finanzmarktkrise fordere gerade alle seine Kräfte als Regierungssprecher, aber: „Wenn ein Nachfolger gefunden und eingearbeitet ist“, werde er mit dem Intendanten Gruber sprechen und sich „einarbeiten im Sinne eines guten und reibungslosen Übergangs“. Jedermann weiß, dass die Bundeskanzlerin Wilhelm schätzt und ihn ungern ziehen lässt. „Kanzlerin Merkel erkennt an, dass es für jemanden, der Journalist gelernt und Jura studiert hat, eine ideale Kombination ist. Sie versteht das“, sagt der Intendant lächelnd.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.
          Der erste Streich: Gnabry nimmt Maß und trifft.

          8:0 gegen Schalke : Die Acht-Tore-Ansage

          Der FC Bayern demonstriert zum Saisonauftakt der Bundesliga seine Überlegenheit und demontiert den FC Schalke nach allen Regeln der Fußball-Kunst. Serge Gnabry trifft beim 8:0 drei Mal.
          Der Abteilungsleiter für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Keith Krach, traf am 18. September in Taiwan mit Ministerpräsident Su Tseng-chang zusammen.

          Militärmanöver : Plant China einen Angriff auf Taiwan?

          Amerikas Beziehungen mit Taiwan werden immer enger. Nun plant Washington neue Waffenverkäufe an Taipeh – und verärgert damit China. Peking verschärft seine Drohgebärden in Richtung der Insel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.