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Bayerischer Fernsehpreis : Qualitätsfischchen im Haifischbecken

  • -Aktualisiert am

Diana Amft, geehrt für „Doctor's Diary” Bild: dpa

Unbemannte Adelsfräulein, überraschte Preisträger und ein Ministerpräsident auf Tuchfühlung mit der Weltspitze: Die Gala des Bayerischen Fernsehpreises erwies sich als eine der kurzweiligsten Preisverleihungen seit langem.

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          „Sie sehen zwei Männer und keiner von beiden ist Barbara Schöneberger.“ Der Kalauer, mit dem ZDF-Mann Steffen Seibert und der einstige MTV-Berufsjugendliche Marcus Kavka das Publikum zum Bayerischen Fernsehpreis 2009 im Münchner Prinzregententheater begrüßten, gab zu schlimmsten Befürchtungen Anlass. Doch dann entpuppte sich die Veranstaltung als eine der kurzweiligsten (nicht nur weil sie fünf Minuten zu früh fertig war) Preisverleihungen seit langem.

          Gewinner waren neben Sat.1, das gleich in vier Kategorien vor allem mit dem Zweiteiler „Wir sind das Volk“ punktete, vor allem das unaufdringliche und einfühlsame Moderationsduo, das vom bemerkenswerten Timing der Regie profitierte. Und wenn dann noch die Geehrten nicht nur einen Dankesmonolog herunterbeteten, wie beispielsweise die beste Seriendarstellerin Diana Amft (für „Doctor's Diary“, Endlich mal kein Krimi: die neue Arztserie „Doctor's Diary“ von RTL, sie gewann gegen Ulrike Folkerts und und Jule Ronstedt), dann ist man nah dran an der „Weltspitze“, die Ministerpräsident Horst Seehofer der Veranstaltung bescheinigte. Ähnlich sah's auch RTL-Restauranttester Christian Rach, der den Panther als seinen persönlich ersten Preis entgegennahm und fand, „von allen Preisverleihungen war dies mit Abstand die beste. Was da alles auf der Bühne los war.“ Rach, von Kavka süffisant mit den Worten eingeführt, im „Bohlenschen Haifischbecken RTL“ ließe sich auch „ein kleines Qualitätsfischchen fischen“, meinte zum Beispiel Ex-GSG-9-Chef Uli Wegener, der den mit 20.000 Euro dotierten Sonderpreis für den besten Film an Regisseur Roland Suso Richter übergab. Der war fest entschlossen, den Abend zu genießen, und lobte sein „Mogadischu“ (ARD-Spielfilm „Mogadischu“: Terror in Reinkultur) als einmalige Konstellation aus Ort, Zeit, Stoff, Produzent und Kameramann „wie es sie nur alle fünf, sechs Jahre mal gibt“.

          Der Wildhüter der Serengeti

          Oder der BR-Studioleiter aus Tel Aviv, Richard C. Schneider, der gleich seine ganze Crew aus Arabern und Juden aus dem Gazastreifen mit auf die Bühne gebracht hatte und ausdrücklich der Bundesregierung für ihre diplomatische Hilfe dankte. Entwaffnend offen auch Preisträgerin Julia von Heinze, die gleich für ihren ersten Dokumentarfilm über weibliche adelige Singles von der „Kaffeegräfin“ Stephanie zu Pfuel den Panther in die Hand gedrückt bekam und nicht nur die Adelfräulein ihrer Reportage im Theater begrüßte, sondern auch anmerkte, dass sie mit ihrer Arbeit „Grenzen überschritten“ habe. Sie war nicht mehr „Standesgemäß“, wie der Titel ihres Films lautete. Jubel auch bei Matti Bauer, als sechs Regensburger Domspatzen, die er für eine Langzeitbeobachtung begleitet hatte, den Panther hereintrugen und dann ein Lied anstimmten. Bauer nutzte die Gunst der öffentlichen Aufmerksamkeit und lenkte sie auf die gefährdeten Lebensbedingungen der zarten Pflanze Dokumentation im deutschen Fernsehen: Er danke Hubert von Spreti vom BR und Arte-Redakteur Jochen Kölsch, den „anderen Wildhüter in dieser Serengeti, die nicht sterben darf“.

          Christiane Hörbiger bekam den Preis von Horst Seehofer überreicht
          Christiane Hörbiger bekam den Preis von Horst Seehofer überreicht : Bild: ddp

          Selbst die Videobotschaften hatten diesmal Format. Das von Käpt'n Blaubär (Preisträger Walter Moers kam mal wieder nicht) und auch das von Manfred Zapatka, ausgezeichnet für seine Rolle als Jan Haroska im ZDF-„Kriminaldauerdienst“ als bester Seriendarsteller. Verhindert durch ein Theaterengagement dankte er mit einfachen klaren Worten und forderte seine Frau Margarete auf: „Bring den Preis mit heim in die Familie.“ Klar, einfach und gut die Dankesrede von Anja Kling, die sich mit ihrer Rolle in „Wir sind das Volk“ gegen Gisela Schneeberger und Iris Berben durchsetzte. Überrascht war offensichtlich Ken Duken, der als bester Schauspieler für seine Rolle des Afghanistan-Heimkehrers in „Willkommen zu Hause“ (Kriegsheimkehrerdrama: „Willkommen zu Haus“ bei der ARD) als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde, vor Peter Simonischek und Benjamin Sadler.

          Die gestern verstorbene Monica Bleibtreu (Schauspielerin Monica Bleibtreu gestorben), selbst vor zwei Jahren noch Preisträgerin an dieser Stelle, wurde von den Kollegen gewürdigt. Der Saal erhob sich, als Filmszenen aus „Marias letzte Reise“ und „Vier Minuten“ gezeigt wurden. „Ich bin erschüttert und traurig, aber sie wird in diesen Filmen weiterleben“, hatte Christiane Hörbiger vor der Zeremonie zur F.A.Z. gesagt. Als sie dann von Horst Seehofer den Preis fürs Lebenswerk entgegennahm, der abschließend meinte, „Sie müssen die glücklichste Frau der Welt sein“ fiel die Dankesrede überraschend kurz aus. „Genießen Sie den Frühlingsabend“, riet sie den Zuschauern.

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