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Bastian Pastewka im Porträt : Der Cowboy würzt sein Spiegelei

  • -Aktualisiert am

Ein Fernsehkind: Bastian Pastewka Bild: Sonja Gutschera

Bastian Pastewka trinkt Kamillentee und schöpft Kraft für die schnelle Comedy, die das Fernsehen sucht. Er könne auch anders, sagt er. Eine Begegnung mit dem Komiker und ein Gespräch über seine Anfänge, das schwierige Publikum und den Theaterkanal.

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          „Macht ihr heute Aufnahme?“, fragt eine Frau quer durch die Lobby und über Stühle mit Leopardenmuster, Glitzertischdecken, Weihnachtsglitzer hinweg einen Mann. Vorn fragt jemand „pa ruski?“ Die Damen der Rezeption rätseln. „Na mal sehen“, antwortet der Mann und schreitet zum Bartresen. Ein Kölner Fernsehcowboy. Er nimmt sich den größten Pfefferstreuer und würzt sein Spiegelei. Sein Nietengürtel schimmert wie das Lametta, das die Fenster herunterblinzelt.

          Die Lobby wirkt wie eine Fernsehkulisse. Vergoldete Tischlampen, schwarze Samtsofas, Bilder von Romy Schneider und Marlene Dietrich, Autogrammkarten von Fernsehidolen und Lametta. Man kann sich vorstellen, wie hier die Nächte sind, wie alle sich gegenseitig fragen: „Hattet ihr heute Aufnahme?“

          Aber jetzt bahnt ein Sonnenstrahl zwischen lilagefärbte Plastiktannenbäume sich einen Weg, in die Tasse und den Kamillentee darin, den Bastian Pastewka zum Frühstück bestellt. „Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre!“, sagt er und macht eine „tataaa“-Geste.

          Besonders enthemmt - oder verstellt

          Dabei passt die Einrichtung zu seinen Charakteren: Es sind meist bis zur Unglaubwürdigkeit überzeichnete Stereotypen. Der schwule Moderator Brisko Schneider etwa, die erste nennenswerte Pastewka-Rolle. Nun macht er eigentlich nichts anderes als das, was Comedy im Fernsehen bedeutet: Unterhaltung, und zwar schnell. Und wenn es schnell gehen muss, nimmt man einfache Figuren: Den sabbernden Ottmar Zittlau oder den abstoßenden Schuldenberater Peter Zwegat. Und diese besonders schrägen Figuren sitzen wie auf dem Tablett serviert in vorgespielten Talkshows. „Da werden die Schicksale ja kammerspielartig etwas vorgeführt, und die Gäste waren, sobald die Kamera lief, entweder besonders enthemmt, oder sie verstellten sich.“ Pastewka guckt Fernsehen, weil ihn diese „Mechanismen“ interessieren.

          Seine Persiflagen passen, weil er die Vorbilder wie Reptilien in ihrer Umgebung studiert, „wenn einer an der Bar betrunken ist, und anfängt, sich danebenzubenehmen, da möchte ich gern, dass man mir die Überwachungsvideos schickt, damit ich sie mir zu Hause in Endlosschleife anschauen kann“.

          Leise Stimme, lautes Fernsehen

          Während man vom Komiker gern absolute Selbstherrlichkeit erwartet, ist Pastewka einfach mal da und erzählt. Er schlürft seinen Tee und redet mit leiser Stimme über zu lautes Fernsehen. Er wünscht sich, dass mal Aufregenderes geguckt und gesendet wird, dass „auch der Zuschauer mal wieder was riskiert“. Aber es ist paradox mit dem Publikum, es schaltet den Fernseher an, um das Gehirn abzuschalten. Pastewka setzt sich auf: „Wenn man abschalten will, geht man schlafen oder Musik hören.“

          Er will eigentlich anders sein, komischer, abseitiger, aber er arbeitet für Sat.1, und der Sender braucht Quote. „Hätte ich das Wort, würde ich wahrscheinlich nur das senden lassen, was ich selbst gern schaue. Und schon würde ich kilometerweise am Publikum vorbei senden.“ Deshalb macht er einen Spagat. An den Witz im Fernsehen jenseits der Comedyshows, also an Humor mit wirklichem Grund zum Lachen scheint auch Pastewka nicht zu glauben. „Meiner Ansicht nach verderben Fernsehmacher immer dann das Fernsehen, wenn sie sich zu sehr auf den flüchtigen Zuschauer verlassen, statt mal etwas Abseitiges oder anderes als das Althergebrachte zu produzieren oder zu senden.“

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