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ARD korrigiert Entscheidung : Kehrt Marsch!

Mit dem Ersten sieht man wieder in Afghanistan: ARD-Vorsitzende Monika Piel und SWR-Intendant Peter Boudgoust Bild: dpa

Nach massiven Protesten hat sich die ARD entschlossen, den Bundeswehrsoldaten in Afghanistan nun doch wieder das volle Programm per Satellit zur Verfügung zu stellen. Ein Posse mit Fortsetzungen.

          Für die ARD ging es - offenbar - nur um 32 000 Euro, um eine Petitesse. Für die Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan und für viele, die an ihrem gefahrvollen Einsatz am Hindukusch Anteil nehmen, war es ein Zeichen, ein übles Signal, wenn nicht ein Skandal: Zum 1. April - kein Aprilscherz -, teilte der öffentlich-rechtliche Senderverbund mit, werde das erste Programm nicht mehr über den Satelliten Hotbird gen Afghanistan übertragen. Nur ARD-Nachrichten und sportliche Großveranstaltungen sollten die Soldaten noch zu sehen bekommen, als Zulieferung für ein bundeswehreigenes Programm. Jetzt haben sich die Intendanten eines Besseren besonnen: Für die deutschen Soldaten in Afghanistan gibt es das Erste weiterhin komplett zu sehen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Man habe „mit einer schnellen und unbürokratischen Lösung für die Soldatinnen und Soldaten reagiert“, behauptet die ARD und schiebt den Schwarzen Peter für den Blackout dem Bundesverteidigungsministerium in die Tasche. Ursprünglich hätten sich dieses und die ARD nämlich „einvernehmlich“ darauf verständigt, das Fernsehangebot auf Informationssendungen, Regionalnachrichten und das Sendesignal von Sportübertragungen zu reduzieren und dies über den Sender „Bundeswehr TV“ zu verbreiten. Die Intendanten bedauerten sehr, dass das Ministerium „in den letzten Tagen zu diesem Verhandlungsergebnis nicht mehr gestanden hat“.

          Patriotismus kann man der ARD nicht vorwerfen

          In den letzten Tagen hatte es massive Proteste gegen den Schritt gegeben, von Soldaten- und Veteranenverbänden, vom Wehrbeauftragten des Bundestages und aus der Politik. Und die Sache mit der angeblich „einvernehmlichen Lösung“ stellt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Anfrage anders dar als die ARD: Man habe den Kompromiss - das weitgehend auf Nachrichten reduzierte Programm also - als „kleinsten gemeinsamen Nenner“ akzeptieren müssen. Doch sei man sehr froh, dass die ARD nun ihr komplettes Programm ausstrahle, und bedanke sich dafür.

          Das Aus- und Einschalten der ARD in Afghanistan ist eine Posse in Fortsetzung. Schon im vergangenen Jahr war das Programm für die Soldaten monatelang nicht zu empfangen gewesen, seit Juni 2010, um genau zu sein. Drei Tage vor Weihnachten teilte der damalige ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust dann mit, die Sender hätten sich in einer „Blitzaktion“ darum gekümmert, dass die Truppen zu Heiligabend wieder auf Empfang seien. Das war eine Reaktion auf die „Bild“, welche die Geschichte an die große Glocke gehängt hatte. Schon damals war von einer Abschaltung aus Kostengründen die Rede und von dem Angebot, der Bundeswehr bestimmte Inhalte zur Verfügung zu stellen, was dann aber wiederum auf urheberrechtliche Probleme stieß. Überschießenden Patriotismus wird man der ARD in dieser Sache wahrlich nicht vorwerfen können.

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