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Antwort auf Peter Boudgoust : Maß und Maßlosigkeit

  • Aktualisiert am

Offener Brief statt Gespräch: der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Peter Boudgoust Bild: ddp

Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust hat im Internet einen Offenen Brief an diese Zeitung veröffentlicht. Darin greift er einen Kommentar des Medien-Redakteurs Michael Hanfeld an. Boudgoust richtet seinen Brief an den Mitherausgeber Frank Schirrmacher, der ihm hier antwortet.

          1 Min.

          Sehr geehrter Herr Boudgoust,

          danke für Ihren Fax-Brief, in dem Sie sich über den Kommentar eines F.A.Z.-Redakteurs bei mir als dem Vorgesetzten des Autors beschweren. Der Inhalt Ihres Schreibens hat mich nicht überrascht, weil es ja bereits einen Tag, bevor ich es erhielt, auf der Internet-Startseite der ARD zu lesen war (siehe: Offener Brief von Peter Boudgoust.) Offenbar gehört das zu Ihrem Alltag, den Sie ja auch entsprechend beklagen. Ich habe das zuletzt erlebt, als Friedbert Pflüger sich über Anne Will beschwerte und alle davon Kenntnis hatten außer Frau Will.

          So arbeiten wir allerdings nicht. Beschwerden über Redakteure mit der Absicht der Sanktionierung erreichen in der F.A.Z. auch dann nicht ihren Zweck, wenn sie über offene Briefe oder Rundfunkräte verbreitet werden. Sie kennen den betreffenden Redakteur. Das persönliche Gespräch, auch über einzelne Formulierungen, wäre gewiss hilfreicher gewesen. Auch einen Leserbrief hätten wir jederzeit gerne gedruckt. Ich antworte deshalb auch nicht als Vorgesetzter, sondern als Journalist, der das hochkomplexe Geschehen wie jeder interessierte Bürger verfolgt.

          Wie viele bin auch ich ein Rezipient Ihrer Angebote. Dies um so mehr, als wir in unserer Zeitung (und ich im Besonderen) sehr wohl zu unterscheiden wissen zwischen den bürokratischen Deformationen des öffentlich-rechtlichen Systems und seinen teilweise glänzenden und unverzichtbaren journalistischen Leistungen. Wir berichten fast täglich darüber.

          Kein Printjournalist kann diese Behauptung unwidersprochen lassen

          Sie werden gewusst haben, was Sie taten, als Sie eine Presseerklärung verbreiteten, die unter der Überschrift „Presse macht Rundfunk“ Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten zu einer nur noch geduldeten Spezies des Internetzeitalters machten. Ich glaube, die verfassungsrechtlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen einer solchen Deutung, wenn sie denn offizielle Lesart würde, lassen sich nicht abschätzen. Sie haben sich entschlossen, mit einer in der Maßlosigkeit kaum noch zu überbietenden Behauptung an die Öffentlichkeit zu treten. Ich glaube nicht, dass irgendein Printjournalist sie unwidersprochen lassen kann. Es ist deshalb nur natürlich, dass darauf auch in der F.A.Z. reagiert wird.

          Ich bedaure, dass sich durch diese Debatte Journalisten und Moderatoren im öffentlichen Rundfunk angesprochen fühlen könnten, die allesamt nicht gemeint sind. Denn wir leben von ihnen, wie sie von uns.

          Mit freundlichen Grüßen

          Frank Schirrmacher

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