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„30 Rock“ : Sie haben schon Mediengeschichte geschrieben

  • -Aktualisiert am

Hat mit dem Serienpaar aus „30 Rock” ihre Karriere gekrönt: Tina Fey Bild: dapd

Tina Fey und Alec Baldwin spielen ein völlig unmögliches Paar. Je weniger sie zueinander zu passen scheinen, desto anziehender finden sie sich. Das sorgt für die ideale Komödie.

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          Das Schönste an einer Romanze ist manchmal, dass sie gar nicht zustande kommt. Ob Liz und Jack jemals ein Paar werden? „Sie würden höchstens betrunken miteinander herumknutschen und hinterher alles abstreiten“, schreibt Tina Fey in ihrer Autobiografie „Bossy Pants“ dazu. Aber wir, die Zuschauer, hoffen natürlich trotzdem, dass es irgendwann funkt und die beiden eloquentesten, eigensinnigsten, intellektuellsten und gleichzeitig naivsten Helden des amerikanischen Comedy-Fernsehens eine Chance kriegen.

          Liz Lemon und Jack Donaghy, gespielt von Tina Fey und Alec Baldwin – das ist ein Doppel, das schon Mediengeschichte geschrieben hat: Sie, die Chefautorin und Produzentin der fiktiven Sketchsendung „The Girlie Show“; er, der CEO des Elektronikkonzerns General Electric, zu dem auch der (real existierende) Sender NBC gehört, der wiederum die Show von Lemon produziert.

          Sarah Palin: „Ich bin nicht Tina Fey“

          Tina Fey hat sich das Paar ausgedacht und damit ihre Karriere gekrönt, die Serie wurde mit Emmys, den Fernseh-Oscars, überhäuft. Bislang liefen in Amerika fünf Staffeln, eine sechste wird Anfang Januar 2012 starten. In Deutschland ist die Reihe aktuell bei dem Abosender TNT zu sehen, die ersten drei Staffeln gibt es außerdem als DVD-Edition – ideal für den Einstieg in den Humorkosmos von Fey.

          „Ich bin nicht Tina Fey”, sagte Sarah Palin (rechts!)
          „Ich bin nicht Tina Fey”, sagte Sarah Palin (rechts!) : Bild: REUTERS

          Schon als Gagschreiberin der Sendung „Saturday Night Live“, der Kaderschmiede der amerikanischen Fernseh-Comedy, sorgte sie für Furore. Sie trat in der Show als Darstellerin auf und verkörperte in einem Sketch derart überzeugend Sarah Palin, dass die damalige Präsidentschaftskandidatin eine Zeitlang Visitenkarten verteilen musste, Aufschrift: „Ich bin nicht Tina Fey.“

          Die dekonstruktive Höchstform des homo oeconomicus

          Es steckt dafür viel Tina Fey in Liz Lemon. Die Komödiantin hat sich selbst als Vorlage für die Fernsehheldin genommen, schließlich spielt die Reihe hinter den Kulissen einer Sketchsendung, die man als irre Travestie von „Saturday Night Live“ bezeichnen könnte. Liz Lemon ist die beziehungsgestörte, neurotisch verquasselte Chefin dieses Unterhaltungszirkus, sie befehligt ein Team von egomanen Autoren und durchgedrehten Stars. In ihrer Freizeit absolviert sie peinliche Dates mit Handy-Vertretern oder grenzdebilen Beaus, am liebsten aber sitzt sie zu Hause und schaut fern. Dazu gibt es mexikanische Käsekringel namens „Sabor de Soledad“ – Geschmack der Einsamkeit –, die soviel Östrogen enthalten, dass sie Schwangerschaftstests verfälschen.

          Und so eine soll sich mit einem Manager einlassen? Soll sie ja gar nicht, aber dass die Idee im Raum steht, immer mal wieder, dass macht den Reiz – man darf auch sagen: den kulturkritischen Charme – dieser Serie aus. Denn Jack ist nicht irgendein kaltschnäuziger Rechenschieber oder Flipchart-Junkie, sondern die dekonstruktive Höchstform des homo oeconomicus. Man stelle sich Donald Trump mit der Leidenschaft von Casanova und dem Gemüt von Franz von Assisi vor. Rupert Murdoch, in dessen DNA sich Cary Grant und Lassie geschmuggelt haben. Dieser Mann verehrt Ronald Reagan, machte Millionen als Erfinder der „Third Heat“ – ein Truthahn in elf Minuten! –, und schuf mit „Are you stronger than your dog?“ eines der schlimmsten und zugleich erfolgreichsten Dokushow-Formate aller Zeiten.

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