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Fernsehen : Wo ist Daniel Küblböcks Brille jetzt?

Auch Juliette hätte für Alexander gestimmt Bild:

Die beiden nationalen Musikwettbewerbe, die am Wochenende ihren Abschluß fanden, sind, der Rhetorik vaterländischer Mobilisierung zum Trotz, Veranstaltungen der Plattenindustrie.

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          Beim "Großen Preis" führte immer ein Regierungsdirektor Aufsicht: Auch die Glücksgöttin konnte sich der Legitimation durch Verfahren nicht entziehen, ihre Ausschüttungen überwachte der Staat. Die beiden nationalen Musikwettbewerbe, die am Wochenende ihren Abschluß fanden, sind, der Rhetorik vaterländischer Mobilisierung zum Trotz, Veranstaltungen der Plattenindustrie. Auf dem freien Markt genügt zur Garantie der korrekten Geschäftsabwicklung ein Notar.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Bei "Deutschland sucht den Superstar" war es einfach "unser Notar". Sein Name wurde nicht genannt. Vielleicht war er allen Anwesenden bekannt, nicht so bekannt wie das Jurymitglied, das nur sein kantiges Kinn bewegen mußte, um einen Orkan der Vornamenrufer zu entfesseln, aber doch so bekannt, daß Alexander ihn wie alle Mitglieder des Teams, was das Teammitglied Dieter Bohlen nicht genug zu rühmen wußte, noch jeden Morgen grüßt, obwohl in Alexander die Superstarsuche nun ihren notariell besiegelten Abschluß gefunden hat.

          Wer schweigt, scheint zuzustimmen

          Über die Wahl des deutschen Beitrags für den "Grand Prix d'Eurovision de la Chanson" wachte dagegen Notar Dr. Kornelius. Der Superstar der Grundbuchszene? Der Ralph Siegel der Vertragsformulare? Daß er als Statussymbol neben dem Doktortitel (Thema: "Immanente Schranken notarieller Beglaubigungspflichten im Urheberrecht am Beispiel des Abkupferns von C-Dur-Akkorden"?) einen Schreibtisch inklusive Schreibkraft nach Kiel mitgebracht hatte, mag als Zeichen für ein bißchen Rechtsfrieden angehen und konnte doch den Seriositätsvorsprung nicht ausgleichen, den dem Kollegen in Köln die Anonymität gewährte. Hier sprach die Stimme des Gesetzes selbst, das heißt, sie sprach gar nicht, sondern gab in der Nachfolge des seligen Walter Spahrbier einen Brief ab und schwieg dazu. Und im alten Rom galt schließlich schon, wenn auch leider nicht mehr im Neuberliner Bundesrat: Wer schweigt, scheint zuzustimmen.

          Daß man geneigt ist, Alexanders Superstartitel per saldo für juristisch wasserdichter, gerichtsnotorischer, revisionsfester, ja verfassungsmäßiger zu halten als den an Lou ergangenen Auftrag, in Riga unser Lied für Riga zu singen, das ist letztlich - um den Grundwert der Dieter-Bohlen-Welt zu bemühen, in der nur zum Schein die Macht der Töne herrscht - eine Sache der Optik, näherhin der Kleiderordnung. Der No-name-Notar sah einfach besser aus als Markenprodukt Dr. Kornelius!

          Allwissenheit des Laptopablesers

          Gemessen natürlich an den für Notare geltenden Maßstäben, die nicht im Standesrecht stehen, sondern ihm im Sinne Böckenfördes als Voraussetzungen zugrunde liegen, die auch die lukrativste Gebührenordnung nicht finanzieren kann. Das heißt, daß Juliette keineswegs die allen Umfragen zufolge wankelunmütige Gunst des Volkes noch auf ihre Seite hätte ziehen können, wenn sie den tüchtigen Rechtsbeistand zum Bruch seiner Neutralitätspflicht verführt, sich seine Dienstkleidung geborgt und eine ihrer drei Minikleid-Kombinationen im Schrank gelassen hätte.

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