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Fernsehen : Vollkommen gelassen

  • -Aktualisiert am

Julia Jäger, von der Kritik kaum je gezaust Bild: dpa/dpaweb

Julia Jäger bringt alles mit für die Verbeugung und Verehrung, mit denen die Franzosen ihren Darstellerinnen huldigen. An diesem Freitag ist sie in der Verfilmung des Donna-Leon-Romans "Feine Freunde" zu genießen.

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          Diese Ehe ruht gelassen in sich selbst. Auch wenn Guido Brunetti, der venezianische Commissario, und seine stets auf ihr eigenständiges Denkvermögen pochende Ehefrau Paola sich in geharnischte Dispute verstricken - eine Urzuneigung und das gegenseitige Vertrauen bleiben den beiden stets erhalten, zumindest als Subtext in den Romanen von Donna Leon.

          Die nach den unterhaltungsliterarischen Vorlagen entstandenen Fernsehfilme können mit diesem Reflex einer selbst im Streit harmonischen Ehe allerdings erst glänzen, seit Brunetti und Frau neu besetzt worden sind. Jetzt kommt das Unterschwellige zwischen den zweien zum Tragen. Und anders als ihre Vorgänger Joachim Król und Barbara Auer entsprechen Uwe Kockisch und Julia Jäger endlich konturengenau den Figuren, wie sie die Leselaune herbeiphantasierte. Schon die zwar modische, aber auch strenge Brille, die Paola Brunetti neuerdings trägt, und die raffiniert eingeschlagenen Haare zieren und charakterisieren zugleich die Literaturdozentin, ergänzt von einer auffallend selbstbewußten Haltung feinster Noblesse.

          Bruch der Ernsthaftigkeit einer Rolle

          Die Schauspielerin Julia Jäger, bekennt sie im Gespräch, schätzt es ungemein, wenn sie die Ernsthaftigkeit einer Rolle auch einmal brechen kann, also Frauenfiguren aufgetragen bekommt, in deren emotionalem Selbstverständnis für winzige Momente selbst Frotzelei ihren Platz findet. Genau dafür ist Paola Brunetti wie geschaffen, zugleich aber, mit Blick auf ihre Kinder Chiara und Raffael, eine fürsorgliche Mama, und wenn sie im Nachthemd und mit aufgelöstem Haar in der Tür steht wie am Ende des Fernsehfilms "Feine Freunde" heute abend, dann kommt bei Julia Jäger vage sogar eine erotische Verheißung ins Spiel.

          Obwohl sie ihren Partner aus Terminnot erst am Morgen des ersten Drehtages kennenlernte, fanden Julia Jäger und Uwe Kockisch auf Anhieb jenes Terrain gemeinsamen Wollens und gegenseitiger Verständigung, das die darstellerische Arbeit so viel leichter und für den Zuschauer überzeugender macht. Julia Jäger, dieser Vorwurf zielt auf manchen ihrer Regisseure und den einen oder anderen der bisher erlebten Mitspieler, ist überhaupt nicht glücklich, wenn sie sich nur auf sich allein gestellt sieht.

          Reagieren auf das, was entgegenkommt

          Natürlich evoziert das Studieren des Drehbuchs bestimmte Eindrücke und emotionale Reaktionen. Aber diese Schauspielerin weiß sich dann am meisten gefordert und dadurch auch am besten in ihrem Können aufgehoben, wenn sie im Spiel reagieren kann auf das, "was mir entgegenkommt". Nicht zuletzt ihre Neigung, sich auch einmal in komische oder komödiantische Gefilde verschlagen zu lassen, wird behindert, wenn das Echo ausbleibt: "Komödie kann ich nicht allein."

          Über die Wertschätzung, die Julia Jäger erfährt, braucht sie sich nicht zu beklagen, bei den Zuschauern gleichbleibend beliebt, von der Kritik kaum je gezaust - trotzdem liest sie so gut wie nie die entsprechenden Rezensionen - und mit regelmäßig drei bis vier Rollen im Jahr auch hervorragend beschäftigt. Zwar liegt das Erlebnis, unter bedrängenden Umständen unmittelbar vor Drehbeginn die Hauptrolle in der mehrteiligen Fernsehverfilmung von Uwe Johnsons "Jahrestagen" verloren zu haben, als auch der vorgesehene Regisseur Frank Beyer gehen mußte, immer noch als dunkler Schatten auf ihrer Seele. Bis heute kann sie sich, was dann Margarethe von Trotta mit Suzanne von Borsody erfolgreich in Szene setzte, nicht ansehen. Aber für die Verbeugung und Verehrung, mit denen die Franzosen so selbstverständlich ihren Darstellerinnen huldigen, brächte Julia Jäger seit Jahren alles Nötige mit, auch wenn ihre im Gespräch aufscheinende Bescheidenheit ausschließt, von sich aus auf solche Gedanken zu kommen.

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