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Fernsehen : Unsere Freunde von der Weltbank

  • -Aktualisiert am

Ugandisches Kabinett auf Besuch bei der Weltbank Bild: Arte

Die Filmemacher Greg Lanning und Peter Chappel haben eine beeindruckende Dokumentation über die Weltbank gedreht.

          Die Filmemacher Greg Lanning und Peter Chappel haben eine beeindruckende Dokumentation über die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds gedreht. Am Beispiel eines afrikanischen Landes beschreibt der Film die komplexen Erwartungen der reichen an die armen Länder und umgekehrt. Der Film beseitigt durch pure Beobachtung gängige Klischee-Vorstellungen von guter "Dritter" und habgieriger "Erster Welt".

          Dargestellt wird in dem preisgekrönten Film von Greg Lanning und Peter Chappel, der diese Woche zweimal auf Arte lief, der Fall Uganda. Zwei Teams betrachten den Fall aus zwei entgegengesetzten Blickwinkeln. Die Hauptpersonen sind der ugandische Präsident Museveni und Weltbank-Präsident James D. Wolfensohn. Auf der einen Seite steht eine Regierung, die ihre fragile Macht gegen Rebellen verteidigen muss und dafür einen großen Teil der internationalen Hilfe für die öffentliche Sicherheit (sprich: das Militär) ausgibt. Auf der anderen Seite stehen die Kreditgeber, die darauf drängen, dass das Geld in neue Schulen fließt. Um diese Fragen kreisen die harten Verhandlungen zwischen Weltbank-Vertretern und der ugandischen Regierung.

          Vertrauliche Gespräche aus nächster Nähe

          Das Filmteam konnte eine Zeitlang uneingeschränkt sämtliche Treffen zwischen Weltbank-Vertretern und Regierung mitfilmen. Egal, ob der Leiter des Weltbank-Büros in der Hauptstadt Kampala den Verteidigungsminister trifft, um ihm noch einmal die Anliegen der Geberländer (Donor-Countries) nahe zu bringen oder ob Weltbank-Präsident Wolfensohn den Präsidenten Ugandas in seinem Büro in Washington empfängt und beide Klartext miteinander reden, der Zuschauer ist immer mit von der Partie. Er ist auch dabei, wenn zwischen den Partnern Weltbank und Internationalem Währungsfonds offene Konflikte ausbrechen.

          Der Zuschauer begreift schnell: Die Anliegen der Geberländer - Investitionen in Ausbildung der Bevölkerung - sind genauso berechtigt wie die Sorgen der Regierung von Uganda verständlich sind, die mit "ruhiger Hand" schlecht regieren kann, solange Rebellen die Grundfesten des Gemeinwesens bedrohen. "Sie haben gut reden", sagt ein Regierungsvertreter dem Weltbank-Vertreter an einer Stelle, "mit Massakern an ganzen Dörfern müssen Sie sich nicht befassen."

          Hase-und-Igel-Spiel

          Manchmal ähnelt das Verhältnis von Gebern und Nehmern einem Hase-und-Igel-Spiel. Die einen sagen nur die halbe Wahrheit darüber, wohin die Kredite fließen. Andererseits müssen sie die Demütigung ertragen, sich als souveräner Staat für ihre Ausgaben rechtfertigen zu müssen.

          Lösungen, etwa für das Schuldenproblem der Dritten Welt, will der Film nicht anbieten. Die Autoren halten sich ganz zurück. Einen Mangel an eigener Analyse kann man ihnen, wenn man will, vorwerfen. Er bietet jedoch statt dessen etwas unschätzbar Wertvolles: einen unverstellten Eindruck auf die Wirklichkeit.

          So wird das Thema Schuldenerlass in der Freude einer Weltbank-Mitarbeiterin aufgegriffen, die nach einer Sitzung mit ihren Kolleginnen einen Erfolg feiert. Ihr Vorschlag eines Schuldenerlasses wurde von Präsident Wolfensohn angenommen.

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